Bamberg
Aktion

Erst zur Demo, dann zum Müllsammeln

Bamberger Schüler, die für Fridays for Future auf die Straße gehen, wollen die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz langfristig angehen.
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Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums befreien den Erba-Park von Unrat. Fotos: Ronald Rinklef
Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums befreien den Erba-Park von Unrat. Fotos: Ronald Rinklef
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Das penible Aufsammeln von Zigarettenstummeln und Kronkorken wird begleitet vom metallischen Klacken der Greifzangen. In kleinen Grüppchen schwärmen 40 Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums in Bamberg aus, um den städtischen Erba-Park zu durchkämmen und von Müll aller Art zu befreien.

Was an diesem Nachmittag erst mal nur wie eine Aktion eines Projektseminars daherkommt, ist eine Art, mit dem "Schule schwänzen" umzugehen. Denn die Jugendlichen, die aus den Klassenstufen 7 bis 11 stammen, haben wieder einmal an der Fridays for future-Klimademo am 24. Mai teilgenommen, die weltweit gut 1,5 Millionen Menschen auf die Straßen zog. Schulen müssen nach bayerischem Recht entweder disziplinarische oder erzieherische Maßnahmen den Schülern aufbrummen, wenn sie unentschuldigt fehlen.

"Hinter der Zahl von 40 Schülern steckt ein großer Einsatz für Umwelt- und Klimaschutz", sagt Lehrer Michel Eichinger, bevor sich die Demoteilnehmer über das Landesgartenschaugelände bewegen. "Niemand will gerne beim Joggen auf eine Cola-Dose treten", meint der Pädagoge zu seinen Schülern, um die Wichtigkeit der Aktion klarzumachen.

Sinnvoller als Nachsitzen

"Das ist auf jeden Fall sinnvoller als Nachsitzen oder irgendwelche Verweise", findet Isabelle Ernst. Die Zehntklässlerin war wie viele ihrer Mitschüler bei den meisten Fridays-for-Future-Demos in Bamberg dabei. "Damit zeigt die Schule, dass ihr Umweltschutz tatsächlich wichtig ist", findet ihr Klassenkamerad Tobias. Fragt man die Jugendlichen, wie Zuhause die Maßnahmen ankommen, welche die Schüler für ihr politisches Engagement extra machen müssen, kommen viele positive Rückmeldungen. Manche Eltern hätten gar Verweise eingerahmt an die Wand gehängt. "Es ist wichtig, dass wir damit zeigen, dass wir nicht nur "Schule schwänzen" sondern auch was aktiv tun", beschreibt es Inga Braungart aus der 8. Klasse.

Andere Schulen in Bamberg stehen vor der gleichen Frage: Wie mit den Schülern umgehen, die Mal für Mal am Freitagvormittag Heft und Stift mit Demo-Schild und Transparent tauschen? "Wir werden die Schüler, die unentschuldigt gefehlt haben, an zwei Projekttagen im Juli intensiv einbinden", erklärt Markus Knebel, Direktor des E.T.A-Hoffmann-Gymnasiums. So sollen die Jugendlichen das Projekt zum Thema Nachhaltigkeit planen und leiten. An der Graf-Staufenberg-Realschule kann die Schulleitung auch niemanden vom Unterricht befreien: "Disziplinarische Maßnahmen sind nicht die Lösung", betont Andrea Welscher. Die Schulleiterin bewertet das Engagement der Schüler grundsätzlich positiv und kann sich auch eine Maßnahme vorstellen, so dass sich die jungen Menschen mit der Thematik auseinandersetzen müssen.

Am Eichendorff-Gymnasium ist die Schule im Einvernehmen mit den jungen Frauen. "Die Schülerinnen sammeln selbst die Listen der Demoteilnehmerinnen", erklärt Brigitte Kaiser. "Nach einer Demonstration haben die Schülerinnen sogar um einen Verweis gebeten" erzählt die Direktorin. Ansonsten zieht die Schulleiterin den pädagogischen Ansatz Verweisen und Co. vor: "Wir machen eine Müllsammlung im Schulhaus, um zu zeigen was alles an unterschiedlichen Arten anfällt." Umweltverschmutzung sei ein ernstzunehmendes Thema, weshalb die Schule gemeinsam diskutieren soll: "Wie können wir die Müllmenge an unserer Schule reduzieren?"

An der kaufmännischen Berufschule geht man einen anderen Weg: Hier soll die Kunst die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz verbinden. "Die Initiative kam von den Schülern selbst", erzählt Klassenleiter Jörg Neubauer. So gibt es eine Ausstellung, die bis zu den Sommerferien auf unterschiedlichste Arten Umweltzerstörung und Klimawandel darstellt. 30 Schüler schreiben, fotografieren und basteln dazu. Neben einer Weltkarte der Verschmutzung können Besucher Skulpturen aus den unterschiedlichsten Arten von Plastik, welches in den Weltmeeren schwappt, betrachten.

Bei den Organisatoren von Fridays for Future in Bamberg kommen die Maßnahmen der Schulen unterschiedlich an: "Projekte wie Müllsammelaktionen auf der Erba oder auch Referate zum Thema Klimaschutz sind unterstützenswert und sollten eigentlich zum schulischen Alltag gehören!", findet Paul Mari, der in der 9. Klasse die Erlöser-Mittelschule besucht. Solange die Aktionen nicht zur Bestrafung gedacht seien, seien diese eine sinnvolle Ergänzung. Für den Elftklässler Simon Schön, der am Dientzenhofer-Gymnasium zur Schule geht, stellt sich die Situation anders dar: "Eine Nacharbeit für das Teilnehmen an den Demos macht genauso wenig Sinn wie ein Verweis. Damit wird mitnichten die Essenz unserer Bewegung verstanden. Wir demonstrieren für einen Wechsel in der Umweltpolitik, nicht für eine Änderung des Verhaltens der Schüler."

Auf Politiker zugehen

Es ist geschafft: Anderthalb Stunden später landen zehn mit Kaffeebechern, Chipstüten, Styroporstücken, Strohhalmen und sonstigem Kleinklein gefüllte Säcke auf einem Haufen. Und für das nächste Mal hat sich der Lehrer Eichinger mit seinen Kollegen schon etwas ausgedacht: "Denkbar ist, dass Veranstaltungen mit Stadtratsfraktionen oder Bürgermeistern zustande kommen", erläutert Eichinger. So könnten die jungen Leute auf ihre Gemeinden zugehen, um vor Ort für den Klimaschutz etwas in Bewegung zu setzen. Im Wissen, dass Politik Zeit braucht, um zu wirken, betont der Lehrer: "Wir wollen, dass das Engagement der Schüler nicht verloren geht."

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