Bamberg
Wolfsschlucht

Erlebnispädagogik in der Wolfsschlucht in Bamberg: Mit Spaß zur Selbstständigkeit

Seit März werden in der ehemaligen Jugendherberge Wolfsschlucht Flüchtlinge und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen zur Selbstständigkeit geführt..
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Klettern, Kanu fahren und das Balancieren auf der Slack Line sind nur drei Erlebnissportarten, mit denen die Pädagogen bei ihren Schützlingen Selbstvertrauen und Teamfähigkeit fördern wollen.
Klettern, Kanu fahren und das Balancieren auf der Slack Line sind nur drei Erlebnissportarten, mit denen die Pädagogen bei ihren Schützlingen Selbstvertrauen und Teamfähigkeit fördern wollen.
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Der Wind weht sanft durch die Blätter der Eiche, als sich der 17-Jährige aufs Seil wagt. Mit Helm auf dem Kopf und Sicherungsgurt um die Hüfte traut er sich auf die Slack-Line in drei Meter Höhe an der Buger Spitze. Unten steht Manuel Zimmermann und sichert. Der ausgebildete Erlebnispädagoge weiß, welche Herausforderungen hinter dem Konzept stecken: "Wichtig ist, dass wir die jungen Leute nicht nur zu etwas anleiten, sondern ihnen Verantwortung übergeben. Geschätzte sechs Meter kämpft sich sein Schützling von Baum zu Baum. "Es ist etwas wackelig und das schockt einen schon. Aber es ist echt gut!", meint der Jugendliche mit einem strahlenden Gesicht als er wieder am Boden ist.

In der Wolfsschlucht zu Hause

Seit 1. März ist er mit 19 anderen jungen Menschen zwischen 15 und 18 Jahren in der komplett renovierten Wolfsschlucht zuhause, welche vom Don Bosco Jugendwerk in Bamberg betrieben wird. Das Haus am linken Regnitzarm unweit des Bamberger Stadtteils Bug feiert an jenem Freitag ein Bürgerfest, um der Nachbarschaft und der ganzen Stadtgesellschaft das Ergebnis nach jahrelangem Leerstand zu präsentieren.

"Das ist eine geniale Lage mit dem Wasser direkt vor der Haustür und auch die fränkische Schweiz ist nicht weit weg", beschreibt Zimmermann die Vorzüge der neuen Unterkunft. So könne man nicht nur die Slack-Lines auspacken, sondern auch mit zwei großen Boards für acht Leute zum Stehpaddeln zu Wettkämpfen auf der Regnitz antreten. Eine gute Sportart, um den Jugendlichen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in ihrem Elternhaus leben können, Koordination und Teamfähigkeit mitzugeben. Und damit auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.

Der Betreuer-Kollege Randolf Walther schätzt die Ruhe an diesem Ort: "Es fühlt sich so ein bisschen an, wie wenn man auf dem Dorf leben würde. Und trotzdem sind wir schnell in der Stadt." Gleichzeitig lasse sich hier inmitten der Natur ein guter Umgang mit der Artenvielfalt vermitteln.

Das erlebnispädagogische Programm der Don-Bosco-Einrichtung ist aber nicht nur für die Bewohner gedacht: Alle Jugendlichen aus Bamberg und Umgebung sind willkommen, um bei Kanutouren, Mountainbikefahrten oder Klettertouren ihre Grenzen auszutesten. Im Juni geht's los mit dem Angebot.

Fünf Erlebnispädagogen

Während draußen im Hof die Bratwürste brutzeln, lauschen drinnen die interessierten Bürger den Ausführungen von Milan Krieglstein. Der Leiter der Einrichtung, welcher mit insgesamt 13 Kollegen, davon fünf Erlebnispädagogen, die Jugendlichen betreut, führt durch das geräumige Anwesen. Es gibt Einzelzimmer und Zweierschlafzimmer. Auf dem einen Stockwerk leben ausschließlich minderjährige unbegleitete Geflüchtete, auf dem anderen sind Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen zuhause. Neben der Zeit in der Schule, beim Deutschunterricht oder auch schon in der Ausbildung bietet die Wolfsschlucht den jungen Menschen auch ein gemeinsames Programm "Wir haben eine Kooperation mit dem E.T.A Hoffmann Theater, bei welchem die Jugendlichen ein Stück schreiben, Rollen spielen und die Requisiten basteln. Und nach einem halben Jahr gibt's Aufführungen im Theater und bei uns im Haus", erklärt Krieglstein die Idee.

Und auch der Hausmeister ist mehr als ein bloßer Verwalter: Dann wird zusammen gebastelt und geschreinert, um Deko und Co. zu verwirklichen. Routine ist wichtig, weshalb jeden Abend gemeinsam gekocht wird. Egal ob Kloß mit Soß oder afghanischer Eintopf: "Die Küche ist für alle ein Ort der Begegnung", macht Krieglstein deutlich. Jeden Abend ist ein anderer Bewohner eingeteilt, um gemeinsam mit einem Betreuer eine leckere Mahlzeit zu kredenzen. Und jede Party im Haus wird automatisch zur Küchenparty. Eine Besucherin will wissen, bis zu welchem Alter die jungen Leute in der Wolfschlucht leben. "In der Regel bis 18, aber es kann auch sein, dass sie länger bleiben, wenn' s vielleicht grade eine schwierige Phase in der Ausbildung gibt", erklärt der Pädagoge Krieglstein. Danach ziehen die Jugendlichen wieder zurück zu den Eltern, in eine betreute Wohngemeinschaft oder auch die eigene Wohnung.

"Ich finde gut, dass den Jugendlichen was zugetraut wird und sie zur Selbstständigkeit befähigt werden sollen", meint die Inge Henkel aus Bug. Mit Blick auf die großzügige Bezuschussung durch Bund und Freistaat sowie die Stadt Bamberg sagt ihr Ehemann Walter Henkel: "Ob sich die Einrichtung auf Dauer halten können wird, wird sich zeigen." Die heutige Entwicklung der Wolfschlucht sei ein Glücksfall, da ist sich das Ehepaar einig.

Feuer und Flamme fürs Bouldern

Und wie ist es, wenn man in der Wolfsschlucht tatsächlich wohnt? "Ich finde, wir haben ein gutes Gruppenklima. Und auch mit den Betreuern komme ich super klar", meint der 17-Jährige. Und auch die Zimmer könnten sich sehen lassen. Dazu hat er hier zum ersten Mal Bouldern sowie Klettern gelernt und war sofort Feuer und Flamme. Jetzt muss er weiter und sichern: Ein Spaziergänger hat die Slack-Line entdeckt und darf auch seine Höhenangst überwinden.

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