Erlach
Archäologie

Erlach erwies sich als "Volltreffer"

Die Grabungen im künftigen Neubaugebiet des Hirschaider Ortsteils haben umfangreiche Belege für die frühe Besiedlung geliefert.
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Blick von einer Drohne auf das bis zu 2,5 Hektar große Untersuchungsgebiet bei Erlach. Die vier Meter breiten Sondagen wurden mit einem Bagger angelegt.Archäologistik Bamberg
Blick von einer Drohne auf das bis zu 2,5 Hektar große Untersuchungsgebiet bei Erlach. Die vier Meter breiten Sondagen wurden mit einem Bagger angelegt.Archäologistik Bamberg
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Wer hätte gedacht, dass Erlach einer der am längsten bewohnten Orte im Frankenland ist? Insider der Archäologie hatten aufgrund von Lesefunden schon länger den Verdacht, aber nun ist es Gewissheit: Als in Ägypten der Pharao Echnaton regierte und sich mit seiner zauberhaften Hauptgemahlin Nofretete schmückte, also im 14. Jahrhundert vor Christi Geburt, da siedelten im Steigerwald, am Ufer der Reichen Ebrach, "bronzezeitliche Menschen". Das hat eine Untersuchung des westlich an Erlach angrenzenden künftigen Neubaugebietes ergeben, die dem Markt Hirschaid vom Landesamt für Bodendenkmalpflege auferlegt worden war.

Die Grabungen durch die Bamberger Grabungsfirma "Archäologistik" sind abgeschlossen. Dessen fachgerechte Dokumentationen (allein 2000 Fotografien), Zeichnungen und die gesammelten Artefakte stehen zur wissenschaftlichen Auswertung - zum Beispiel durch einen Doktoranden - zur Verfügung. Das Untersuchungsgebiet wurde wieder in seinen vorherigen Zustand versetzt und kann nun gemäß dem Bebauungsplan seiner Zweckbestimmung zugeführt werden. Am wissenschaftlichen Vorbericht wird gearbeitet.

Geeignete Topografie

Gunnar Gransche, der Geschäftsführer von "Archäologistik", spricht nach Abschluss der umfangreichen Flächengrabung von einem "Volltreffer". Das künftige Erlacher Neubaugebiet war in der archäologischen Landkarte Bayerns vorgemerkt. Aufgrund von Funden, die Hobbyarchäologen bei Begehungen der frisch gepflügten Äcker gemacht hatten, sowie wegen der geeigneten Topografie war eine frühgeschichtliche Besiedlung des Ortes wahrscheinlich. Der Mainberg schirmte den kalten Nordwind ab, eine Bodenerhebung zu seinen Füßen bot Schutz vor Überschwemmung. Nahrung aus dem Wald und dem Bach, dazu der bronzezeitliche Anbau von Emmer, Dinkel, Einkorn oder Hirse auf den bis heute fruchtbaren Böden des Reichen Ebrachgrundes: Da ließ es sich auch schon vor dreieinhalbtausend Jahren gut leben.

Und gewohnt wurde in Pfahlbauten, ähnlich denen von Uhldingen am Bodensee: "Jede Menge Pfostenstandspuren" wurden bei der Grabung freigelegt, berichtet deren wissenschaftlicher Leiter Wolfgang Dallmann. Dazu wurden eine große Anzahl an Abfall- und Vorratsgruben aufgedeckt, ihr Inhalt mit Kelle, Bürste und Sieb per händischem Feinputz zutage gefördert. Und da fanden sich dann doch zahlreiche Tonscherben mit den für die Bronzezeit charakteristischen Verzierungen des Alltagsgeschirrs: Kammstichmuster, Einritzungen, Fingertupfenleisten, dazu noch steinzeitliche Silex-Klingen. Sehr dicht besiedelt war das Frankenland in der Bronzezeit wohl noch nicht, denn die nächste vergleichbare Siedlung kennt man aus Weismain.

Experten sind begeistert

Auch wenn in Erlach kein sensationeller Fund gemacht worden ist - die bekanntesten aus jener Zeit sind die Himmelsscheibe von Nebra oder der Goldene Hut - beurteilen die Bamberger Archäologen das Erlacher Untersuchungsergebnis als "herausragend". Und wer weiß, was aus Unkenntnis und Unachtsamkeit bei der früheren Bebauung Erlachs an Erbe der Bronzezeitler verloren gegangen ist. Man hat auf der 2,5 Hektar großen Fläche keine Latrinen-Abfallgruben aufgespürt, sonst die ergiebigsten Fundstellen.

Dass keine Geräte, Werkzeug oder Waffen aus Bronze entdeckt wurden, wundert die Archäologen nicht: Wie jedes Metall oxidiert auch Bronze (eine Legierung aus Kupfer und anderen Metallen, meist Zinn) und löst sich binnen Jahrtausenden auf (zum Vergleich: heutige Verpackungen aus Plastik verrotten vielleicht in einer Million Jahre). Gebrannter Ton hält immerhin ein paar tausend Jahre, auch wenn durch den Ackerbau von schönen Gefäßen oft nur Scherben von Briefmarkengröße übrigbleiben.

Wetter bereitete Sorgen

Die Ortsbevölkerung hat "ihre Archäologen" bald ins Herz geschlossen, war mit Strom und Wasser behilflich und schaute immer wieder mal vorbei. Auch viele Radwanderer hielten an und wunderten sich über die Grabungsarbeiten, die von Oktober 2017 bis Juli dieses Jahres dauerten. Mit dem Bagger gezogene, vier Meter breite Sondagen, Grabungsschnitte bis in 45 Zentimeter Tiefe und bis zu acht wettererprobte Fachkräfte halfen, die Erlacher Frühgeschichte zu erforschen.

Gunnar Gransche und Wolfgang Dallmann von der Bamberger Archäologistik werden sich lange an diesen Auftrag des Marktes Hirschaid erinnern. Er wurde zu ihrem "Watergeddon", in Anlehnung an die biblische Zerstörungskatastrophe "Armageddon". Denn: "Es war eine Grabung der Wetterextreme", schaudern sie, "mit dicker Schneedecke im Frühwinter, verregnetem Frühjahr, monatelanger Hitze und einem verheerenden Wolkenbruch zwischendrin." Da wurden binnen einer halben Stunde 40 Zentimeter hoch Sedimente auf dem Grabungsfeld abgelagert, wodurch das Projekt um 14 Tage zurückgeworfen wurde. Die anschließende Trockenheit machte den Boden steinhart, so dass die Arbeitsflächen künstlich bewässert werden mussten, um von Hand weiterzuarbeiten.

Aber es hat sich gelohnt, sogar für die künftigen Hausbauer: Man ist ein bisschen schlauer geworden, wozu der Mainberg bei Starkregen fähig ist.



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