Der Bund würde dennoch 45 Millionen Euro investieren. Selbst wenn es aus Kübeln "schüttet": Bei Regen wagt sich Zweite Bürgermeisterin Gudrun Stößel (SPD) nicht mit Regenschirm auf einen Fußmarsch zum Rathaus: "In der Ortsdurchfahrt geht es so eng zu, dass einem die Lastwagen den Regenschirm entreißen", schimpfte sie bei einer Informationsveranstaltung, bei der es um mögliche Umgehungs-Trassen für die B 279 ging, auf der nach letzten Zählungen täglich rund 10 000 Fahrzeuge durch Baunach und Reckendorf brausen. Seit der Grenzöffnung 1989 sind es immer mehr geworden. Die Einführung der Autobahnmaut hat den Schwerverkehr nochmals erhöht. Besonders in den Nachtstunden. Deshalb hat sich auch eine Bürgerinitiative gebildet, die sich für eine Trassenverlegung stark macht.

Eine Umgehung östlich von Baunach stand bislang stets auf der Wunschliste vieler Bürger und Kommunalpolitiker. Doch dieser Traum ist bei der Informationsveranstaltung des (Straßen-)Bauamtes Bamberg im Juli jäh zerplatzt: Der stellvertretende Behördenchef, Baudirektor Andreas Eisgruber, verkündete mit einer für einen Beamten unerwarteten Offenheit: "Die Osttrasse ist nicht umsetzbar." Europaweite Schutzgüter, stünden dagegen: Fünf FFH- und zwei Vogelschutzgebiete. "Das ist EU-Recht und damit ein gewaltiger Konfliktbereich. Die Osttrasse wäre die beste Linienführung, aber wir kommen damit nicht durch." Daher empfahl Eisgruber, "einem Gespenst nicht länger hinterher zu rennen" - und weiter: "Ich bin auch kein glühender Verfechter der Westtrasse, aber es führt kein Weg hin zu Osttrasse", bekannte er aufgrund vielstimmiger Kritik aus den Reihen der Zuhörer und der Räte aus Baunach und Reckendorf.

Wie also könnte sie aussehen die Alternative, die mit geschätzten Kosten von 45 Millionen fast doppelt so teuer kommt wie die Ostvariante? Planungsabteilungsleiter Norbert Schmitt erläuterte Details des bisherigen Planungsstandes. Seitens des Bundesverkehrsministerium liege die Zustimmung vor, auch die höheren Kosten zu tragen. "Die Westtrasse wird als zumutbare Alternative gesehen - auch aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus."

Grünes Licht aus Berlin

Eine ähnliche Stellungnahme hat unsere Zeitung auch aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin erhalten. Die Umgehung von Baunach und Reckendorf stehe im Bundesverkehrswegeplan unter der Rubrik "vordringlicher Bedarf", da das Verkehrsaufkommen überdurchschnittlich sei, weswegen eine Umsetzung im Zuge der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes ab 2015 greift.

Der Bund zahlt also auch die teurere Variante über die Haßbergausläufer, eine neues (altes) Einfallstor zum Naturpark Haßberge, das von der Autobahnausfahrt Breitengüßbach über eine neue Mainbrücke die Höhe hoch führt. Dazu gibt es schon genaue Berechnungen, die Norbert Schmitt vorstellte. In den bestehenden Wald wird eine Schneise geschlagen, die zwölf Meter tief sein wird, um bei einer sechsprozentigen Steigung zu bleiben.

Den höchsten Punkten erreicht, bleibt die Trasse auch im weiteren Verlauf "versteckt". Als Planer Schmitt ausführte, dass - im Gegensatz zur Osttrasse - im Westen keine Schallschutzmaßnahmen notwendig seien, erntete er zunächst höhnisches Gelächter und Kopfschütteln, schob seine Begründung aber auch gleich nach. Die Straße verlaufe kontinuierlich unter dem bestehenden Geländeniveau. Und zwar so tief, dass "aus den Baugebieten in Baunach und Reckendorf nicht einmal ein Laster zu erkennen sein wird und der Blick auf den Wald bestehen bleibt."

So weit zur Optik, den Schall und die Auspuffdämpfe ("Krach und Ausstoß") fürchten die Anwohner in Baunach, Reckenneusig und Reckendorf aber gleichermaßen, da der Wind zumeist von Westen und damit in Richtung Siedlungen wehe. Reinhold Schweda (CSU): "80 Prozent der Bürger befürchten Lärmbelästigungen." Bis auf 70 Meter reicht die Trasse an die westliche Bebauung in Reckenneusig heran, bis auf 90 Meter in Reckendorf, ehe die Linienführung hinter dem Tonberg der Reckendorfer Ziegelei vor der Brücke über den Laimbach wieder in die bestehende Bundesstraße und den Übergang nach Unterfranken mündet.

Tiefer Einschnitt für Trasse

Allein den Geländeeinschnitt - die "Tieferlegung" der Trasse - erachten die Straßenplaner als ausreichend für den notwendigen Lärmschutz, während die Kritiker anführten, dass allein durch diese Trassenführung die Gemeinden Reckendorf und Baunach keine Entwicklungsmöglichkeit in Richtung Westen hätten. Vorteile durch die Anbindung im Westen gibt es aus Sicht der Straßenplaner dennoch : Diese Trasse nähme viel mehr Verkehr auf, der aus den Seitentälern, Lautergrund und Sendel bachtal, kommt.

"Damit fangen wir Verkehrsmengen ab", hat Planer Schmitt errechnet. Bis zu 85 Prozent im Bereich Baunach. Aus dieser Zahl las er auch heraus, dass ein Anschluss des Baunacher Siedlungsgebiets Hemmerleinsleite vorgesehen wird, was Stadtrat Hubert Dietz (CSU) anregte. "Damit wären die Probleme am Kapellenberg weg und wir bekämen wenigstens ein Zuckerl, das für die Westtrasse spräche." Planer Schmitt: "Wir gehen von einer Anbindung des Siedlungsgebietes aus, auch wenn wir noch nicht wissen, wie es technisch machbar ist."

Nach Ansicht der Planer ist die Westumgehung trotz der massiven Eingriffe in Landschaft umsetzbar, obgleich entsprechende Ausgleich-und Ersatzmaßnahme notwendig seien. Das rief Herbert Vetter aus Reckendorf auf den Plan, der als Natur- und Wetterbeobachter der Überzeugung ist, dass "alle die Tiere, die bei der Ostumgehung unter Schutz stehen, auch entlang der Westtrasse gefunden werden". Bürgermeisterin Stößel fand ebenso, dass "auch bei einem Straßenbau durch einen Wald von Naturschutz die Rede sein sollte".

Hubert Dietz (CSU) kam zur Einschätzung, dass nur noch die Wahl zwischen Westtrasse und einem Ausbau des Bestands, der Ortsdurchfahrt, bleibe, was Gudrun Stößel zur eingangs geschilderten Erfahrung brachte. "In der Ortsdurchfahrt geht gar nichts. Da müssten wir ja Häuser abreißen." Und auch die Straßenplaner verkündeten unverhohlen, dass es ohne eine einheitliche Willensbekundung der Gemeinde- und Stadträte in Reckendorf und Baunach keine Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf (samt Mittelbereitstellung) geben dürfte.

Die Entscheidung in beiden Gemeinde-Parlamenten, die sich bei anderen Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit nicht immer einig waren, muss in den nächsten Sitzungen nach der Sommerpause fallen, da sonst eine Berücksichtigung bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes nicht mehr möglich ist.