Bamberg
Gericht

Erinnerung an einen verstörenden "Besuch" der Rechten

Während sich im linken Szenetreff "Balthasar" 40 Zuhörer über rechte Strukturen informierten, standen draußen zum Teil vermummte Neonazis.
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Nach ihrer Aktion vor dem "Balthasar" wurden einige Teilnehmer festgenommen, darunter auch Oliver B. (Bildmitte), der laut Staatsanwaltschaft als Organisationsbeauftragter der "Weisse Wölfe Terrorcrew" fungierte. Foto: News 5/Herse-Archiv
Nach ihrer Aktion vor dem "Balthasar" wurden einige Teilnehmer festgenommen, darunter auch Oliver B. (Bildmitte), der laut Staatsanwaltschaft als Organisationsbeauftragter der "Weisse Wölfe Terrorcrew" fungierte. Foto: News 5/Herse-Archiv

Es war an diesem Abend wohl vor allem beabsichtigt, zu provozieren und Ängste zu schüren. Der Angeklagte Oliver B. (Namen geändert) hatte über WhatsApp sechs Mitstreiter mobilisiert, darunter auch Thorsten P., die bei einem Festival gegen Rassismus am 7. Juni 2015 Präsenz zeigen und die Teilnehmer (ver-)stören wollten.

Die damals Beteiligten wurden schon vor drei Jahren vom Amtsgericht Bamberg zu Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt, doch nun sind die Ereignisse auch für den aktuellen Neonazi-Prozess vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts interessant. Denn unter anderem die vor Gericht verlesenen Chat-Protokolle zeigen, dass es sich um eine geplante Aktion handelte, an der auch Mitglieder und Anwärter der "Weisse Wölfe Terrorcrew" teilnahmen. "Keine Waffen, Handschuhe und Halstuch sind aber durchaus erwünscht", hatte B. angewiesen. Peter F. war an diesem Tag nicht dabei, weil gegen ihn bereits einige Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung liefen und er "lieber erst mal die Füße still halten" wollte.

Die anderen waren hingegen bereitwillig dabei, hätten auch gern schon das nachmittägliche Fußball-Turnier gegen Rassismus aufgemischt. B. schrieb aber in die Gruppe, dass man sich aufgrund der "dilettantischen Vorbereitung" nur auf einen Antifa-Vortrag über rechte Strukturen beschränken wollte, der um 19 Uhr im Café "Balthasar" begann. Nachdem es dort zuvor mehrfach Ärger mit den Rechten gegeben hatte (unter anderem warf F. im Mai 2015 ein Fenster mit einem Gullideckel ein), wurde die Veranstaltung durch eine Polizeistreife an der Schranne geschützt.

Das hinderte die Störenfriede jedoch nicht daran, sich auf der anderen Straßenseite aufzubauen, einige vermummten sich auch mit Schlauchschal oder Sonnenbrille. "Die Männer wurden von verschiedenen Anwesenden als Neonazis erkannt, das hat natürlich einige in Panik versetzt", sagt eine Zeugin, die an jenem Abend im "Balthasar" dem Vortrag zuhören wollte.

"Die Vermutung lag nahe, dass das kein freundlicher Besuch wird, Angst war die vorherrschende Stimmungslage", sagt ein anderer. Die Gäste versperrten schnell die Tür und ließen, wo es möglich war, die Rollläden herunter.

P. soll gegen eine Scheibe geschlagen haben, B. habe versucht, mit einem Tablet Fotos aus dem "Balthasar"-Innern zu machen. Die Polizeistreife forderte daraufhin Verstärkung an, die auch bald eintraf. Vier der Täter wurden festgenommen, darunter auch B. Das hatte der sich im Chat zuvor noch anders vorgestellt, als ein Mitstreiter erklärte, dass das Ganze wohl wieder mit einer "Gewahrsamnahme" endet: "Wir müssen danach schnell weg. Ich muss am nächsten Tag arbeiten, da darf ich nicht wieder fehlen."

Am Folgetag wird die Aktion in den rechten WhatsApp-Gruppen diskutiert. Einer der Teilnehmer prahlt damit, dass er "fünf Mal die Zelle vollgepisst" habe, ein anderer beklagt, dass "die linken Scheißer zu fünft die Tür zugehalten haben".

"Antideutsche Veranstaltung"

Im Zeugenstand beteuert Karli V., damals noch Weisse-Wölfe-Anwärter sowie NPD- und Die-Rechte-Mitglied: "Ich möchte mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben, weder mit den rechten, noch mit den linken Extremisten." V. selbst sei nur ein "dummer Mitläufer" gewesen, die ganze Aktion "mehr als dämlich", nach seiner Verurteilung habe er mit den Rechten abgeschlossen. Für die "Weissen Wölfe" galt er als Verräter und wurde ausgeschlossen. "Als ich später von den geplanten Anschlägen gelesen habe, war ich echt geschockt", sagt V.

"Da sollte eine antideutsche Veranstaltung sein. Wir wollten uns das mal anschauen, mehr nicht", sagt Erich K. "Sie wollten aber sicher nicht nur ihr Wissen erweitern", erwiderte der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt. Auf die Vorhaltung, dass K. ein Gruppenbild habe machen wollen, "vor den Zecken, die sich in die Hosen scheißen", erklärte der Zeuge: "Viel in dieser Bewegung war nur Blabla, da war nie was Stichhaltiges dahinter." Da musste Staatsanwalt André Libischer widersprechen: "Das sehen vielleicht Sie so, Herr K."

Der Prozess wird am 8. November mit weiteren Zeugen und Sachverständigen fortgesetzt.



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