Bamberg
Prozess

Er hat sich nicht unter Kontrolle

Wegen Beleidigung und Bedrohung eines Justizvollzugsbeamten muss ein junger Mann ins Gefängnis.
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Seine Lebensgefährtin malträtierte der Angeklagte auch mit Fäusten.   Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Seine Lebensgefährtin malträtierte der Angeklagte auch mit Fäusten. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Für die Beleidigung und Bedrohung eines Justizvollzugsbeamten in der JVA Neuburg an der Donau muss ein zur Tatzeit 20-jähriger Nürnberger noch drei Monate länger ins Gefängnis. Der junge Mann hatte 2016 und 2017 bereits zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe angesammelt. Diemal war das Amtsgericht Bamberg zuständig, weil Bogdan K. (Name geändert) derzeit im der JVA Ebrach einsitzt.

"Ich muss bestraft werden. Es tut mir leid, dass Sie alle wegen mir hier sein müssen." Wie er da neben seiner Pflichtverteidigerin Kristin Braun (Bamberg) saß, war Bogdan K. die Ruhe selbst. Höflich, zurückhaltend, aufmerksam. Keine Spur impulsiven Handelns. Kein Anzeichen unkontrollierter Gewalt. Die Taten vom Dezember 2017 gab der Mazedonier unumwunden zu. Der beleidigende Begriff "Hurensohn" sei mehrfach gefallen, und auch das bedrohliche "Ich stech' ihn ab", auch wenn er das nicht so gemeint hätte.

Als Ursache des Ausrasters gab Bogdan K. an, der betroffene Gefängnismitarbeiter hätte ihn monatelang auf dem Kieker gehabt, ihn "getriezt". Auch Beschwerden beim Wachpersonal hätten nicht gefruchtet. An besagtem Nachmittag sei es dann zuviel gewesen. Dass Bogdan K. und das uniformierte Ziel seiner Worte keine Freunde waren, bestätigten mehrere Zeugen. Was die Taten erkläre, sie aber nicht entschuldige, so der Vorsitzende Richter Martin Waschner.


Langes Vorstrafenregister

Nur sein ellenlanges Vorstrafenregister und die Zeugenaussagen zweier Justizvollzugsbeamter machten klar, dass da jemand vor den drei Richtern saß, der sich schon mehrfach nicht unter Kontrolle gehabt hatte. Insbesondere die Lebensgefährtin Bogdan K.s hatte dessen Gewaltbereitschaft am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Im September 2016 hatte er sie in deren Wohnung in Nürnberg angegangen. Zuerst hatte er ihr drei rohe Eier auf dem Kopf zerschlagen, die am Boden sitzende Frau mit heißer Zigarettenasche malträtiert, ihr mehrere Tritte verpasst und zuletzt mit einer gefüllten Plastikflasche zugeschlagen. Das gemeinsame dreijährige Kind musste alles mitansehen. Es folgten einige Wochen später aus Eifersucht wüste Beleidigungen wie "Hure", "Stück Scheiße", Schlampe", "Fotze".

Die Situation eskalierte in den Folgemonaten weiter. Mit Drohungen wie "Ich bringe ich um und werde dich leiden lassen", "Ich hoffe, ihr sterbt" und "Ich hoffe, ihr bekommt Aids" machte er seiner Ex-Freundin Angst. Er kam auch zu "Besuch", indem er sich mit Gewalt oder durch Einschlagen eines Fensters Zutritt verschaffte und terrorisierte die die frühere Lebensgefährtin. In der Wohnung schlug er vor Wut ein Loch in die Zimmerwand, warf eine Herdplatte vom Balkon, verschmierte die Toilette mit Kosmetikartikeln und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Als er später noch einmal vorbeischaute, hatte er einen Teleskop-Schlagstock dabei und traf sie nicht wie beabsichtigt am Kopf, sondern an Armen und Beinen, die sie zur Abwehr erhoben hatte. "Wenn er nicht das erreicht, was er sich gerade vorstellt, dann wird er massiv aggressiv," konstatierte der Richter eines früheren Prozesses.

Auch ließ sein bisheriger Lebensweg auf einen unangepassten Charakter schließen, der glaubte, sich an keinerlei Regeln halten zu müssen. Das begann mit einer ganzen Latte an Ahndungen wegen "Schwarzfahrens", wie das juristische "Erschleichen von Leistungen" im Volksmund genannt wird. Es setzte sich fort mit sage und schreibe 125 Sanktionen und sieben Disziplinar-Maßnahmen in knapp einem Jahr in der JVA Neuburg an der Donau.


Zwei Jahre und neun Monate

Auch die Verlegung ins Jugendgefängnis brachte wenig Änderung. Erst im Februar 2018 schlug er auf einen Mitgefangenen ein. Weshalb ihm die Justizvollzugsbeamten "nicht aus Angst, aber aus Respekt" nicht mehr den Rücken zudrehen. Hinzu kamen Vorstrafen wegen Diebstahls, vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung und sexueller Nötigung. Weil er sich an die Auflagen und Weisungen der Jugendrichter aus früheren Prozessen nicht gehalten hatte, hatte er bereits mehrfach in Ungehorsamsarrest gesessen.

Aus dem aktuellen und den beiden Urteilen aus Nürnberg bildeten Richter Waschner und seine beiden ehrenamtlichen Jugendschöffen eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Als Jugendrichter versuchte er es noch einmal mit dem erzieherischen Ansatz: "Sie müssen sich zusammenreißen. Es ist Ihr Leben." Bei der nächsten Straftat wird dann kein Jugendstrafrecht mehr angewendet: Bogdan K. hat derweil seinen 21. Geburtstag hinter sich.
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