Zapfendorf
Vandalismus

Ende des Spuks: Jetzt atmet ganz Zapfendorf auf

Die Polizei hat drei Mädchen ermittelt, die für die Serie von Sachbeschädigungen zuständig sein sollen. Das Motiv: Langeweile.
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Eine Sachbeschädigung in Zapfendorf, die auf das  Konto der nun ermittelten drei Mädchen gehen soll. Archivbild: Johannes Michel
Eine Sachbeschädigung in Zapfendorf, die auf das Konto der nun ermittelten drei Mädchen gehen soll. Archivbild: Johannes Michel

"Vielleicht hat da irgendjemand ja zu viel Freizeit - und Langeweile." So hat sich Zapfendorfs Zweiter Bürgermeister Andreas Schonath erst Anfang Januar zu der Vandalismus-Serie in Zapfendorf geäußert. Wie sich nun herausstellte, hat er damit genau ins Schwarze getroffen. Denn am gestrigen Mittwoch präsentierte die Polizei offiziell das Ergebnis ihrer intensiven Ermittlungen zu Zapfendorf: Drei Mädchen, derzeit im Alter von 13 bis 15 Jahren, sollen die Fälle verübt haben. Mit Ausnahme der Bombenattrappen unter der Autobahnbrücke und am Bahnhof. Für die soll ein 35-Jähriger verantwortlich sein, der im Oktober ins Visier geraten war und inzwischen in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht ist.

Die Mädchen, die aus den Landkreisen Bamberg und Lichtenfels stammen, so Pressesprecher Alexander Czech vom Polizeipräsidium in Bayreuth, gaben bei der Vernehmung Langeweile an. Die Fälle ereigneten sich stets in der Ferienzeit, also Urlaubszeit. In der Zeit also, in der Schonath Bürgermeister Volker Dittrich (AfZ) vertritt.

Selbst Weihnachten aktiv

Wie von der Kripo ermittelt worden ist, haben die Mädchen, es waren bei jeder Tat immer zwei, etliche Bäume umgesägt, innerhalb von einer Woche zweimal das Zapfendorfer Freibad mit Pferdeäpfeln verschmutzt, den Fahrkartenautomaten mit einem Stift verschmiert und einen Aufzug mit Hundekot beschmutzt. Außerdem haben sie die Hinweistafel eines Kindergartens beschädigt. Selbst die Weihnachtszeit hielt das Trio nicht von Taten ab. So sägten die Mädchen den Christbaum vor der Kirche ab und beschmierten den Fahrkartenautomaten am Neujahrstag mit Eiern.

Es war die Mischung aus akribischer Ermittlungsarbeit, umfangreichen Spurensicherungsmaßnahmen und Zeugenhinweisen, die letztlich zu dem Trio führte, so Czech. Hauptverdächtige ist eine heute 15-Jährige. Insgesamt haben die Mädels bei ihren Aktionen Schaden für über 5000 Euro hinterlassen. Bei der Polizei waren sie größtenteils geständig. Sie verfolgen laut Czech weder politische Ziele noch fremdenfeindliche - Schmierereien beinhalteten teils arabische Schriftzeichen. Vielmehr seien die Taten aus purer Langeweile geschehen. Eines der Mädchen gestand zudem, dass sie schon immer mal einen Christbaum umsägen wollte.

Froh ist die Polizei, dass die Beunruhigung der Bevölkerung wohl nun ein Ende haben könne, ebenso wie Bürgermeister und Bürger. Gleichermaßen Erstaunen herrscht allerorten freilich darüber, dass die Taten Mädchen zuzuschreiben sind. "Ich hätte mit Burschen so zwischen 14 und 17 gerechnet", meint Schonath und stellt im gleichen Atemzug fest, "da ist die Gleichberechtigung dann also auch hier angekommen." Gleichwohl fordert er eine Bestrafung. Schon, um ein Zeichen in Richtung Nachahmung zu setzen. Er fordert etwas in Richtung Taschengeldentzug. Und, selbst Vater, tun ihm die Eltern der Mädchen leid.

Wie in ganz Zapfendorf herrscht besonders im Rathaus Erleichterung. "Ganz Zapfendorf atmet auf", ist der Eindruck, den Bürgermeister Dittrich von den bisherigen Reaktionen, auch in den sozialen Medien hat. In der Donnerstag-Sitzung will er das weitere Vorgehen im Marktgemeinderat besprechen. Es gab schließlich Schäden, die beglichen werden müssen, neben der Kommune sind Bahn, Kirche und Privatpersonen betroffen.

Schäden abarbeiten

Seitens der Gemeinde wäre es denkbar, dass die Mädchen diese abarbeiten könnten - im Bauhof beispielsweise. Auf jeden Fall fordert Dittrich einen Lerneffekt. Den Aspekt Langeweile kann er nicht nachvollziehen, schließlich gäbe es an die 90 Vereine in der Gemeinde und ein "schlüssiges Ferienprogramm".

Freilich müsse man nun mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Der Bürgermeister kennt die Namen der Mädchen nicht und möchte auch das Elternhaus nicht verurteilen. Ohne Details zu kennen, sagt er: "Ich kann mir vorstellen, dass die Mädchen ihre Eltern an der Nase herumgeführt haben, um sich rumtreiben zu können." So wolle er die Eltern nicht in den Fokus stellen. Bei ihm überwiege nun erst einmal Erleichterung, auch dass die Verwaltung sich jetzt wieder Wichtigerem widmen könne. Freilich wollten am Mittwoch erst einmal noch die Telefone nicht still stehen. Ruhe soll nun in Zapfendorf einkehren, wünscht sich Polizeipressesprecher Czech. Da es sich bei den Mädchen um Minderjährige handelt, genießen sie "trotz allem einen gewissen Schutz". Strafmündig sei man ab 14 Jahren. Nun müsse jede einzelne Tat strafrechtlich geprüft werden - was die Konsequenzen für die jeweilige Täterin betrifft. Geprüft werde auch, ob das Trio noch mehr Taten verübt hat.

KOMMENTAR:

Augenmaß gefragt

Gute Arbeit hat die Polizei bei den Ermittlungen geleistet. Gute Reaktionen sind nun gefragt.

Gut reagiert haben etwa Zapfendorfs Bürgermeister, die hier Sanktionen fordern, schon allein deswegen, damit die Aktionen nicht einfach so ad acta wandern und Nachahmer ermutigen. Die Mädchen sind noch jung, jung genug, um zu lernen. Etwa, dass Langeweile keine Rechtfertigung ist, fremdes Eigentum zu beschädigen. Möglicherweise lernen sie so eine wichtige Lektion für ihre jeweilige Zukunft.

Diese sollten man ihnen nicht verbauen, was insbesondere das Jugendstrafrecht berücksichtigen wird. Das sollte man auch in Zapfendorf,, was die Mädchen angeht und deren Eltern. Andere Eltern können die Angelegenheit nutzen, um mit ihren Kindern entsprechende Themen zu besprechen und zu sensibilisieren. Ja auch für den Schulunterricht bieten sich Chancen. Wie sagt ein altes Sprichwort: Kein Schaden ohne Nutzen. Und auf den sollte man sich jetzt konzentrieren, nachdem der Spuk mit den Beschädigungen vorbei ist. Der Polizei sei Dank!

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