Bamberg
Interview

Einsamkeit kann auch schön sein

Der Filmemacher und Weltenbummler Anselm Nathanael Pahnke stellt am Donnerstag im Lichtspielkino seinen Dokumentarfilm "Anderswo - Allein in Afrika" vor.
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Anselm Nathanael Pahnke unterhält sich während seiner Reise mit jungen Afrikanern. Foto: p
Anselm Nathanael Pahnke unterhält sich während seiner Reise mit jungen Afrikanern. Foto: p
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Schon immer saß der studierte Geophysiker Anselm Nathanael Pahnke gerne auf dem Rad und hat schließlich die Tour seines Lebens unternommen: 15 000 Kilometer, 414 Tage, 15 Länder. Völlig auf sich allein gestellt ist er einmal quer durch Afrika gefahren. Entstanden ist eine heitere wie mitreißende Reise-Dokumentation, die dem Kinobesucher aus einem sehr persönlichen Blickwinkel heraus die Vielfalt des afrikanischen Kontinents näherbringt.

Sein Film "Anderswo - Allein in Afrika" begeistert gerade das Publikum in ganz Deutschland. Am kommenden Donnerstag, 14. Februar, 18.40 Uhr, ist der Filmemacher auch im Bamberger Lichtspielkino, Untere Königstraße 34, zu Gast und bringt seinen treuen Reisebegleiter mit - das Fahrrad mit dem kleinen eingebauten Globus vorne auf dem Schutzblech. Sein Film handelt letztendlich auch von seinem Weg zu sich selber.

Eigentlich hatte A. N. Pahnke seine Reise gar nicht so geplant gehabt, er fasste den spontanen Entschluss, nach der Abgabe seiner Bachelor-Arbeit nach Afrika zu fliegen und dort mit Freunden und Fahrrad den Kontinent zu bereisen. Jedoch erlebte die Geschichte einen Wendepunkt, als seine Freunde wieder nach Hause mussten und er alleine zurückblieb. Er entschied sich gegen seine Ängste und zog weiter, bis ans andere Ende des Kontinents und zu einem neuen Verständnis von Heimat, der Einsamkeit und dem Menschsein.

Wie haben dich die Zeit in Afrika und deine Erfahrungen dort verändert? 

Anselm Nathanael Pahnke: Vor der Reise habe ich nach Intensität und Lebendigkeit gesucht. Die habe ich auch gefunden. Jedoch nicht gleich, sondern nach und nach. Ich musste mich aus eigener Kraft bewegen, Wasser suchen und war immer ganz nah an der Natur, so habe ich das Leben auf eine ganz grundlegende Art erfahren. Die Erkenntnis, dass Einsamkeit auch schön sein kann und das Alleinsein bereichernd, falls man es akzeptiert, gibt mir heute viel Kraft und Selbstvertrauen.

Wie hast du deine Reise finanziert? 

Viele Dinge habe ich auf meiner Reise gar nicht gebraucht. Mir genügten vier bis fünf Euro am Tag, weil ich in einem Zelt geschlafen habe und weder Versicherung, noch Unterkunft hatte. Ich habe mich einfach mit dem Nötigsten glücklich gefühlt. Sogar für Trinkwasser habe ich kein Geld ausgegeben, sondern habe mir eine Alternative einfallen lassen.

Afrika ist bekanntlich sehr dürr. Wie bist du dann an Trinkwasser gekommen? 

Ich habe während der ganzen Reise nur Wasser von den lokalen Brunnen und Flüssen geschöpft. Ich brauchte oft viel Wasser, im Norden Ugandas bis zu acht Liter am Tag.

Wie sind dir die Menschen in Afrika begegnet? 

Ich habe die Menschen dort als unglaublich ehrlich, interessiert und vorurteilslos erlebt. Ihre Reaktionen und das Verhalten waren von reinen Emotionen gesteuert, sehr pur und nicht aufgesetzt. Die Verständigung verlief oft über sehr kleine, aber wichtige Dinge, wie ein Lächeln oder ein Handzeichen.

Deine Rückkehr nach Deutschland hat dich mit dem altbekannten Rhythmus der alltäglichen Dinge konfrontiert. War es schwer, dich hier wieder zurechtzufinden? 

Es war am Anfang nicht einfach, ich habe Vieles auf meiner Reise verlernt. Vor allem die Geschwindigkeit, mit der man hier seinen Alltag meistert. Aber ich habe begriffen, dass ich mein Leben nicht immer diesem Tempo anpassen muss und habe so meinen eigenen Rhythmus gefunden.

Das Gespräch führte Valerija Levin.



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