Bamberg
Justiz

Einige Gleusdorf-Mitarbeiter bestreiten Missstände

Einige aktuelle und frühere Pflegekräfte zeichnen vor Gericht das Bild eines normalen Heimalltags in Schloss Gleusdorf.
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Sprechen hier alle von dem gleichen Heim? Und wenn ja, wer hat recht? Diese Fragen stellen sich nach den jüngsten Zeugenbefragungen im Gleusdorf-Prozess. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bamberg kamen unter anderem vier ehemalige Pflegekräfte und eine aktuelle Mitarbeiterin der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf zu Wort.

"Wenn es dort so wäre, wie in den Medien berichtet worden ist, wäre ich keine 14 Jahre geblieben", sagt eine Altenpflegerin. Eine andere berichtet sogar, dass sie gern nach Gleusdorf zurückgekehrt sei. Die 56-Jährige sei sehr verärgert wegen der für sie haltlosen Vorwürfe gegen ihr Heim. "Ich konnte nicht mehr dorthin zurück, das war einfach zu viel für mich", erklärt hingegen eine andere Fachkraft. Sie sei gemobbt worden. Zudem berichtet sie unter anderem von einem Bewohner, der grob aus dem Bett gerissen und auf einen Stuhl gesetzt worden sei, damit er sein Essen einnimmt. Dazu sei der Mann aber überhaupt nicht mehr in der Lage gewesen - doch der zuständige Pflegehelfer habe ihn einfach allein vor seinem Teller sitzen lassen.

Was die meisten Zeugen eint, ist die verblasste Erinnerung an die Ereignisse aus den Jahren 2011 bis 2016, um die es hier geht. Deshalb scharen sich auch immer wieder alle um den Richtertisch, um die Aussagen mit sichergestellten Dienstplänen und Dokumentationen abzugleichen und zu korrigieren. Wobei Oberstaatsanwalt Otto Heyder nach wie vor davon ausgeht, dass es hier auch nachträgliche Falscheinträge gegeben hat.

Cholerischer Pflegedienstleiter

Ein früherer Mitarbeiter bestätigt, dass in Gleusdorf vor Besuchen des medizinischen Dienstes der Krankenkasse zusätzliches Personal herangezogen wurde, um den Pflegeschlüssel zu erfüllen: "Das ist aber normaler Pflegealltag, auch da, wo ich jetzt arbeite." Zwei Fachkräfte berichten, dass sie im Notfall den Arzt riefen, auch ohne zuvor Heimleiterin Angelika R. (alle Namen geändert) zu informieren. Von einem entsprechenden Verbot, dass es laut Anklage in Schloss Gleusdorf gegeben haben soll, wüssten sie nichts. Die meisten Zeugen bescheinigen ein eher schwieriges Arbeitsklima. Der frühere Pflegedienstleiter Peter N. wird mehrfach als Choleriker bezeichnet, der Mitarbeiter gelegentlich zusammenschrie. Vom Faustschlag ins Gesicht, den N. laut Anklage einem Heimbewohner verpasst haben soll, habe jedoch keiner der Zeugen etwas mitbekommen.

Mit einiger Spannung erwartet werden an den folgenden Prozesstagen unter anderem die Aussagen von drei ehemaligen Mitarbeiterinnen der Seniorenresidenz, die sich 2016 an Polizei und Presse gewandt hatten. Bereits am Donnerstag trat ein Gewerkschaftsfunktionär in den Zeugenstand, der gekündigten Gleusdorf-Mitarbeiterinnen zunächst wegen arbeitsgerichtlicher Streitigkeiten half und dann auch, als sie sich wegen der Zustände in der Seniorenresidenz an die Polizei wenden wollten. "Ich habe ihnen 50 bis 60 Prozent geglaubt und auch einige Fangfragen gestellt, bevor ich überzeugt war: In Gleusdorf ist was faul." In seinem Büro brachten die Frauen ihre Vorwürfe zu Papier, er hakte auch nach, als die Ermittlungen zunächst nicht vorankamen.

Pikanterweise ist er der Bruder einer ehemaligen Gleusdorf-Mitarbeiterin, die am vorherigen Prozesstag zum Tod eines 80-Jährigen nach einem Sturz ausgesagt hatte. Zur Schwester habe er aber seit Jahren keinen Kontakt mehr. Der Bruder einer anderen Belastungszeugin habe hingegen den Gewerkschafter immer wieder bedrängt. "Es ging ihm alles nicht schnell genug, er sagte: Diese Schweine müssen eingesperrt werden. Wenn das nicht klappt, komme ich zu dir." Das sei dem Verdi-Mann dann irgendwann zu viel geworden, und er habe alle Kontakte in dieser Sache eingestellt.

Zeuge kann sich nicht erinnern

Der Bruder der gekündigten Mitarbeiterin taucht auch im Zusammenhang mit einem anderen Zeugen auf: Für einen ehemaligen Auszubildenden der Seniorenresidenz schrieb er dessen Vorwürfe gegen den früheren Arbeitgeber ins Reine.

An die Inhalte der randvoll beschriebenen Din-A-4-Seite und an seine Ausbildungszeit will sich der heute 26-Jährige aber kaum noch erinnern. "Wenn wir nur solche Zeugen hätten, dann wüssten wir überhaupt nichts", hielt ihm Vorsitzender Richter Manfred Schmidt vor.

Die Aussagen der drei gekündigten Gleusdorf-Mitarbeiterinnen stehen auch deshalb unter besonderen Vorzeichen, weil deren Arbeitsgerichtsstreit in einem Vergleich endete. Und der verpflichtet sie eigentlich dazu, ihre Behauptungen zu Schloss Gleusdorf nicht aufrechtzuerhalten. Was das für ihr Verhalten im Zeugenstand bedeutet, bleibt eine spannende Frage. Der Prozess wird am Mittwoch, 7. August, fortgesetzt.

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