Bamberg
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Eingesperrt in Bamberg

150 Familien mit 200 Kindern leben mittlerweile in der so genannten Natosiedlung. Ihre Verbesserungswünsche stoßen auf taube Ohren.
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Die Bewohner der Natosiedlung kämpfen seit langem für mehr Durchlässigkeit Richtung Osten und Norden. Der Erfolg lässt auf sich warten. Fotos: Ronald Rinklef
Die Bewohner der Natosiedlung kämpfen seit langem für mehr Durchlässigkeit Richtung Osten und Norden. Der Erfolg lässt auf sich warten. Fotos: Ronald Rinklef
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Wenn Alexander Schmiechen Besucher durch die Nato-Siedlung führt, dann liegt er auf der Zunge - der Vergleich mit den martialischen Grenzanlagen, die man in Franken von der einstigen innerdeutschen Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik kannte.

Natürlich ist das nur ein optischer Eindruck. Doch die Wirkung ist ähnlich bedrückend. Wenn die Bewohner der Natosiedlung die kleine Straße entlang der Autobahn Richtung Golfplatz laufen, dann bewegen sie sich in einem schmalen Zaunkanal. Rechts blicken sie auf den grünen Maschendraht der ehemaligen US-Armee.

Eine lückenlose Barrikade zur Autobahn und zum Hauptsmoorwald, die hinsichtlich ihrer Wirkung links allerdings noch einmal übertroffen wird: Dort hat die Bundespolizei einen neuen Zaun mit Stacheldraht errichtet. Der Hintergrund für die zweite Sperre: Nur so kann der Weg zum Golfplatz offen gehalten werden.

Die Anwohner der Natosiedlung vermag dieses Zugeständnis kaum zu trösten. Die Grenzziehung im Bamberger Osten zerschneidet Bamberg heute mehr als es in der US-Zeit je der Fall war. Zäune trennen die Natosiedlung nach Norden zur Bundespolizei, nach Westen zum Ankerzentrum und nach Süden zur so genannten Offizierssiedlung, die seit drei Jahren auf ihre Wiedererweckung wartet - ein Totwinkel der Stadt.

Abzusehen war diese Entwicklung nicht. 2014, als die ersten Häuser verkauft wurden, zog das Viertel mit seinen idyllisch am Waldrand gelegenen Reihenhäusern und Doppelhaushälften junge Familien wie magisch an. Hier, so schien es, könnte ein neues Stück Bamberg entstehen.

Es ist nicht so , dass Alexander Schmiechen dem heute widersprechen würde. Das locker bebaute Viertel erfreut sich mancher Vorzüge, die man in Bamberg lange suchen muss. "Doch natürlich ist es schon etwas frustrierend zu sehen, dass wir in den letzten drei Jahren so wenig erreicht haben", sagt Schmiechen. Dabei sind es nur Kleinigkeiten, die sich die Bewohner der Natosiedlung auf die Fahnen geschrieben haben. Doch diese könnten viel für die Lebensqualität bewirken.

Es geht darum, die Zäune, die sie in alle Himmelsrichtungen umgeben, an drei Stellen ein paar Meter nach hinten zu versetzen. So könnte für die Jugendlichen ein Bolzplatz auf der Wiese neben der ehemaligen Elementary-School herausspringen. Allerdings: Die Verhandlungen mit der Bundespolizei ziehen sich in die Länge. "Von der Bundespolizei hören wir nur immer das Gleiche. Es gibt Sicherheitsbedenken, den Zaun zu versetzen. Man will keinen Quadratmeter Fläche aufgeben", sagt Schmiechen.

Stimmt das? Marcus Büchner, Sprecher des Fort- und Ausbildungszentrums der Bundespolizei in Bamberg, bestätigt, dass es in erster Linie Sicherheitsgründe sind, die dagegen sprechen, den Zaun zu versetzen, wie es sich die Nachbarn wünschten. Außerdem könne die Bundespolizei derzeit nicht auf Fläche verzichten. "Wir sind bis zum letzten Bett belegt", sagt Büchner.

Für das unter Platzmangel leidende Bamberg ist das eine Blockade, die große Hoffnungen zunichte macht. Niemand in Deutschland kann derzeit sagen, wann die Polizeischule mit derzeit 3 300 Schülern und Beschäftigten in Bamberg auf die ursprünglich geplante Normalgröße reduziert wird oder ob nicht sogar noch mehr Polizeischüler hinzukommen. Und solange das so ist, wird sich in Bamberg-Ost wenig verändern.

Die Bewohner der Natosiedlung geben dennoch nicht auf. So wurden im Herbst auf einer der wenigen Freiflächen zehn Obstbäume gepflanzt, die von den Kindern in Eigenregie betreut werden. Hoffnungen hegen Schmiechen und Co., dass wenigstens die Verhandlungen mit dem Freistaat zu einem guten Ergebnis führen. Von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gebe es positive Signale, dass der Zaun zum Ankerzentrum an der Kastanienstraße doch noch einpaar Meter nach hinten gerückt werden könnte - auch hier könnten die Jugendlichen bolzen.

Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung wäre auch der direkte Zugang zum Hauptsmoorwald an einer heute noch verbarrikadierten Unterführung unter der Autobahn. Derzeit verhindert ein mehrfach geflickter Zaun, dass die Bewohner der Natosiedlung das Naherholungsgebiet an dieser Stelle betreten können. Wer es dennoch tut, den bedroht der Bund mit Strafe.



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