Bamberg
Projekt

Einfach magische Momente

Die Theaterschule Bamberg dreht die Serie "Erben des Feuers" für Youtube. Darin entdecken Jugendliche ihre magischen Fähigkeiten.
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Ila Stuckenberg (Mitte) probt mit den Theaterschülern für die nächste Youtube-Serie. Foto: Andreas Thamm
Ila Stuckenberg (Mitte) probt mit den Theaterschülern für die nächste Youtube-Serie. Foto: Andreas Thamm
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Im Jahr 1674 landete die letzte Bamberger Hexe auf dem Scheiterhaufen. Und überhaupt: Hexen gibt es natürlich nicht, nur arme Seelen, die als solche verleumdet wurden. So lernen das die Kinder in der Schule - auch Maria. Bis sie eines Tages verschwindet, sich in Luft auflöst, am helllichten Tag, vorm Kiosk Kunni am Adenauerufer. Und einsehen muss: Hexen? - Sie ist selber eine. Sie kann sich unsichtbar machen.

Maria heißt eigentlich Rafaela Friedmann und ist elf Jahre alt. Sie gehört zur Crew von Ila Stuckenberg, die an der Bamberger Theaterschule seit Sommer 2018 eine eigene Serie für Youtube präsentiert: "Erben des Feuers". An jedem 13. jedes ungeraden Monats erscheint um 13 Uhr eine neue Folge. Zwei sind bereits online, die dritte folgt also am 13. März.

An den Wochenenden probt Ila Stuckenberg mit ihren jungen Schauspielerinnen und Schauspielern. Von den insgesamt 15 Darstellern sind heute sechs da. Ohne zu viel verraten zu wollen: Maria hat den Reiz des Zauberns für sich entdeckt und sich damit Ärger eingehandelt. Sie ist aber nicht allein mit ihren Fähigkeiten: Leander beherrscht das Feuer, Theodor die Zeit, Rebekka kann Gedanken lesen ...

Regisseurin Ila Stuckenberg versucht, ihren Schauspielern die Szenerie zu vergegenwärtigen. Sie sollen sich mal in einen Gewölbekeller denken. Maria ist aufgeregt, sie steht vor einem Tribunal. Dem sitzt der fiese Aschberg vor, in der Serie verkörpert von Stephan Bach, bekannt aus dem Theater im Gärtnerviertel. Bach ist heute nicht da, weshalb Ila Stuckenberg seine Rolle mit übernehmen muss.

Aber auch für die Schauspieler zwischen zehn und 18 Jahren sind diese Proben eine Herausforderung. Es gilt, sich jetzt schon einmal in die Szene hineinzufühlen und die Kamera, die noch nicht da ist, mitzudenken. Stuckenberg hat einerseits klare Vorstellungen, wünscht sich andererseits möglichst viele Impulse aus dem Team: "Lena, du bist genervt, aber auch stolz auf deinen Vater - probiere mal, wie du das spielst."

Zahn Folgen geplant

Gut eineinhalb Stunden lang beschäftigt sich die Gruppe mit dem Text. Alexander lernt, eine Ohnmacht zu spielen. Und Theodor schmeißt sich beherzt dazwischen, als sein Vater, Aschberg, Maria ihre Magie absaugen will. Ila Stuckenberg nickt zufrieden: "Ich finde das gut, was hier an Rhythmus entsteht." Was jetzt geprobt wird, kann erst in Wochen gedreht werden. Folge drei ist so gut wie im Kasten. Das Buch stammt von Lennart Peters, mit dem Ila Stuckenberg die Idee zu "Erben des Feuers" gemeinsam entwickelt hat. Am Ende sollen es zehn Folgen sein. Es ist allerdings nichts in Stein gemeißelt: Ila Stuckenberg will auf die Wünsche ihrer Darsteller eingehen. Wenn jemand einen besonderen Wunsch für die Entwicklung der eigenen Figur hat, kann die mit ins Drehbuch aufgenommen werden. Und das Casting ist nicht geschlossen: Auch neue Charaktere sind jederzeit denkbar. Das Format erlaubt es, den jungen Menschen eine Figur auf den Leib zu schreiben.

Durch eine Kooperation mit dem Verein Innovative Sozialarbeit (Iso) möchte die Theaterschule nun auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien sowie Geflüchtete ansprechen. Nicht jeder muss freilich gleich eine Schauspielrolle übernehmen, auch hinter der Kamera warten etliche Aufgaben.

Dem jungen Team ist die Leidenschaft für das Projekt anzumerken. Auch wenn Alma, die die Rebekka spielt, schon zugeben muss, dass es etwas seltsam gewesen sei, die ersten Folgen dann anzusehen. Im nächsten Moment kichert sie aber schon über die Erinnerung: "Haben Sie die Szene mit dem Joghurt gesehen?" Tatsächlich muss man sagen, schon die ersten beiden Folgen haben viele kleine, witzige Momente. Reinschauen lohnt sich. Und das Thema passt eben wirklich gut. Ila Stuckenberg: "Bamberg ist halt einfach magic."

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