Bamberg
Gender Pay Gap

Einen Euro für den Mann, 79 Cent für die Frau

Frauen verdienen weniger als Männer, in Deutschland ist der Unterschied besonders ausgeprägt.
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Foto: Daniel Reinhardt, dpa
Foto: Daniel Reinhardt, dpa

Eines ist bei aller Diskussion um Rechenmethoden und Analysen inzwischen unbestritten: Frauen werden für die gleiche Arbeit mit weniger Geld abgespeist als Männer. Wie stark dieser geschlechtsspezifische Unterschied ist - er wird unter der Bezeichnung Gender Pay Gap seit Jahren thematisiert -, darüber streiten sich die Statistiker unter den Wirtschaftsexperten.

Im europäischen Vergleich hat Deutschland einen Gender Pay Gap von rund 21 Prozent - stärker unterscheiden sich die Bruttostundenlöhne von Männern und Frauen nur in Estland und Tschechien. Zu diesem Ergebnis kamen im vergangenen Jahr nicht nur das Statistische Bundesamt und die europäische Behörde Eurostat, sondern sogar das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Das bedeutet: Pro Euro, den ein Mann verdient, erhalten Frauen im Durchschnitt nur 79 Cent.

In Hochlohnbranchen unterrepräsentiert

Das IW geht allerdings davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Lohnlücke wesentlich kleiner ist als gedacht, ein staatlicher Eingriff somit nicht gerechtfertigt. Die Unterschiede beim Gehalt von Frauen und Männern ergäben sich vor allem aus individuellen Entscheidungen. Denn Frauen seien in Hochlohnbranchen unterrepräsentiert und arbeiteten tendenziell eher in kleineren Betrieben. Das IW kommt dadurch bereinigt auf eine Lohnkluft zwischen den Geschlechtern im unteren einstelligen Prozentbereich.

Das wiederum lässt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, so nicht gelten: "Frauen arbeiten in der Tat vorwiegend in Berufen, wie im Einzelhandel oder als Bürokauffrau, die generell geringere Löhne zahlen als die typischen, häufig technischen Männerberufe", sagte Fratzscher. Aber wissenschaftliche Studien zeigten: Wenn Frauen in den vergangenen Jahrzehnten in traditionelle Männerberufe vorgedrungen seien, hätten sich die Löhne in diesen Branchen besonders schwach entwickelt. Frauen wählten keine schlechtere Bezahlung, sie bekämen sie. "Es ist höchste Zeit, dass wir in Deutschland eine offenere und ehrlichere Debatte zum Gender Pay Gap führen. Eine Gesellschaft, die Diskriminierung zwischen Bürgern toleriert, begrenzt Chancengleichheit, beschneidet Freiheiten und verhindert eine funktionierende soziale Marktwirtschaft", meint Fratzscher.

Weltweit liegt die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern sogar bei 51 Prozent.



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