Landkreis Bamberg
Landesgartenschau

Eine Kampagne für die Kernseife

Waschbretter, Uralt-Schleudern und zentnerschwere Bügeleisen, damit zogen die Frauen vom Ring für Familiendienstleistungen jede Menge Besucher in ihren Bann und zeigten, wie ihre Großmütter gewaschen haben.
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Gerlinde Eichhorn zeigt, wie früher gewaschen wurde - mit Kernseife und Waschbrett. Fotos: Michael  Gründel
Gerlinde Eichhorn zeigt, wie früher gewaschen wurde - mit Kernseife und Waschbrett. Fotos: Michael Gründel
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Gewaschen hat sich die Vorführung dieser zupackenden Haushalts-Fachfrauen. "Mit Kernseife geht alles raus", wirbt Gerlinde Eichhorn für das Reinigungsmittel, das ihren humorigen Ausführungen zufolge irgendwann einmal Asche oder Urin (!) abgelöst hat. Den Siegeszug des Waschbrettes und seiner "Partnerin", der Kernseife, lassen die Hauswirtschafterinnen die Besucher der Bamberger Landesgartenschau hautnah miterleben, wenn sie live am Brett zur Seife greifen und Textiles kraftvoll über die Metallrillen drücken.
Mit diesem außergewöhnlichen Beitrag will der in der Bamberger Region aktive Ring für Familiendienstleistungen auf seine Existenz und Angebote aufmerksam machen. So schrubbt und seift Geschäftsführerin Gerlinde Eichhorn emsig und abwechselnd mit weiteren Vorstandskolleginnen und Frauen des 40 Mitglieder zählenden Vereins. Vor dem Pavillon des Amtes für Landwirtschaft und drinnen. Mit der Stegauracherin sind in Sachen Wäsche Michaela von der Linden (Unterschleichach), deren Schwiegermutter Anneliese Schwemmlein, Kunigunda Möhrlein (Herzogenreuth), Ingrid Müller (Adelsdorf) und Elisabeth Oppelt (Koppenwind) zugange.

Die selbstständigen Hauswirtschafterinnen haben vor der Landesgartenschau-Aktion schon mal emsig in Kellern und auf Speichern der Verwandtschaft gestöbert, um möglichst viele von Großmutterns Waschgeräten zutage zu fördern. Dann wurde weiter recherchiert, wurde in Workshops Wissen gesammelt, das die Damen in Gerlinde Eichhorns Garage in Theorie und Praxis vervollkommneten.

Wissenswertes rund um zeitgemäßes Waschen übernahmen die Damen vom "Forum nachhaltiges Waschen", weil es da bereits eine fertige Präsentation gibt. Dazu gesellte sich schließlich noch als Leihgabe einer großen Elektronik-Kette die gläserne Waschmaschine. Vielleicht schon alleine wegen der könnte sich der Landesgartenschaubesuch für den einen oder anderen lohnen: Wie Ingrid Müller immer wieder gerne vorführt, gibt es hinter dem Flusensieb einen Knopf, mit der sich die Türe unabhängig vom der regulären öffnen lässt.
Ansonsten klären die Hauswirtschaftsprofis immer wieder gerne über ökologisch wie ökonomisch richtiges Waschen auf: Füllmenge, Waschmittel, und dergleichen. Pulver sei der Vorzug vor Flüssigmitteln zu geben, Weichspüler wiederum verkleben die Fasern...
Die alte Schleuder übrigens in der Raritäten-Kollektion, an deren Rumpeln und Hüpfen sich so manche noch gut erinnert, sie käme mancherorts noch immer zu Einsatz: fürs Ausschleudern von Kloßteig oder Sauerkraut.
Dass Frauen früher fürs Kraft-Training keinerlei Fitness-Studio benötigten, verdeutlicht die Bügeleisen-Sammlung mit bis zu 4,5 Kilo schweren Exemplaren.

Damenunterhosen


Ein Exponat, das die Familiendienstleisterinnen immer wieder genau erklären müssen, das sind die Stehbrunzä. Also Damenunterhosen, die unten offen getragen wurden, damit die Arbeit nicht für den Gang zur Toilette unterbrochen werden musste. Es genügte, den Rock zu heben. Apropos Rock: Einer Besucherin halfen Gerlinde Eichhorns Kolleginnen umgehend aus einer misslichen Lage, die junge Dame hatte Kettenfett am Rock.
Die Hauswirtschafterinnen, die viel Flexibilität beweisen müssen, wenn sie in Familien einspringen, wo die Mutter ausfällt, wusste auch hier Abhilfe: "Wir stellten die Frau auf einen Schemel und drehten sie Stück für Stück, so dass wird den Rock rundherum schrubben konnten", berichtet Michaela von der Linden dazu. Der Freund der jungen Frau war so begeistert vom sichtbaren Erolg von Waschbrett und Seife, dass er umgehend so etwas haben wollte.
Sie können von vielen interessanten Begegnungen während ihrer Woche auf der Gartenschau berichten. Waren im Schnitt doch immer mindestens fünf Frauen vor Ort im Einsatz. "Wir hatten Hunderte Besucher, mit unzähligen gesprochen", schwärmt Ingrid Müller. "Und auch für unsere Dienstleistung geworben", zeigt sich Gerlinde Eichhorn zufrieden, denn auch ganz normale Haushalte können die Angebote des Ringes für Familiendienste in Anspruch nehmen Kochen, Waschen, Bügeln, Fensterputzen, Einkaufen oder Begleitung beim Arztbesuch und vieles mehr. Dem älteren Mann, der fragte, wann die Damen auf der Landesgartenschau Herren-String-Tangas waschen, sagte man: am Donnerstag.

Keine Zeit, selbst zu schauen


"Da ist unsere Landesgartenschau-Woche zu Ende, da sind wir nicht mehr da", sagt Michaela von der Linden schelmisch. Obwohl... vielleicht sind die Damen dann ja doch auf der Erba-Insel - um sich die Landesgartenschau endlich einmal selbst anzusehen. Denn dazu ließen ihnen die Waschtage keine Zeit. Und für alle, die es in Sachen Waschen ganz genau wissen wollen: Waschtag war früher immer am Montag. Heute hingegen wird einfach die günstigste Tarifzeit empfohlen und: "Kernseife, da geht wirklich alles raus", verabschiedet sich die Stegauracherin.
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