Bamberg
Sanierung

Eine etwas andere Kreuzabnahme

Vor dem 1000-jährigen Jubiläum der St. Stephanskirche 2020 werden ihr Dach und ihre Fassade für 2,1 Millionen Euro saniert.
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Mitarbeiter mit der vergoldeten  Kupferkugel. Diese Zeitkapsel  birgt unter anderem den "Fränkischen Tag" vom 12. Juli 1977.   Alle Fotos: Ronald Rinklef
Mitarbeiter mit der vergoldeten Kupferkugel. Diese Zeitkapsel birgt unter anderem den "Fränkischen Tag" vom 12. Juli 1977. Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Ortstermin auf dem Stephansberg, Donnerstagmorgen um 9 Uhr. Gespannt schaut eine kleine Schar gen Himmel: Zu dem eingerüsteten Turm der barocken St. Stephans-Kirche. Hoch droben sind Handwerker damit beschäftigt, das 3,60 Meter hohe Stahlkreuz für eine Restaurierung aus der Verankerung zu holen. Es gelingt ihnen problemlos, und langsam schwebt das gute Stück im Außenaufzug zu Boden. "Kreuzabnahme stellt man sich eigentlich anders vor!", schmunzelt Pfarrer Walter Neunhoeffer, der die Aktion aufmerksam verfolgt.

Die Spannung steigt. Denn auch die vergoldete Kupferkugel am Fuß des Turmkreuzes muss geborgen werden. Was verbirgt die darin befindliche Zeitkapsel? Behutsam wird diese längliche Dose geöffnet. Pfarrer Neunhoeffer greift hinein, zieht eine Urkunde mit rotem Wachssiegel, Zeitungen, ein Leinensäckchen heraus. Er überfliegt diese Dokumente, hält den Fränkischen Tag vom 12. Juli 1977 in der Hand. Also der eindeutige Beweis dafür, dass die Zeitkapsel an jenem Tag auf den Turm gefunden hat. Das Evangelische Gemeindeblatt, Sonntagszeitungen, eine Preisliste über Waren des täglichen Bedarfs oder - welch frühe Ökumene! - eine Broschüre mit der Biografie des damaligen Erzbischofs von Bamberg, Elmar Maria Kredel. Dann nestelt Pfarrer Neunhoeffer das Bändchen des Beutels auf: "Ein Hundert-Mark-Schein! Die Sanierung ist gerettet!", lacht er auf und entdeckt weitere DM-Scheine und - Münzen.

Die harte alte Währung ist nun doch eher etwas für die Vitrine denn für die Begleichung der Sanierungskosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro. Seit März 2019 laufen die Arbeiten an Dach und Fassade der eingerüsteten Stephanskirche: "zur Sicherung und zum Erhalt", wie Architekt Matthias Jacob erklärt. Gemeinsam mit Heidi Vormann, Architektin im Verbund des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Oberfranken-West, zeichnet der Bamberger für die Maßnahmen verantwortlich.

"Von den Gesimsen am Turm waren Steine herabgebrochen", begründet Jacob deren Notwendigkeit.

Im Zuge der Voruntersuchungen seien weitere Schäden wie Roststellen an den Fenstern oder Wasserablagerungen im Dachstuhl entdeckt worden. So muss auch das Kirchendach samt Turm neu mit Schiefer gedeckt werden. Bis November 2019 soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein: Rechtzeitig zur Landessynode, die in Bamberg tagt. Und natürlich rechtzeitig zum großen Festjahr 2020. Dann begeht die Stephanskirche ihr 1000-jähriges Weihejubiläum. Erst nach Abschluss der Feierlichkeiten startet 2021 der zweite Bauabschnitt, und zwar im Inneren des Gotteshauses. "Die Raumschale wird gereinigt, die 40 Jahre alte Bankheizung und das Lichtkonzept erneuert", berichtet Architekt Jacob über die Pläne, die mit weiteren rund zwei Millionen Euro zu Buche schlagen werden. Eine sogenannte Musterachse ist derzeit innen angelegt.

Ursprünglich katholisch

Die Stephanskirche als wichtigstes evangelisches Gotteshaus in Bamberg seit 1808 war ursprünglich katholisch. Der Legende nach hat die Heilige Kunigunde, die Schutzpatronin der Stadt, den Bau in Auftrag gegeben. Im Jahr 1020 wurde die Kirche geweiht - und zwar vom Papst persönlich. Benedikt VIII., der damals in Bamberg weilte, nahm die Zeremonie vor. Für Oberbürgermeister Andreas Starke, Erzbischof Ludwig Schick und Dekan Hans-Martin Lechner Grund genug, in einem gemeinsamen Schreiben den amtierenden Papst Franziskus zum Jubiläum nach Bamberg einzuladen. Die Zu- oder Absage des Pontifex steht noch aus.

Doch der Ökumene im Kleinen tut das keinen Abbruch. Denn in geschwisterlicher Zuneigung öffnet die benachbarte katholische Pfarrkirche "Unsere Liebe Frau" (Obere Pfarre) am Pfingstsonntag ganz weit die Pforten für die Stephansgemeinde: Die Konfirmation von 42 jungen Menschen wird um 9 Uhr in der Oberen Pfarre begangen - eben weil die Kirche St. Stephan wegen der Sanierung kein feierliches Ambiente bieten kann.

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