Litzendorf

Eine bezahlbare "Halle für Alle" in Litzendorf

Den Wunsch nach einer neuen Sporthalle hegen einige Litzendorfer schon seit zehn Jahren. Mittlerweile geht es nicht mehr um eine Mehrzweckhalle, sondern um den Bau einer reinen Turnhalle für rund zwei Millionen Euro.
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Nahe der alten Turnhalle soll jetzt vermutlich auch der Neubau geplant werden. Foto: Ronald Rinklef
Nahe der alten Turnhalle soll jetzt vermutlich auch der Neubau geplant werden. Foto: Ronald Rinklef
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Von einer der "größten Bürgerveranstaltungen der vergangenen Jahre in der Gemeinde" sprach der Litzendorfer Förderverein im Rückblick. Seit nun schon gut sieben Jahren fordert er "Eine Halle für Alle". Selbst wenn an die 120 Bürger (von über 6000 Bürgern insgesamt) zu der Informationsveranstaltung, zu der der Förderverein eingeladen hatte, gekommen waren, Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) weiß, dass es "sehr mahnende Bürger" unter den Litzendorfern gibt: "Der Bau ist das eine, der Unterhalt aber das andere", sagte er.

Sicherlich wünscht sich auch der Bürgermeister eine neue Sporthalle für seine Gemeinde, aber deshalb gehe er "keine Verschuldung" ein. Auch Gemeinderat Herbert Schützt (CSU) sagt: "Bedarf ist ohne Zweifel da." Aber das Projekt müsse realistisch sein und "wesentlich günstiger als fünf Millionen", so der Bürgermeister. Hintergrund der langjährigen Auseinandersetzungen ist, dass die über 47 Jahre alte Schulsporthalle weder in ihrer Größe und Ausstattung, noch bezüglich Unfallverhütung, Schall- und Wärmeschutz den heutigen Vorschriften genüge. Auch bei einem Neubau gibt es "bestimmte Kriterien, die erfüllt werden müssen", sagte Schütz.

Neidisch auf Tabellenführer

Ein wichtiges Argument des Fördervereins, hinter dem sich 13 Litzendorfer Vereine und Sportgruppen positionieren: Auf einer aktuellen Rangliste aller kreisangehörigen Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften liegt Litzendorf an drittletzter Stelle, wenn es um die Größe der Sporthalle geht. Zwölf der 25 befragten Gemeinden beziehungsweise Verwaltungsgemeinschaften verfügen nach Erkenntnissen der Umfrage über mehr als 20 Quadratmeter Turnhallenfläche je 100 Einwohner. Litzendorf kommt aktuell auf acht Quadratmeter je 100 Einwohner. "Das zeigt doch, wie dramatisch unsere Situation ist", sagte Bernhard Wittmann (Bündnis90/Die Grünen) bei der Versammlung.

Die Fußballmannschaften versuchen in den Herbst- und Wintermonaten die Soccer Hallen anzumieten, erklärte der SC Melkendorf. Auch für junge Familien wäre es schön, wenn die Kinder ihren Sport an einer Turnhalle am Ort betreiben könnten. Die Basketballer beklagten an dem Fördervereins-Abend, dass sie Zwangsabsteigen mussten, weil die derzeitige Halle nicht den notwendigen Anforderungen des bayerischen Basketballverbandes entspricht.

Dass es eben nicht nur um Basketball geht, machte Wolfgang Heyder (SPD) deutlich. Er ist einer der Verfechter eines Hallenneubaus, sprach aber auch von Fehlern in der Vergangenheit: Die Forderung nach einer Multifunktionshalle mit über fünf Millionen Baukosten sei eine "utopische Geschichte und in Litzendorf nicht machbar und der Betrieb nicht finanzierbar". Außerdem sei immer nur von Basketball geredet worden, dabei seien die Forderungen anderer Vereine wenig oder gar nicht beachtet worden.

Von dem 5-Millionen-Projekt haben sich mittlerweile wohl alle Seiten distanziert. Bislang konnte die Gemeinde noch kein passendes Grundstück erwerben, so der Bürgermeister. Der Vorplatz der jetzigen Turnhalle wäre aber zumindest schon einmal Gemeindefläche. Somit wird ein Bau dort immer wahrscheinlicher. "Wir gehen auf eine reine Sporthalle", erklärte Franz-Josef Schick (SPD). Herbert Schütz ist wichtig, dass in so einer großen Halle auch Veranstaltungen für die Bevölkerung stattfinden können: "Die Halle muss schon multifunktional sein", sagte er. In diesen und anderen Punkten - wie zum Beispiel auch beim Thema Parken - muss noch "genau geplant und bedacht werden".

Seit 2009 Rücklagen aufgebaut

Momentan wartet Bürgermeister Möhrlein noch auf die konkrete Kostenschätzung des beauftragten Planungsbüros. Was die finanziellen Mittel betrifft, baut die Verwaltung der Gemeinde seit 2009 eine Rücklage auf: "Wir schwimmen nicht im Geld", sagte Schick. Aber: "Im Jahr 2017 haben wir so viel Eigenkapital, dass ein Bau möglich sein sollte", hofft Möhrlein. Auch die Höhe der Zuschüsse spielen dann im Ernstfall eine Rolle. Möhrlein könne sich gut vorstellen, dass man das Projekt in zwei Bauabschnitte aufteilt und vorerst die Sanitäranlagen der alten Turnhalle mitbenutzt werden.

Dass der Bau einer Zweifach-Turnhalle auf der Tartanfläche neben der Litzendorfer Mittelschule kein unerfüllbarer Traum sein muss, dafür machten sich Heyder und Werner Ruff, Kassierer der Basketballgemeinschaft Litzendorf, stark. Wenn die vorhandene Tartanfläche vor der Mittelschule als Bauplatz und die bisherige Sanitäranlage der alten Halle genutzt werde, käme man nach ihren Berechnungen auf Gesamtkosten von zwei Millionen Euro, wovon die Hälfte über Zuschüsse zu generieren sei. Für die Gemeinde bliebe dann wohl ein Kostenaufwand von rund einer Million Euro. Für die Finanzierung sowie Unterhalt für Schul- und Vereinssporthalle würden 6000 Euro im Monat anfallen, wobei 50 Prozent auf die Schulhalle entfielen. Soweit die Rechnungen des Fördervereins. "Aber es muss eben gewährleistet sein, dass der Außensport der Schulen - wie Leichtathletik - weiter betrieben werden kann", mahnt Schütz.

Sicher ist: Ein Projekt dieser Größenordnung wird auch in den folgenden Jahren immer wieder "im Haushalt auftauchen", sagte Schick. In einem Punkt sind sich Bürgermeister Möhrlein und der Förderverein offenbar annähernd einig: Der Bau soll im Jahr 2017 beginnen. Diese Variante werden dann wohl "alle mittragen", so Schick: "Das wird keine rote, keine grüne oder schwarze Halle." Bis ein endgültiges Vorhaben spruchreif ist, hat Litzendorf noch andere "Pflichtaufgaben", so der Bürgermeister. Zum Beispiel den Breitbandausbau oder Krippenplätze. Bei der vorgegebenen Zeitschiene der Städtebauförderung gilt es "keine Zuschüsse zu verlieren", sagte Möhrlein. "Der Stadtbus und die Halle", das sind in Augen des SPD-Vorsitzenden die "strukturell wichtigsten Geschichten". Auch wenn eine Entscheidung in puncto Halle absehbar scheint, Schütz ist der Meinung: "Uns läuft die Zeit nicht davon."
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