Bamberg
Kultur

Einblick in die Welt der Engel - Ausstellung im Bamberger Diözesanmuseum

Die Exponate zeigen eine faszinierende Fülle an Göttern, Wegbegleitern und himmlischen Boten von der Antike bis zur Gegenwart.
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Die Engel bei der "Taufe Christi", ein Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, ist Teil der Ausstellung, die aber mehr als nur christliche Engelfiguren präsentiert.  Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Die Engel bei der "Taufe Christi", ein Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert, ist Teil der Ausstellung, die aber mehr als nur christliche Engelfiguren präsentiert. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Der erste Begriff, der mindestens älteren Leuten zum Thema "Engel" einfällt, ist der "Schutzengel". In vielen Kinderzimmern hing ein Bild, das zwei Kinder auf einer schmalen Brücke über einem tosenden Bach zeigt. Ein blondgelockter Engel im langen weißen Kleid und mit Flügeln hält schützend die Hände über die beiden.

Zum ersten Mal öffentlich

Kitsch oder Kunst: Auch ein solches Exponat gehört zu der aktuellen Ausstellung "Engelwelten" im Bamberger Diözesanmuseum. Die Schau wagt etwas Neue: Sie belässt es nicht bei Darstellungen von christlichen Engeln, sondern geht an die Jahrtausende alten Wurzeln der Vorstellungen von himmlischen Wesen. "Vertikale Ökumene" nennt Hans Ulrich Steymans diesen "Dialog zwischen Religionen bis in nachchristliche Weltanschauungen". Der Dominikanerpater ist Professor für Altes Testament an der Universität Freiburg/Schweiz und Konservator am dortigen Bibel und Orient Museum. Aus diesem Haus kommen herausragende Leihgaben für die Ausstellung, die das Diözesanmuseum mit bislang noch nie öffentlich präsentierten Kunstwerken ergänzt.

"Urmutter der Engeldarstellung"

Geläufigen Vorstellungen werden zunächst zwei lebensgroße Engelfiguren aus der Barockzeit gerecht, die sozusagen das Empfangskomitee für die Ausstellungsbesucher bilden. Wer dann den ersten Schauraum im Kreuzgang des Domes betritt, sieht sich mit der griechischen Siegesgöttin Nike von Samothrake konfrontiert, als 500 Kilogramm schwerer Gipsabguss des Originals (150 vor Christus), das im Pariser Louvre steht. "Trotz Flügel schwebt sie nicht!" spielt Museumschef Holger Kempkens auf das Gewicht dieser "Urmutter der Engeldarstellung" an. Und schlägt einen Bogen zur Bibel, zu den Versen aus der Geheimen Offenbarung des Johannes (Apokalypse), die dem Anspruch Roms und seiner Kaiser, die Weltherrschaft auszuüben, den Anspruch Christi entgegensetzen, der wahre Herrscher der Welt zu sein. "Es ist wohl kein Zufall, dass gerade der Engel, der vom Zenit des Himmels her den endgültigen Sieg Christi über alles Böse verkündet, geflügelt vorgestellt wird", so Kempkens. Als Prototyp dieses Sieges-Engels gelte eben Nike.

Kaum hat sich Betrachter von dieser im Wortsinne kopflosen Göttin erholt, fällt sein Blick auf einen Eier legenden, dickbäuchigen Engel. Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt hat 1970 skrupellos diese originelle Zeichnung auf Papier geworfen.

Vorbilder aus der Antike

Tatsächlich sind es die unterschiedlichen Phänomene und Vorstellungen über Engel, die diese Ahnenschau so faszinierend machen. Die Exponate zeigen griechisch-römische, sogar ägyptisch-kanaanäische oder assyrische Vorbilder, die in den christlichen Engeln weiterleben. Diese Genealogie bringt zwar dem Wesen der Engel näher als Überbringer göttlicher Botschaften, unerschrockene Krieger gegen das Böse, als weibliche oder kindergleiche Lichtgestalten.

Doch letztendlich bleibt die Definition der Engel, wie sie die Ausstellung versucht, ein Wagnis. Das Wagnis nämlich, einem unbegreiflichen Aspekt des Seins, etwas in der Realität Unfassbarem, einen Namen zu geben.

Thema wirft viele Fragen auf

Die präsentierten Objekte aus drei Jahrtausenden - über 90 Prozent davon Originale - gewähren natürlich Verständnishilfen: Steinreliefs und Bronzefiguren, Amulette, Sarkophag-Fragmente, Skarabäen und Weihegaben, Schalen, Vasen, Becher, Rollsiegel, Ölbilder, Grafiken, Skulpturen, Andachtsbildchen bilden ein geschlossenes Panorama. Da sind Plakate aus den 1940er Jahren fast ein Schlag in die Magengrube: Sie greifen das uralte Motiv vom Kampf gegen den Satansdrachen - Erzengel Michael - auf und stellen den nationalsozialistischen Kampf gegen das Judentum und den Bolschewismus als Kampf gegen einen mehrköpfigen Drachen dar (1943).

Da fällt dem Betrachter bei diesem braunen Wüten als Replik der "Racheengel" ein. Einer mit "Engelsgeduld" und "Engelsgesicht", vielleicht sogar ein "Todesengel".

Das vermeintlich gut bekannte Thema "Engel" wirft viele Fragen auf. Die Sonderausstellung "Engelwelten" im Diözesanmuseum bietet ebenso viele Antworten.

Führung zur Ausstellung

Engelwelten Im Rahmen der Kunstsnack-Reihe zeigt das Diözesanmuseum die Vielfalt der "Engelwelten" in der jüdisch-christlichen Kultur und auf welcher Grundlage sich diese entwickeln konnte. Termin Die Führung beginnt am Mittwoch, 17. April, um 12.30 Uhr.

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