Bamberg
Abbau

Ein Überbleibsel der früheren Hofbräu AG in Bamberg verschwindet

In der Brennerstraße saniert die Stadt derzeit die Fahrbahn. Mit dem Rückbau der Gleisanlage verschwindet auch ein Stück Brauereien-Geschichte in Bamberg.
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Neben den  Pflastersteinen verschwinden auch die Gleisanlagen  (vorne)  in der Brennerstraße in Bamberg.Andreas Häusler
Neben den Pflastersteinen verschwinden auch die Gleisanlagen (vorne) in der Brennerstraße in Bamberg.Andreas Häusler

Hunderte Pflastersteine liegen gelockert kreuz und quer in der Brennerstraße, ein Anblick, den unser Leser Andreas Häusler im Bild festgehalten hat. Der Ausbau des recht holprigen und nicht mehr zeitgemäßen Belags läuft seit Anfang dieser Woche, weshalb der Abschnitt zwischen der Georgenstraße und der Zufahrt zu Aldi und Rewe an der Ecke Pödeldorfer Straße für den Auto- und Radverkehr gesperrt ist.

Damit verschwindet von vielen fast unbemerkt auch ein Stück Bamberger Brauereien-Geschichte, auf die Andreas Häusler hinweist. Denn die Industriegleisanlage, die quer über die Straße verlief, wird bei den Arbeiten ebenso abgebaut. Die Gleise führten einst von der Bahnlinie zu Bambergs größter Braustätte, der Hofbräu AG.

Ursprünglich wurde die Brauerei als "Erste Bamberger Export-Bierbrauerei Frankenbräu" im 19. Jahrhundert an der Pödeldorfer Straße gegründet. "Die Produktion erfolgte auf dem neuesten technischen Stand mit einem eigenen Gleisanschluss", erzählt Christian Fiedler, Experte für die Geschichte der Bamberger Brauereien und Autor des Buchs "Bamberg, die wahre Hauptstadt des Bieres".

Laut Fiedler wurde die Brauerei durch den Kaufmann Simon Lessing 1885 gegründet. Grundkapital: 1,1 Millionen Mark. Lessing war Hopfenhändler und betrieb mehrere Ziegeleien. Aus seinen Ziegeln entstanden nach den Recherchen von Fiedler auch die Gebäude. "Im Jahr 1887 verfügte die Brauerei über neun Bierkühlwagen zum Transport des Bieres mit der Schiene." Die Brauerei habe sich damals sehr in Sachsen und Norddeutschland engagiert.

Auf dem gegenüberliegenden Grundstück hatte die Brauerei außerdem eine Ausflugsgaststätte betrieben. "Der sogenannte ,Tivoli‘ verfügte über einen Vergnügungspark mit einem künstlich aufgestauten See." Bereits ein Jahr nach der Gründung der Brauerei sollen dort 25.000 Hektoliter Bier gebraut worden sein - mehr als von jeder anderen Brauerei in Bamberg.

Danach folgte eine wechselvolle Geschichte (siehe unten) mit Expansion, der Arisierung in der Nazi-Zeit und späteren Produktion für US-amerikanische Soldaten. 1977 wurde die Herstellung nach Fiedlers Aufzeichnungen eingestellt.

Die Arbeiten in der Brennerstraße dauern laut Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt wohl bis Mitte November. Dann ist auch dieses Überbleibsel der Bamberger Brauereien-Geschichte verschwunden.

Früher Bambergs größte Braustätte

1885 Gründung Frankenbräu

1886 25.000 Hektoliter Bierausstoß (größte Braustätte Bambergs)

1890 angeblich 55.000 Hektoliter Bierausstoß

1900 Namensänderung in "Hofbräu AG Bamberg"

1918 Ein Brauereibesitzer aus Berlin erwirbt die Mehrheit und setzt auf Expansion. Ankauf von u.a. Bären- und Eckenbüttnerei AG, Weiße Taube, Steinernes Haus, Himmelsleiter und Böttinger (jeweils Bamberg)

1928 Jahresausstoß von 280.000 Hektolitern mit über 500 Beschäftigten, davon 250 bei der Hofbräu AG in Bamberg.

1933 Die Bamberger Hofbräu AG wird von einem Bankhaus aus München "arisiert".

1945-1948 Armeebrauerei, Produktion nur für US-Soldaten. Nach dem Krieg gehen 30 Prozent des Umsatzes verloren, Markt in der DDR bricht weg.

1957 Ausstoß 96.000 Hektoliter Bier

1971 Ausstoß 147.000 Hektoliter Bier

1972 Hofbräu wird in den Brauereinverbund der "Patrizierbräu Nürnberg AG" einbezogen.

1977 Einstellung der Bierproduktion aufgrund von Überkapazitäten im Brauereienverbund

1982 Abriss; Neubau AOK und Wohngebiet am "Birkengraben"

Quelle: Christian Fiedler

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