Bamberg
Kunst

Der "Langsame Traum" bleibt in Bamberg

Von Botero bis Lüpertz vereint der Bamberger Skulpturenweg große Künstlernamen auf wenigen Metern. Nun gehört auch der "Langsame Traum" von Rui Chafes dazu.
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Viele Bürger machten den Geldbeutel auf und spendeten Beträge zwischen 20 und 250 Euro:. Jetzt steht fest:   Der "Langsame Traum" von Rui Chafes bleibt in Bamberg.  Fotos: M. Wehner
Viele Bürger machten den Geldbeutel auf und spendeten Beträge zwischen 20 und 250 Euro:. Jetzt steht fest: Der "Langsame Traum" von Rui Chafes bleibt in Bamberg. Fotos: M. Wehner
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Wer die Stationen des Bamberger Skulpturenwegs ablaufen will, muss gut zu Fuß sein. Allein die Großplastikenausstellungen des Künstlerhauses Villa Concordia bereicherten die Stadt Bamberg in den letzten beiden Jahrzehnten um sieben bemerkenswerte Kunstwerke im Stadtbild. 13 weitere skulpturale Attraktionen zählt die Übersicht der Stadt auf. Seit dieser Woche darf ein weiteres Denkmal zum Inventar Bambergs gezählt werden - der "Langsame Traum" von Rui Chafes.

Die Fans des beliebten Standbilds vor dem Brückenrathaus wird diese Nachricht kaum überraschen: Zahlreiche Privatpersonen aus Bamberg haben mit ihren Spenden von 20 bis 250 Euro dazu beigetragen, dass das eiserne Standbild in Bamberg bleiben kann. 46 000 Euro kamen auf diese Weise zusammen.

Freilich: Um genug Geld für den Ankauf der Plastik des renommierten Künstlers aus Lissabon zusammenzubekommen, waren noch mehr Anstrengungen nötig. Kulturbürgermeister Christian Lange sprach in der jüngsten Sitzung des Finanzsenats von einer großen Herausforderung, die Mittel für den Ankauf und die nochmalige Umsetzung des Werks einzusammeln. Vielen Firmen sitze das Geld nicht mehr so locker, manche zögen es heute vor, das Geld in soziale statt in Kulturprojekte zu stecken, meinte Lange. Umso höher ist es zu bewerten, dass es der Stadt in Zusammenarbeit mit Kurator Bernd Goldmann nur ein halbes Jahr nach dem Ende der Großplastikenausstellung "Seelenschatten" gelungen ist, das Projekt abzuschließen. Dank der Unterstützung der Oberfrankenstiftung (30 000 Euro), der Sparkassenstiftung (20 000 Euro), der Stiftung Weltkulturerbe (32 000 Euro), der Stadt selbst (22 000 Euro) und zahlreichen Einzelspender sei es gelungen, den im Kultursenat bereits beschlossenen Ankauf der Skulptur samt Umsetzung für insgesamt 150 000 Euro möglich zu machen.

Eine honorige Geste des Künstlers nannte es Lange dabei, dass dieser versprochen habe, im Falle eines Ankaufs des "Langsamen Traums" das Werk "Ängstlicher Mond", das im Bamberger Hain spektakulär über dem Fluss hängt, der Stadt kostenfrei zu überlassen. Chafes wird künftig also auch im grünen Gürtel Bambergs präsent sein.

Der Finanzsenat, der sich wenige Minuten zuvor gegen die Sammlung Goetz im Schloss Geyerswörth ausgesprochen hatte, freute sich diesmal über das Geschäft mit der Kunst. "Ich finde die Skulptur im Hain superschön", fasste Daniela Reinfelder (BUB) die Stimmung im Gremium zusammen. Alle müssten dafür werben, das Geld zusammenzubekommen.

Freilich: Über Geschmack lässt sich streiten, und ganz besonders über Kunstgeschmack. Die Zustimmung zum Ankauf der Chafes-Plastik blieb aller Euphorie zum Trotz auch im Stadtrat nicht unwidersprochen. Dieter Weinsheimer von der Bamberger Allianz bezeichnete es als bedenklich, dass der Erwerb des Kunstwerks nicht ausschließlich aus Spendengeldern gelungen ist, sondern dass die Stadt 22 000 Euro aus dem Kultursäckel zuschießt. "Das sehen wir sehr kritisch." Sein Fraktionskollege Hans-Jürgen Eichfelder formulierte es noch drastischer: "Ich bin nicht dafür, dass hier öffentliches Geld für dieses Kunstwerk ausgegeben wird. Wir haben hier schon genug rumstehen."

Eichfelders Einwurf blieb jedoch eine Einzelstimme. Das Gremium verabschiedete den Ankauf der Eisen-Plastik mit großer Mehrheit. Auch ein neuer Standort steht bereits fest: Der "Langsame Traum" wird künftig an der Bischofsmühle stehen. Dort weist er den Weg zum neuen Welterbezentrum.

Digitale Stadtführung

Wer alle bisher erworbenen Kunstwerke des Bamberger Skulpturenwegs besuchen will, kann sich mit der App "Hello Bamberg" digital leiten und informieren lassen. Hier geht es zu dem entsprechenden Rundgang.

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