Bamberg
Aktion

Ein Tänzchen für's Welterbe

Eine Modenschau und Kunst bereicherten den kunterbunten Welterbetag an den Unteren Mühlen in Bamberg.
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Gute Laune war angesagt rund um das Welterbezentrum an den Unteren Mühlen - Tänzchen inbegriffen.  Fotos: Julian Megerle
Gute Laune war angesagt rund um das Welterbezentrum an den Unteren Mühlen - Tänzchen inbegriffen. Fotos: Julian Megerle
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Über dieses reißende Wasser müssen sie schreiten: Schauspielerinnen, Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung, Menschen der Laufer Mühle, angehende Künstler. Zahlreiche Zuschauer staunten nicht schlecht, welche Modekollektionen sie auf diesem außergewöhnlichen Laufsteg vor dem Welterbezentrum in Bamberg zu Gesicht bekamen.

Der 8. Juni ist der internationale Unesco-Welterbetag und steht in diesem Jahr im Zeichen der Menschen, welche die Stadt Bamberg prägten und prägen: "Das Welterbe ist kein Tourismussiegel", betonte Patricia Alberth, Hausherrin des in diesem Jahr eröffneten Welterbezentrums. Es gehe um ein modernes kulturelles Erbe, dass zur Völkerverständigung beitrage. "Das heißt auch, dass es keine Käseglocke ist. Es ist lebendig und man kann auch Neues dazusetzen", so Alberth. Für Oberbürgermeister Starke (SPD) lautet die Frage nicht nur, warum Bamberg den Weltkulturerbestatus erlangt hat: "Viel wichtiger ist doch: Welche Pflichten und Aufgaben erwachsen uns aus diesem Erbe?"

Lebendiges Erbe

Lebendiges Erbe hat viele Facetten. So durfte der Künstler Klaus Dauwen an der Unteren Brücke mit seinem Werk "Angesichter" der Stadt ein bisschen "Schmutz" abnehmen. Mit der Technik "Reverse Graffiti" wurden per Hochdruckreiniger Moos und Algen entfernt. "40 Meter auf 1,2 Meter ist natürlich kein gängiges Format", findet der Kölner Künstler Dauwen und freute sich, dass er die Vielfalt der Stadtbevölkerung abbilden durfte.

Menschen muslimischen Glaubens wie auch Personen mit asiatischem oder afrikanischem Aussehen finden sich genauso darunter. Seine Schüler trugen Bilder von 23 Menschen zusammen, deren Porträts mittels Schablonen auf den Flanken der Brücke gelandet sind. In vier bis fünf Jahren ist das Werk wohl wieder Geschichte. Ein Buch über das Projekt hält nun das Schaffen fest.

"Wir wollen den Charakter der Stadt widerspiegeln", schilderte Ina Wunder von "Mode macht Mut", einem Projekt der Laufer Mühle, die Idee der Kollektion. Alle Stoffe wurden dabei wiederverwertet. Angelehnt an Bertolt Brecht fragte sie: "Wer baute das siebenhügelige Bamberg?" Schließlich waren es die Arbeiter mit ihrem Fleiß, welche die Stadt erschufen und am Leben erhielten. Und so stand auch ihre Kleidung im Vordergrund. "Jedes Kleidungsstück hat Geschichte und einen Bezug zum Welterbe. Mal offen, mal verdeckt", verriet Wunder.

Models auf dem Steg

Dann wurde es ernst: Beschwingt und unter anerkennenden Pfiffen, Staunen und Klatschen schritten und wandelten die 50 Models über den Steg. Egal ob Gartenstadt oder St. Michael, Straßenbauamt oder Brauer sowie Köche: Alles fand sich wieder und jedes Model bekam jede Menge Aufmerksamkeit und wurde von David Saam und Res Richter von "Boxgalopp" mit Dudelsack und Akkordeon angefeuert. "Ich finde es mutig von den Models, hier aufzutreten und auch schöne Mode aus Bamberg zu sehen", fand Lea Bergmann. Silvia Krapp-Reinfelder pflichtete ihr bei und ergänzte: "Es ist schön, dass man auch viele Menschen aus der Stadt wiedererkennt." Und wie ist es so, selbst die Hüften zu schwingen? "Das ist wie auf den letzten hundert Metern beim Weltkulturerbelauf. Alles schaut auf einen!", meinte Ruth Vollmar, die sich mit weißem Hemd und blauer Arbeitshose in Schale geworfen hatte. Zudem sei es gut gewesen, dass auch so viele Männer dabei gewesen waren. Ihr Ehemann Jörg Brettschneider, der im zum Mantel umfunktionierten Blaumann mitsamt weißer Hose und gestreiftem T-Shirt auftrat, war sich sicher: "Es war eine neue Erfahrung und hat echt Spaß gemacht." Jetzt bleibt noch die Hoffnung auf den Recall.

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