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Ein Ständchen für den Musikpavillon im Bamberger Hain

Im Bamberger Hain steht zwischen Schwanenweiher und Tennisclub ein ungewöhnliches Bauwerk, vor dem sich vor allem die jüngere Generation gerne zum Grillen und Chillen trifft: der Musikpavillon. Dessen 100-jähriges Bestehen feiert der Bürgerpark-Verein am Sonntag Abend mit Blasmusik, Bier und Bratwürsten wie anno 1914.
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Die Sphinx-Figuren sind das Erkennungsmerkmal der 100 Jahre alten Musikmuschel im Hain. Die markantesten Bauteile stammen von einem 1913 abgebrochenen öffentlichen Badehaus. Foto: Ronald Rinklef
Die Sphinx-Figuren sind das Erkennungsmerkmal der 100 Jahre alten Musikmuschel im Hain. Die markantesten Bauteile stammen von einem 1913 abgebrochenen öffentlichen Badehaus. Foto: Ronald Rinklef
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Was haben das Bootshaus der Rudergesellschaft und der Musikpavillon im Hain miteinander zu tun?

Mehr, als die meisten Besucher der beliebten Vereinsgaststätte an der Regnitz und der gern genutzten Liegewiese beim Tennisclub wissen dürften: Wäre Ersteres nicht 1913/1914 gebaut worden, besäße Bamberg nicht dieses ungewöhnliche Bauwerk im Hain mit seinen markanten Sphinx-Figuren.

Die Musikmuschel löste eine ältere, 1885 errichtete Musikhalle ab. Auf der Festwiese davor trafen sich die Bamberger zum sonntäglichen Zeitvertreib. Sogar Fesselballons sollen von dort in den Himmel gestiegen sein.

An die Tradition der seinerzeit so beliebten Sonntagskonzerte im Grünen knüpft der Bürgerpark-Verein zum 100-jährigen Bestehen des Musikpavillons an und bittet am kommenden Sonntag, 18.
Mai, ab 18 Uhr zu Brotzeit und Blasmusik in den Hain.

Laut Robert Neuberth, Vorstandsmitglied beim Bürgerpark-Verein, werden Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Vereins-Vorsitzender Alfred Schelter die Gäste gegen 18.30 Uhr begrüßen. Um 18.45 Uhr spielt dann das Blechbläserensemble der Musikschule, ab etwa 19.10 Uhr ist die Gruppe "Blech g'habt" zu hören.

Die Veranstaltung soll auch dazu dienen, Spenden für den Bauunterhalt des "Tempels" zu sammeln und den Gästen bewusst zu machen, wie empfindlich das architektonische Kleinod ist. Als Leiter des städtischen Gartenamts ist Neuberth auch für die Pflege des Hains und seiner öffentlichen Bauwerke verantwortlich. Er beklagt, dass der Pavillon immer wieder beschmiert, beschädigt und verschmutzt wird.

Ein Bild davon können sich die Besucher am Sonntag machen; man hat die Musikmuschel bewusst nicht herausgeputzt, "damit die Leute sehen, wie sie immer wieder ausschaut".

Ein Lied vom Vandalismus und von Hinterlassenschaften aller Art könnte auch Adelbert Heil singen: Der Bildhauer arbeitet in Räumen des Musikpavillons. Er legt, wie er sagt, oft selbst Hand an, um den gröbsten Schmutz zu entfernen. Am Sonntag lädt er ab 18 Uhr zu einer Ausstellung in sein Atelier ein.

Der Musikpavillon ist ein ganz besonderes Stück Architektur mit einer interessanten Vorgeschichte. Seine Säulen und die Sphinx-Figuren stammen von einem öffentlichen Badehaus, das an der Stelle des 1914 eingeweihten Bootshauses stand.

Das Bad gab es wenigstens seit 1817: Bis in jenes Jahr gehen die Unterlagen in der städtischen Registratur zurück, in denen die Bamberger Kunsthistorikerin Ellen Brandenburger der Geschichte des Musikpavillons und damit auch des Badehauses nachgeforscht hat.

Die umfangreiche Akte belegt, dass das Badehaus umstritten war: teils wegen der hygienischen Verhältnisse, teils wegen seiner Architektur. Es gehört zu den wenigen Beispielen der so genannten Revolutionsarchitektur in Bamberg. Der Entwurf stammte von Ferdinand von Hohenhausen (1772-1852), der ein Verfechter des "demokratischen Stils" war.

Als sich die Hainkommission 1913 mit dem beantragten Abbruch befassen musste, gingen die Meinungen der Zeitgenossen über den Wert der Hohenhausen-Architektur weit auseinander. In der Zeitschrift "Bayerischer Heimatschutz" nannte ein Autor 1912 das Badehaus "geradezu geschmacklos", während der Bayerische Verein für Volkskunst und Volkskunde Anfang 1913 den Bamberger Magistrat bat, "das sehr erhaltungswürdige Gebäude zu schonen".

Der Appell blieb nicht ganz wirkungslos: Als das Badehaus eingelegt wurde, lagerte man markante Bauteile ein. Sie fanden 1914 Wiederverwendung beim Bau der neuen Musikhalle.

Die ehemalige Festwiese im Hain ist nach wie vor ein Treffpunkt vor allem jüngerer Bamberger. Seit dem Jahr 2008 organisiert der Bürgerpark-Verein im Sommer auch wieder Konzerte, um die Tradition zu pflegen und für einen pfleglichen Umgang mit dem Pavillon zu werben.

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