Bamberg
Strafprozess

Ein schmieriger Geschäftszweig

Zu Bewährungsstrafen wurden zwei Männer verurteilt, weil sie in einem Fall Altfett gestohlen und dies in einem weiteren Fall versucht hatten.
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Das Gericht schenkte den Angaben des Haupttäters keinen Glauben. Foto: Ronald Rinklef
Das Gericht schenkte den Angaben des Haupttäters keinen Glauben. Foto: Ronald Rinklef

Die beiden Männer hatten bei ihrer Tat nicht nur ein Schloss aufgebrochen, sondern auch ein Messer bei sich geführt. Staatsanwalt Martin Barnickel setzte sich nicht durch - er hatte für den Haupttäter 16 Monate ohne Bewährung gefordert. Der Staatsanwalt war davon ausgegangen, dass der Diebstahl für den Firmenchef zum Tagesgeschäft gehörte.

Sie sind wahre Schatzkästchen, obwohl sich in ihrem Inneren ranziges, abgestandenes, stinkendes Speiseöl befindet. Doch selbst für diesen Abfall, der sich vornehm "Sekundärrohstoff" nennt, gibt es dankbare Abnehmer. Der Inhalt der Altfett-Tonnen landet dann nach einer Aufbereitung entweder als Beimengung im Biodiesel oder als recyceltes Frittieröl wieder in der Gastronomie.

Was die Gastwirte loswerden wollen und korrekt entsorgen müssen, ist ein ziemlich schmieriger Geschäftszweig. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die dreitägige Verhandlung vor Strafrichterin Magdalena Becker verfolgt. Auf der Anklagebank sitzt ein Altfett-Entsorger aus Sachsen und sein Angestellter. Beide sollen im März 2018 in Bamberg fette Beute gewittert haben.

Zuerst fuhren sie an einem Dienstagvormittag ein griechisches Restaurant an, um dort aus der im Hinterhof stehenden Altfett-Tonne das gelbe Gold abzupumpen. Sie brachen dazu ein Vorhängeschloss auf und öffneten den Behälter. Als der Chef und sein Handlanger vom Koch gestört wurden, ergriffen sie die Flucht. Ein versuchter Diebstahl.

Einige Straßen weiter versuchten sie in einem Bowling-Center dann erneut ihr Glück. Diesmal ließ sich das Fass ohne Gewalt aufmachen. Es gelang ihnen tatsächlich, geschätzte 150 Liter in eine eigene Tonne umzuleiten und aufzuladen. Als sie überrascht wurden, gaben sie an, im Auftrag des Restaurantbesitzers zu handeln - dabei hatte genau der sie auf frischer Tat ertappt. "Der Angeklagte erzählt uns auch hier das Blaue vom Himmel", so Staatsanwalt Barnickel.

Opfer einer Intrige?

Der Hauptangeklagte streitet von Beginn an alle Vorwürfe ab und sieht sich als Opfer einer großen Intrige. Dahinter steckten Konkurrenten, "die mich auf diesem Wege fertig machen wollen". Konkret soll es sich um seinen Schwiegervater und dessen Geschäftspartner handeln, die ebenfalls in der Speisefett-Entsorgung tätig sind. Damit erklärt der Firmeninhaber auch, dass derzeit auch die Staatsanwaltschaften in Halle, Gera, Leipzig und Zwickau gegen ihn vorgehen. "Solche Verfahren gibt es ja immer."

Von einer Verurteilung am Amtsgericht Altenburg zu 1250 Euro Geldstrafe wegen des Diebstahls von gebrauchtem Fett will er noch nie gehört haben. Die Vorwürfe, er solle auf das Auto seines früheren Arbeitgebers geschossen haben, bezeichnet er als ebenso absurd. Der sei selbst mehrfach vorbestraft. "Keiner scheut vor irgendwelchen Sauereien zurück." Dabei zeigt ein Blick in das Vorstrafenregister des selbst ernannten Opfers, dass sich dort seit 2004 zehn Verurteilungen an den Amtsgerichten Riesa, Weimar, Hohenstein-Ernstthal und Traunstein angesammelt haben. Darunter neben fahrlässiger, vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung, auch die einschlägigen Dinge wie Sachbeschädigung und versuchte und vollendete Diebstähle. Dennoch beharrt sein Verteidiger Klemens Rasel (Dresden) darauf: "Es liegt überhaupt nichts vor", spricht von "dünner Aktenlage", "kühnen Vorwürfen" und "enormem Verfolgungseifer".

Das eigentliche Problem für die beiden Angeklagten sind aber nicht die 20 Euro Sachschaden am aufgebrochenen Schloss oder der Entwendungsschaden von nicht einmal 30 Euro. Für einen Liter Second-Hand-Speiseöl gibt es um die 20 Cent. Dafür gäbe es nur eine Geldstrafe.

Diebstahl mit Waffen

Schwerwiegender ist die Tatsache, dass der Chef ein Einhandmesser mit einer neun Zentimeter langen Klinge in der Hosentasche dabei hatte. Juristisch wird aus einem einfachen Diebstahl deswegen ein Diebstahl mit Waffen, auch wenn das Messer gar nicht zum Einsatz gekommen ist. Allein das Wissen darum, es zur Hand haben zu können, um es als gefährlichen Gegenstand gegen andere Menschen gebrauchen zu können, reicht schon aus. Dafür sind mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe vorgesehen.

Am Ende bekommen beide Angeklagte eine Bewährungsstrafe. Der Chef ein Jahr, sein Komplize sieben Monate. Der eine muss zudem 3500 Euro Geldauflage an "Menschen in Not Bamberg" überweisen, die sich um wohnungslose oder gerade strafentlassene Menschen kümmern, der andere 1000 Euro an die Ökumenische Telefonseelsorge Bamberg zahlen. Damit aber ist es nicht vorüber. Denn der Handlanger hatte bei der Polizei seinen Arbeitgeber schwer belastet und weitere über 40 Fälle ins Spiel gebracht. Da wird irgendwo in Deutschland bald wieder ein Fass aufgemacht.

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