"Ein Sams zuviel?" Nein, ein Sams zu wenig! Wie erschrak Melanie Kreuzer, als sie gestern am Leinritt das Fehlen einer Figur bemerkte, die Kinder mit ihr zum neuen Theaterstück von Chapeau Claque gestaltet hatten. Entführten Fans das rüsselnasige Wesen, das auf der Leinwand Karriere machte, nachdem es Paul Maar zu Papier brachte? Wohin entschwand unser Sams, werden sich auch die Jungen und Mädchen der Martin-Wiesend-, Hain-, Montessori- und Kaulbergschule fragen, die diverse Orte der Domstadt mit 15 "Doubles" des kugelbäuchigen Stars bevölkerten.

"Das Sams kenne ich seit Jahren. Meine Mutter hat mir daraus schon vorgelesen, als ich klein war", berichtet der neunjährige Felix Schröder, der sich als einer der Viertklässler der Hainschule an der Kunstaktion beteiligte. "Ich kam übrigens auf die Idee, die Hängematte des Sams zu stricheln statt nur auszumalen", betont der Grundschüler: "Im Ausmalen bin ich auch nicht so gut wie im Abmalen." Sah Felix das finale Abenteuer um "Familie Taschenbier" schon im Kino? "Ja, am Freitag", so die Antwort des Neunjährigen, der sich nun dementsprechend für das Bühnengeschehen im Garten des Stadtarchivs interessiert. Zumal am Leinritt drei Samse prangten, die die Kinder gestalteten - bis einer der Protagonisten entführt wurde (oder vom Herumhängen die Nase voll hatte, von der Gartenmauer stieg und das Weite suchte).

Mit Pinsel und Farben


15 1,50 Meter große Holzfiguren erweckten Jungen und Mädchen der Montessori-Mittagsgruppe, Viertklässler der Martin-Wiesend-, Hain- und Kaulbergschule mit Pinseln und Farben zum Leben. Ein Sams-Mosaik entstand. "Ich begleitete die Kinder an den Schulen während der jeweiligen Gestaltungstage", berichtet Melanie Kreuzer, die im Rahmen ihres "Freiwilligen Sozialen Jahres Kultur" zu Chapeau Claque stieß. Stolz platzierten die Teilnehmer fünf Samse anschließend am Leinritt, auf dem Heinrich-Bosch-Steg, am Uferweg zur Konzerthalle und vor der Sinfonie an der Regnitz. In der Stadtbücherei, bei Collibri, in Sparkassenfilialen, beim BVD und im Ertl-Zentrum landeten weitere Exemplare, wie Melanie Kreuzer erläutert. Darüber hinaus greift das Spielmobil bei Touren durch den Landkreis auf die Figuren zurück: "Auf Spielplätzen und Wiesen stehen ja ebenfalls Paul Maars Geschichten im Blickpunkt - vom Sams-Spiele-Parcours über Herrn Mons Kuriositätenzoo bis hin zur Wunschpunkt-Maschine, die Kinder basteln können."

Was wäre Familie Taschenbier auch ohne Wunschpunkte? So sorgten Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstätten parallel zur Kunstaktion der Schüler für Nachschub: eine Hundertschaft blauer Punkte, die auf dem Heinrich-Bosch-Steg prangt. Mit Sams-Zitaten wie "Komm, lass dich begrüßen! Vom Schopf bis zu den Füßen. Jetzt hör mir doch mal endlich zu, ich bin ein Sams genau wie du!"

Bleibt nurmehr die Frage offen, wohin das 15. Sams entschwand, nachdem es sich bei der "Wochenendaktion" um keinen PR-Gag handelt. Und zu hoffen, dass die "Entführung" Paul Maar zu weiteren Abenteuern ums freche Fabelwesen inspiriert, von dem er sich mit "Sams im Glück" verabschiedet hatte.

Gezeigt wird das neue Stück von Chapeau Claque "Ein Sams zuviel" von Paul Maar und Christian Schidlowsky unter der Regie von Nina Lorenz bis 16. September immer sonntags ab 15 Uhr. Für Schulen und Kindergärten hebt sich vom 12. Juni bis 27. Juli von Montag bis Freitag ab 9 und 10.30 Uhr der Vorhang (Buchungen sind unter der Nummer 0951/39333 oder 9686673 bei Chapeau Claque möglich). Ort des Geschehens ist die Bühne im Garten des Stadtarchivs am Leinritt.