Über Geschichten wie die von der "Steigerwald-Hangmaus, linksläufig" kann sich Wilfried Auer auch nach Jahren noch köstlich amüsieren: Der Leiter des Schlüsselfelder Stadtmuseums hatte das Tier, das nach seinen Worten "hangseitig ein kürzeres Bein hat", einem Pressemann vorgestellt. Sehr ernsthaft natürlich. Der Redaktion seien dann doch Zweifel an dieser "Story" gekommen und man habe sich Rat bei der Uni Erlangen geholt. Die Biologen dort müssen den Braten gerochen haben. Sie hätten aber auch ihre Freude daran gehabt und den Zeitungsleuten etwas von Schottischen Hangschafen erzählt. Am Ende flog Auers Spaß dann aber doch auf.

Viele ähnliche Anekdoten kann Wilfried Auer erzählen. Schließlich macht er den "Job" des Museumsleiters im Steiger waldstädtchen schon sehr lange. Neben sehr ernsthaften und historisch wertvollen Exponaten zur Geschichte der Region hält er im Schlüsselfelder "Anfass- und Begreifmuseum" immer wieder auch Kurioses für seine Besucher bereit. Im nächsten Jahr feiert die Einrichtung ihr 20-jähriges Bestehen. Jetzt im Ruhestand kann sich der ehemalige Grabungstechniker im Denkmalschutz mit sehr viel mehr Muße seinem zeitaufwändigen Hobby widmen.

Vertrauen aufgebaut


Alles begann 1991 mit der Restaurierung des alten Schlüsselfelder Rathauses durch den damaligen Schlüsselfelder Bürgermeister Georg May. Zwei Jahre lang wurde für das Stadtmuseum im historischen Rathaus am Marktplatz gesammelt und ein Konzept entwickelt, bis es 1993 eröffnet werden konnte. "Es war ja nichts da", berichtet Auer von den Anfängen. "Wir haben dann so etwas gemacht wie bei Kunst und Krempel im Bayerischen Fernsehen." Die Gründungsmitglieder - ein Team von etwa zehn Personen - seien in die Wirtshäuer gegangen und hätten die Leute aufgefordert, ihre alten Sachen mitzubringen. "Man musste allerdings zuerst Vertrauen aufbauen."

Überraschungen erlebte Auer in diesen 20 Jahren immer wieder. Bei einem "Hai-Rupfer", den ihm ein Landwirt aus der Umgebung anbot, musste selbst der geschichtlich bewanderte Auer passen. Bis sich schließlich herausstellte, dass es sich dabei um ein Werkzeug handelte, mit dem früher Heu aus dem Heustoß heraus "gerupft" wurde.

Die Sache mit den Steinsalzkristallen ist für Auer auch heute noch "eine traurige Geschichte". Die kristallinen Stücke hatte Auer aus einer älteren Sammlung erworben. Weil sie etwas verstaubt waren, habe er sie einem Mitarbeiter zum Saubermachen gegeben. "Er hat sie mit Wasser gewaschen - und weg waren sie!"

Man muss als Museumsleiter natürlich auch etwas Glück haben. Als für das Wasserschutzgebiet einer mittelfränkischen Stadt "einige Dörfer platt gemacht wurden", kam beim Stöbern eine eisenbeschlagene Holzkiste zum Vorschein. Auer hat sich zunächst nur für die daran befestigte Messingplakette interessiert: "Beyrischer Metz, 1811" war darauf zu lesen. Dass es sich dabei um ein altes Getreidemaß handelt, hat der Museumsleiter erst später von einem alten Wirt erfahren. Bei den Recherchen zu seiner Sonderausstellung über alte Maßeinheiten wurde Auer dann klar, dass er ein "Urmetz oder Muttermetz" an Land gezogen hat. Das ist ein Maß, an dem alle anderen, die dann im flachen Land Verwendung fanden, gemessen wurden.

Glück hatte Auer auch mit einem Puppenhaus aus Erlangen. Das wunderschöne Ausstellungstück aus einem Nachlass sei um 1914 entstanden. Nur in die guten Hände eines kleinen Museums wollten es die einstigen Besitzer abgeben. Einen ganz besonderen Schatz hat das Stadtmuseum als Leihgabe bekommen: Das in Leder gebundene Kräuterbuch eines Apothekers aus Bergzabern aus dem Jahr 1613 dürfte eine ganz große Rarität sein.

Trotz aller Ernsthaftigkeit im Umgang mit historischem Material sitzt dem Museumsleiter immer wieder der Schalk im Nacken. Eine Kuh, die durch die richtige Brille betrachtet, dreidimensional erscheint, gehört ebenso zum Museum wie die "Buchwürmer", die Auer mühevoll in ein altes Druckexemplar "gezaubert" hat. Auers Kommentar: "Wenn die Würmer ein Kochbuch erwischen, werden sie besonders dick und fett!" Eine Besucherin soll darauf mit dem Ausruf "Ach Gott, ist das eklig" reagiert haben.

Prämie für bestimmte Schnecke


Kein Scherz, obwohl es April ist, sind nach Auers Worten "linksdrehende" Weinbergschnecken. Normalerweise sei das Gehäuse der Weinbergschnecken "rechtsdrehend" angelegt. Wie er im Salzburger "Haus der Natur" gesehen habe, gebe es aber - genetisch bedingt - Ausnahmen mit einem rechtsdrehenden Haus. Die Chance, ein solches Exemplar zu finden, liege bei 1:1 000 000. Auer hat für den Bringer einer solchen Schnecke eine Prämie von 50 Euro ausgelobt.

Von Ostern bis zum Advent ist das Schlüsselfelder Stadtmuseum immer sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Termine außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Vereinbarung möglich, Telefon 09552/92220 (Stadtverwaltung) oder 09552/1763 (Museumsleitung).