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Kemmern
Bürgermeisterwahl

Ein Kandidatentrio tritt in Kemmern an

Amtsinhaber Rüdiger Gerst (CSU) will den Chefsessel im Kemmerner Rathaus gegen Anne Schmitt (Grüne) und Jochen Gottwald verteidigen.
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Seit 18 Jahren ist Rüdiger Gerst Rathauschef in Kemmern. Und der CSU-Politiker möchte mindestens noch mal sechs Jahre dranhängen. Bei der Wahl am 15. März muss er sich aber gleich zwei Herausforderern stellen: Anne Schmitt bewirbt sich für die erstmals in Kemmern antretenden Grünen um das Bürgermeisteramt, Jochen Gottwald tritt für die Wählergruppierung Zukunft für Kemmern (ZfK) an, die sich zu den Kommunalwahlen 2014 firmierte. Gerst, bei seiner ersten Wiederwahl 2008 noch Alleinkandidat, setzte sich 2014 dann gegen die ZfK-Kandidatin klar durch. Und nun gegen zwei?

Der Amtsinhaber führt für sich und Kemmern als größten Erfolg der vergangenen Wahlperiode den "Volllärmschutz beim Bahnausbau" an. "Hier habe ich mich gegen viele Widerstände für meine Gemeinde durchgesetzt", sagt er. Nach "intensivsten Verhandlungen bis nach Berlin" werde auch die Konstruktion der neuen Autobahnbrücke den Straßenlärm massiv verringern. Zudem sei im Zuge der ICE-Planungen eine "leistungsfähige Wirtschaftswegebrücke" als Ersatz für den Bahnübergang erreicht worden.

Handlungsbedarf vorhanden

Die Herausforderer halten dagegen, dass in vielen Dingen weiterhin Handlungsbedarf bestehe. Und sie fordern vor allem eine bessere Bürgerbeteiligung.

"In der Kommunalpolitik will ich in den nächsten Jahren die berechtigten Forderungen nach mehr aktiver Bürgerbeteiligung und mehr Klimaschutz einlösen", kündigt Schmitt an. "Ich stehe mit meiner über 15-jährigen beruflichen Erfahrung in der nachhaltigen Regionalentwicklung und als Frau für einen neuen Politikstil, der gemeinsam nach Lösungen sucht".

"Politik ,von oben' ist heute kein zeitgemäßer Politikstil mehr", beklagt Gottwald. "Ich möchte ein Bürgermeister für alle Bürger sein. Einer, der sich kümmert und antreibt, der Ideen und Konzepte entwickelt und mit den Bürgern frühzeitig abstimmt." So sei das dringlichste Thema die Nahversorgung. "In den letzten Jahren wurde der Markt geschlossen, der Bäcker hat nur noch halbtags auf, der Metzger nur am Wochenende, der Blumenladen schließt demnächst. Dieser Entwicklung wurde nichts entgegengesetzt".

Welche Themen wollen die Kandidaten aber konkret anpacken - und wie? "In Kemmern besteht der Wunsch in der Bevölkerung nach einem Betreuungsangebot für Senioren in der Gemeinde. Viele möchten ihren Lebensabend in Kemmern verbringen können", stellt Gerst fest. Auch im Bereich der Kinderbetreuung müsse dem steigenden Bedarf Rechnung getragen werden. "Dies erreichen wir im Rahmen eines Mehrgenerationenprojektes, das neben betreutem Wohnen und ambulanter Pflege auch eine weitere Kindertagesstätte vorsieht. Die bestehende Kindertagesstätte werden wir zusammen mit der katholischen Kirchenstiftung durch eine Generalsanierung modernisieren."

Beim Thema Senioren sieht Gottwald das Kind fast schon in den Brunnen gefallen (siehe Interview). Handlungsbedarf sieht er "angefangen bei der längst überfälligen Modernisierung und Sanierung des bestehenden Kindergartens, über die unzureichende Busanbindung bis hin zur mangelnden Attraktivität der Spielplätze". Außerdem beim Baugebiet Bettelweg: Die müsse "zügig und wohlüberlegt, aber keinesfalls überstürzt, erschlossen werden". Deshalb solle mit Experten aus dem Bereich Dorfentwicklung geprüft werden, welche Anpassungen oder Änderungen am Bebauungsplan nötig und möglich seien.

Gerst merkt dazu an, man habe nun einen leistungsfähigen Erschließungsträger mit Voruntersuchungen beauftragt. "Diesen Weg gilt es gezielt weiterzuverfolgen."

Klimaschutz und Mobilität

Jenseits dieser Themen sieht Schmitt noch weitere Felder , auf denen die Gemeinde aktiv werden müsse. "Als besonders wichtig erachte ich, dass der Gemeinderat Klima- und Ressourcenschutz zukünftig bei allen Entscheidungen ausdrücklich berücksichtigt." Konkret wolle sie als Bürgermeisterin kurzfristig "die Wege für Radfahrer zügig verbessern, damit Radfahren sicher und leicht möglich ist". Auch plant Schmitt, am Mobilitätskonzept des Landkreises Bamberg aktiv mitzuarbeiten, "damit Schulbus- und Busanbindungen attraktiver werden. Derzeit gilt in Kemmern leider: nur wer muss, fährt Bus."

Außerdem will Schmitt zusammen mit den Eigentümerinnen und Eigentümern "die Innenentwicklung gestalten, damit Familien aber auch ältere und jüngere Singles und Paare passenden Wohnraum für sich schaffen können".