Bamberg
Sonderausstellung

Ein Geschenk mit Lokalkolorit

König Max I. Joseph vermachte Bamberg die 11600 Bände umfassende "Bibliotheca Bipontina". Die Staatsbibliothek zeigt daraus besondere Schätze.
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In den ausgewählten Bücherschätzen der "Bibliotheca Bipontina" fehlen nicht die engen Bezüge zu Franken - insbesondere zu Bamberg, wie diese Buchillustration zeigt. Foto: Gerald Raab/Staatsbibliothek Bamberg
In den ausgewählten Bücherschätzen der "Bibliotheca Bipontina" fehlen nicht die engen Bezüge zu Franken - insbesondere zu Bamberg, wie diese Buchillustration zeigt. Foto: Gerald Raab/Staatsbibliothek Bamberg
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Üblicherweise sind nur die Buchrücken der "Bibliotheca Bipontina" in den Regalen zu sehen. Und der Karlsberg-Saal im ersten Stock der Staatsbibliothek Bamberg kann nur bei Führungen betreten werden. Jetzt startet Direktorin Bettina Wagner einen Coup, um 40 besondere Schätze aus dieser 11 600 Bände umfassenden "Bibliotheca" öffentlich zu zeigen: "Attraktive Bücher mit Lokalkolorit aus dem 16. bis 18. Jahrhundert zu Themen wie Gartenbau, Architektur, Natur, Geografie und mehr", wie sie erläutert. Sogar Musikliebhaber kämen auf ihre Kosten, weil etwa eine "Gluck-Partitur" zu sehen sei.

Obendrein könnte die bloße Tatsache, dass der Wittelsbacher König Max I. Joseph die "Bibliotheca Bipontina" Bamberg geschenkt hat und nicht den auch in Kunstdingen gierigen Münchnern ein weiterer Anreiz sein, in die Schauräume der Staatsbibliothek zu pilgern. Zumal sich ohnehin ein Besuch in der Neuen Residenz lohnt, in der vom 28. Juni bis 22. September die Sonderausstellung "Majestäten, Königskinder, Verfassungsväter" mit rund 100 Objekten von der fürstbischöflichen Zeit bis in das frühe 20. Jahrhundert läuft.

Bedeutende Schenkung

Parallel dazu gibt es eben die Präsentation in der Staatsbibliothek im gleichen Gebäude. "Wir haben sonst nichts Vergleichbares wie die Bibliotheca Bipontina", erklärt Direktorin Wagner. Zumindest sei sie vom Umfang her die größte Privatsammlung und die erste bedeutende Schenkung, die die heutige Staatsbibliothek von einem König erhalten habe.

Der geschichtliche Hintergrund: Max I. Joseph proklamierte 1806 die Souveränität Bayerns und nahm den Königstitel an - mit Unterstützung des französischen Kaisers Napoleon. Das Bündnis mit Frankreich hatte Bayern erhebliche Gebietserweiterungen gebracht, unter anderem die fränkischen Hochstifte Bamberg und Würzburg. Die Besitzungen der abgesetzten Fürstbischöfe und der aufgehobenen Klöster fielen an den bayerischen Herrscher.

Eine neue Bleibe

Für die kostbaren mittelalterlichen Handschriften und umfassenden Buchbestände der geistlichen Institutionen ließ der König in den "Provinzen" zentrale Bibliotheken einrichten. Max Joseph erbte aber auch die Büchersammlungen seiner Vorgänger, darunter diejenige seines älteren Bruders Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken. Auf einem langen und komplizierten Weg gelangte dessen Bibliothek von seinem Stammsitz Schloss Karlsberg bei Homburg/Saar nach Bamberg. Unter der Herkunftsbezeichnung "Bibliotheca Bipontina" - Bipontina bedeutet Zweibrücken - fanden die Tausenden Bände 1807/8 hier ihre neue Bleibe.

Die politische und soziale Umbruchzeit um 1800 spiegelt sich in der Bibliothek Karl Augusts in vielfältiger Weise. Schon auf Schloss Karlsberg nahm der absolutistische Herrscher an den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution intensiven Anteil - schließlich gefährdeten sie seine Existenz. Aber auch das höfische Leben einer vom Untergang bedrohten Ära findet in den Büchern Niederschlag: Man las zeitgenössische französische Literatur und Goethes "Werther" in französischer Übersetzung, gelegentlich deutsche und englische Belletristik, man pflegte Musik, freute sich an Berichten aus fernen Ländern, widmete sich dem Gartenbau und der Jagd. Aus dem Nachlass eines Zweibrückener Arztes hatte Karl August zudem zahlreiche Werke der modernen Naturwissenschaften und der Medizin erworben.

Aus typischen Adelskreisen

Für Bettina Wagner steht damit fest, mit der "Bibliotheca Bipontina" eine "Familienbibliothek aus typischen Adelskreisen" in ihrem Haus zu haben, die nach Interessensgebieten gewachsen sei. Zu den Highlights der für die Sonderausstellung ausgewählten Objekte gehören reich mit Goldprägung verzierte Einbände und kunstvolle Buchillustrationen, die ein anschauliches Bild von der Kultur des 18. Jahrhunderts vermitteln. Und natürlich fehlen nicht Exponate mit Bezügen zu Franken und insbesondere zu Bamberg.

Die Ausstellung "Ein königliches Geschenk - Die Bibliotheca Bipontina in Bamberg" ist vom 1. Juli bis 28. September 2019 in der Staatsbibliothek Bamberg, Neue Residenz, Domplatz 8, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr, sonn- und feiertags sowie im August samstags und am 23. Juli geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Am Dienstag, 16. Juli, 19 Uhr, hält der frühere Direktor der Staatsbibliothek, Werner Taegert, den Begleitvortrag: "Eine wittelsbachische Büchersammlung vom Vorabend der französischen Revolution". Eintritt frei.

Termine der Kuratorenführungen und Kurzführungen unter www.staatsbibliothek-bamberg.de, Sonderführungen für Gruppen können unter Telefon 0951 /95503-101 vereinbart werden.

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