Bamberg
Aufführung

Ein fulminantes Konzertereignis

Erstmals erklingt im Bamberger Dom die h-Moll-Messe von Bach. Domkapellmeister Werner Pees dirigiert die ungewöhnlich große Besetzung.
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"La Banda" ist eines der führenden Barockorchester und spielt auch auf Barockinstrumenten.  Foto: p
"La Banda" ist eines der führenden Barockorchester und spielt auch auf Barockinstrumenten. Foto: p
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Es ist das "größte musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker". So enthusiastisch urteilte Hans Georg Nägeli 1818 als erster Herausgeber dieses anspruchsvollen chorsinfonischen Werkes: die h-Moll-Messe (BWV 232) von Johann Sebastian Bach. Wer dieses kompositorische Meisterwerk aufführt, muss höchsten technischen und musikalischen Ansprüchen genügen: "Dies ist der Grund dafür, dass die h-Moll-Messe relativ selten zu hören ist, und wenn dann erklingt sie eher in der Großstadt und bei Festivals, seltener in der Provinz", erklärt Werner Pees im Gespräch.

So ist sich der Domkapellmeister durchaus des Wagnisses bewusst, dieses geistliche Werk Bachs erstmals in die Bamberger Kathedrale zu bringen. Er weiß wohl von Bach-Liebhabern, die am kommenden Sonntag aus ganz Deutschland anreisen werden, um sich dieses fulminante Konzertereignis nicht entgehen zu lassen. Doch werden sich auch "die Bamberger" begeistern lassen, sich eine gut 100 Minuten dauernde Messkomposition anzuhören? Schließlich ist die
h-Moll-Messe die einzige "Missa tota" in Bachs Werk, der das vollständige Ordinarium des lateinischen Messtextes zugrunde liegt. "Die lutherischen Messen beschränkten sich auf das Kyrie und Gloria", so der Domkapellmeister.

Schon allein dies stelle das Opus in einen ökumenischen Kontext, fährt Pees fort. Die Wahl der altehrwürdigen Form der Messe in ihrer überkonfessionellen Heilsaussage sowie die Objektivität der lateinischen Sprache "prädestinieren die h-Moll-Messe für das Abschlusskonzert der Reihe zum Reformationsgedenken". Unter dem Titel "Ut unum sint! - Auf dass sie eins seien!" hatte die Bamberger Dommusik seit 2016 in katholischen und evangelischen Kirchen Konzerte mit Verkündigungscharakter gegeben.

"Es ist ein ökumenisches Ereignis", ist sich Werner Pees über die kommende Aufführung sicher. Dies werde auch durch die Mitwirkung von Weihbischof Herwig Gössl und Regionalbischöfin Dorothea Greiner deutlich. Beide hätten sich bereiterklärt, das Credo der Messe jeweils durch ein geistliches Wort zu rahmen. Und so auch jenem überkonfessionellen und gesamteuropäischen Geist zu entsprechen, der die Musik am Ausgang des Barockzeitalters durchdrungen habe.

Der Formenreichtum an Arien, Duetten sowie konzertanten und fugierten Chören dieser h-Moll-Messe beweist die stilistische Vielseitigkeit Bachs. Sein letztes großes Vokalwerk beschäftigte den Komponisten über zwei Jahrzehnte. Zwischen 1724 und 1749 stellte Bach verschiedene Werke zu dieser "Missa tota" zusammen. "Eine Bündelung Bachscher Kompositionskunst in Satztechnik, Wort-Ton-Verhältnis, ästhetisch und theologisch durchdachter Gesamtform", fasst der Domkapellmeister die Bedeutung dieser Messe zusammen.

Werner Pees strebt die Aufführung in historisch informierter Weise an. Fünf namhafte Vokalsolisten, die "Schola Bamberg" aus überwiegend professionellen Sängern und Sängerinnen sowie das Barockorchester "La Banda" tragen dem Erfordernis einer großen Besetzung Rechnung.

Das Konzert findet am Sonntag, 22. April, um 17 Uhr im Dom statt. Karten gibt es im Vorverkauf beim BVD, Lange Straße, Tel. 0951/ 9808220, Restkarten an der Abendkasse. Während des Konzerts ist das Parken auf dem Domplatz erlaubt.
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