Bamberg
Feierstunde

Ein etwas anderes Richtfest

Im Zuge der Sanierung der Stephanskirche musste auch das Turmkreuz samt Zeitkapsel restauriert werden. Beide Objekte kamen nun wieder auf den Turm.
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Dekan Hans-Martin Lechner, Pfarrer Walter Neunhoeffer und Handwerker fügten Dokumente aus dem Jahr 2019 in die neue Zeitkapsel ein. Foto: Marion Kürger-Hundrup
Dekan Hans-Martin Lechner, Pfarrer Walter Neunhoeffer und Handwerker fügten Dokumente aus dem Jahr 2019 in die neue Zeitkapsel ein. Foto: Marion Kürger-Hundrup
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Unsere Nachfahren werden um einen unvergleichlichen Genuss gebracht. Wenn sie in einigen Jahrzehnten die Zeitkapsel öffnen, bleibt ihnen der eindrucksvolle Klang der Mühleisen-Orgel, die vor allem Kirchenmusikdirektorin Ingrid Kasper zum fulminanten Brausen bringt, verborgen. Denn die CD mit den entsprechenden musikalischen Aufnahmen passte vom quadratischen Format her einfach nicht in das runde Kupferrohr.

Das war aber auch der einzige Wermutstropfen in dieses etwas andere Richtfest an der St.-Stephanskirche mit vielen Gästen aus der Gemeinde, der Stadt und aus dem Handwerk. "Es ist ein besonderer Augenblick, eine historische Stunde, in der wir die Zeitkapsel wieder am höchsten Punkt unserer Kirche anbringen", begrüßte Dekan Hans-Martin Lechner die Schar. Auch das Turmkreuz "steht ab heute wieder über uns, ein wichtiges Fanal in unserer Zeit, in der die Menschlichkeit siegen möge", fügte der Dekan hinzu.

Kurz vor Pfingsten 2019 war das 3,60 Meter hohe Stahlkreuz samt vergoldeter Kupferkugel mit darin befindlicher Zeitkapsel aus der Verankerung geholt und zur Restaurierung gebracht worden. Der Inhalt der Zeitkapsel - verschiedene Dokumente aus dem Jahr 1977 - löste Staunen aus. Diese Belege einer anderen Zeit sollen nun archiviert und bei Gelegenheit in einer kleinen Ausstellung gezeigt werden. So plant es der geschäftsführende Pfarrer von St.-Stephan, Walter Neunhoeffer.

Bewusst schlicht gehalten

Das Turmkreuz wurde nun repariert und mit einem anthrazit farbigen Schutzanstrich versehen, die Kugel neu vergoldet. Es sei eine "bewusste Entscheidung gewesen, das Kreuz nicht auch zu vergolden, sondern schlicht zu halten", erklärte Heidi Vormann, Architektin im Verbund des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Oberfranken-West. Gemeinsam mit Architekt Matthias Jacob zeichnet Vormann für die Sanierung der bald 1000 Jahre alten Stephanskirche verantwortlich: "ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung", wie Experten dem wichtigsten evangelischen Gotteshaus in Bamberg seit 1808 bescheinigen.

Mit auf den Turm kam natürlich auch eine neue Zeitkapsel aus Kupfer mit der aus Silber eingefügten Jahreszahl 2019. Gemeindemitglieder und Gäste bekamen von Pfarrer Neunhoeffer den Auftrag, einzelne Zeitdokumente bereit zu legen, die in die Kapsel eingebracht werden sollten: zum Beispiel eine eigens angefertigte Urkunde von 2019, eine Liste mit den Waren des täglichen Bedarfs in einem Vier-Personen-Haushalt, Erinnerungsstücke an das 500. Reformationsjahr 2017 wie ein Programmheft oder ein Bierdeckel mit dem Konterfei Martin Luthers, Fotos von St. Stephan, Gemeindebriefe, Krippenführer, eine Übersicht der geplanten Veranstaltungen zum 1000-jährigen Weihejubiläum im Jahr 2020, Geldscheine und Münzen.

Natürlich fehlte nicht die aktuelle Ausgabe des Fränkischen Tags vom 9. August 2019. Und die original unterschriebene Kopie des Briefes von Oberbürgermeister Andreas Starke, Erzbischof Ludwig Schick und Dekan Hans-Martin Lechner an Papst Franziskus, mit dem dieser zum Jubiläumsjahr 2020 nach Bamberg eingeladen wurde. Bekanntlich hat ja ein Papst persönlich, Benedikt VIII., die von Kaiserin Kunigunde in Auftrag gegebene Stephanskirche im Jahr 1020 geweiht. Und da nach den Worten von Dekan Lechner "Ökumene zum Wesen der Kirche gehört", sei die Einladung an Papst Franziskus "eine Hoffnung auf eine Begegnung mit ihm in Bamberg".

Viele Dankesworte

Viele Dankesworte wurden in diesem Festakt mit anschließender Brotzeit ausgesprochen. Pfarrer Neunhoeffer schloss darin besonders die Handwerker und Firmen ein, die mit "Kompetenz, Geschicklichkeit und der Bereitschaft, sich auf die Besonderheit der Baustelle einzulassen", die bisher unfallfreie Sanierung vornehmen. Bürgermeister Christian Lange (CSU) sagte im Namen der Stadt "danke für alles, was evangelische Christen in Bamberg leisten". Und auch an Gott richtete sich der Dank aller Anwesenden in Lied und Gebet dafür, "dass er uns bewahrt".

Und da ohne großzügige Unterstützer die 2,1 Millionen Euro teure Sanierung von Fassade, Fenstern und Kirchendach nicht möglich wäre, gab es Würdigungen der Geldgeber. Den Löwenanteil von 950 000 Euro trägt die evangelisch-lutherische Landeskirche Bayern. Das Dekanat Bamberg (100 000 Euro), die Oberfrankenstiftung (170 000 Euro) , das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (15 000 Euro), die Bayerische Landesstiftung (78 000 Euro) und Bundesmittel für Kultur und Medien (100 000 Euro) kommen für die beantragten Zuschüsse auf.

Erst am Montag überreichte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an Pfarrer Hans-Helmuth Schneider, Stefanie Häfner als Vorsitzende des Grund- und Bauausschusses der Gesamtkirchenverwaltung und an Diakon Dirk Giepen, Geschäftsführer des Kirchengemeindeamtes, einen symbolischen Scheck über den stolzen betrag von 50 000 Euro.

Aus Rücklagen und Spenden übernimmt die Kirchengemeinde St. Stephan die Restkosten. "Das schaffen wir!", zeigt sich Diakon Giepen zuversichtlich. Bis November soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Nach Abschluss der Feierlichkeiten im nächsten Jahr startet 2021 der zweite Bauabschnitt, und zwar im Inneren des barocken Gotteshauses.

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