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Hirschaid
Inklusion

Ein Aktivposten der Feuerwehr

Frank Seelmann kuppelt Schläuche, übernimmt Melderaufgaben und wenn sein Piepser geht, hält ihn nichts auf. Seine Behinderung fällt dabei nicht weiter auf.
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Frank Seelmann im Übungseinsatz der Hirschaider Feuerwehr Foto: Jasmin Dykast
Frank Seelmann im Übungseinsatz der Hirschaider Feuerwehr Foto: Jasmin Dykast

Können die Gemeinden auch im Freizeitbereich für alle Menschen mit Behinderung eine Heimat sein? Auch um diese Frage geht es bei der Landkreiswette. Integra Mensch, ein Bereich der Lebenshilfe Bamberg, hat vor einigen Monaten den ganzen Landkreis herausgefordert, Landrat Johann Kalb (CSU) und 34 Gemeinden samt Bürgermeister haben die Herausforderung angenommen. Wenn der Landkreis gewinnen will, müssen sich binnen eines Jahres 1964 Menschen finden, die sich für Inklusion stark machen.

Bald ist nun Halbzeit bei der Landkreiswette. Wir haben bereits über erfolgreiche Beispiele aus den Bereichen des Sports, der Seniorenarbeit, der gemeindlichen Büchereien, des Ferienprogramms und des Ehrenamtes berichtet. Aber ist auch eine Einbindung von Menschen mit Handicap in die Feuerwehren möglich? Die Hirschaider sagen dazu ganz klar "Ja". Dort ist Frank Seelmann als gleichwertiges Mitglied voll integriert. Seine Behinderung fällt nicht weiter auf.

Die freiwilligen Feuerwehren sind nicht zum Spaß unterwegs. Bei Alarm geht es im kommunalen Brandschutz um schnelle Löschangriffe, bei denen die einzelnen Handgriffe zuverlässig sitzen müssen. Im realen Einsatz muss die aktive Wehr dort Hilfe leisten, wo es sprichwörtlich "heiß hergeht".

Jeder Handgriff sitzt

"Natürlich wissen wir, wie Frank drauf ist, und wo wir ihn einsetzen können", erklärt dazu der stellvertretende Kommandant der Hirschaider Feurwehr, Christian Neundörfer. "Er wird selbstverständlich nicht im Angriffstrupp eingesetzt und ist auch kein Atemschutzträger. Es gibt aber viele Einsatzmöglichkeiten, bei denen er eine echte Hilfe ist." Im Brandfall trägt er auf Anweisung schnell Schläuche und Material zur Einsatzstelle. Jeder Handgriff sitzt. Frank Seelmann weiß genau, was zu tun ist.

Er kann Schläuche verkuppeln oder Melderaufgaben übernehmen. Nach dem Einsatz räumt er pflichtbewusst die Gerätschaften mit auf oder hilft bei der Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft. Seelmann nimmt zuverlässig wie jeder andere Feuerwehrmann an den Übungen und auch an den Leistungsprüfungen teil.

Dort hat er bereits erfolgreich das Leistungsabzeichen "Rot-Gold" und bei der technischen Hilfeleistung ebenfalls die Höchststufe "Rot-Gold" erworben. Frank Seelmann besitzt mittlerweile einen Funkmeldeempfänger und wird bei Einsätzen angefordert. Er ist stolz auf diese Auszeichnung: "Wenn mein Piepser geht, lass ich alles liegen und stehen und komme sofort zum Feuerwehrhaus. Wir sind eine tolle Truppe, bei der jeder jedem hilft."

Kampagne des Verbandes

Die Hirschaider Wehr fragt nicht nach der Einschränkung durch Hindernisse, sondern nach Wegen, diese zu überwinden. Damit setzt sie sehr erfolgreich eine Kampagne der Deutschen Jugendfeuerwehr für Öffnung und Vielfalt um. Gemeinsam mit dem Deutschen Feuerwehrverband fordern die Verbände in einem Positionspapier, die Chancen und Herausforderungen zur Einbindung von Menschen mit Behinderung in der Freiwilligen Feuerwehr zu erkennen, sie sprechen sich klar für eine Aufnahme aus. Es geht darum, nach Möglichkeiten zu suchen und diese zu schaffen, damit auch Menschen mit Handicaps nach ihren Fähigkeiten und Interessen eingesetzt werden können.

Inklusion auch in anderen Wehren

Auch Erster Kommandant Matthias Behm ist sich der besonderen Anforderungen bewusst: "Gelungene Inklusion in der Feuerwehr setzt eine individuelle Gefährdungsabschätzung und -beurteilung für das behinderte Mitglied voraus. Das ist aber durchaus machbar. Gerade wir Feuerwehren stehen in der Mitte der Gesellschaft und sind dadurch in der Lage, gesellschaftliche Entwicklungen zu gestalten."

Die inklusiven Werte werden auch von weiteren Feuerwehren im Landkreis gelebt. So sind bereits in Burgebrach, Kremmeldorf, Mistendorf, Stegaurach und Trabelsdorf Integra-Mensch-Mitarbeiter als Feuerwehrkameraden dabei.

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