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Liebe

Ehe: Hier ist "Umtausch ausgeschlossen!"

Standesbeamten besiegeln den Bund fürs Leben und erleben dabei auch so manches, wie Walter Hanslok in Ebrach.
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Trauungen hält Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder, der auch Standesbeamter ist, besonders gern, weil er den Bürgern da besonders nahe ist. Foto: Ronald Rinklef
Trauungen hält Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder, der auch Standesbeamter ist, besonders gern, weil er den Bürgern da besonders nahe ist. Foto: Ronald Rinklef

Fast schon vier Jahrzehnte lang stellt Walter Hanslok die Frage aller Fragen in Sachen Liebe - ob zwei Menschen mit dem jeweils anderen den Bund fürs Leben eingehen wollen. Mit allen Rechten und allen Pflichten, wie es die Funktion des Standesbeamten fordert.

In den Jahren und Jahrzehnten hat sich etliches ver- und geändert. Beispielsweise, dass man heute keine Trauzeugen mehr braucht und dass eine Eheschließung auch zu dritt geht - also Brautpaar plus Standesbeamter. Oder dass Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern möglich und üblich sind. Auch wenn der Ebracher Standesbeamte selbst noch keine derartige Trauung vollzogen hat. Er hat schon viel erlebt, zumal er selbst seinerzeit mit 21 Jahren einer der jüngsten Standesbeamten in der Region war. Wobei er in der Gemeinde aber auch aufgezogen wurde, da er damals selbst noch nicht den Bund fürs Leben geschlossen hatte.

Er sollte doch endlich mal auf der anderen Seite des Tisches stehen, beziehungsweise sitzen, forderten Kollegen damals, damit er auch wisse, worüber er rede. Seit vielen Jahren weiß er das.

Was bei Trauungen gesprochen wird und wie, ist bis auf die formellen Vorgaben mehr oder weniger den Standesbeamten überlassen. Walter Hanslok weiß aber, dass sich früher alles sehr formell vollzog. Er selbst habe jedoch schon immer Wert darauf gelegt, persönliche Worte zu finden, "alles persönlicher, individueller zu gestalten". Eheschließungen in Ebrach waren so individuell, dass eine Braut im Winter mit dem Motorrad andüste,oder Pferdeliebhaber angeritten kamen und ihre Rösser auf dem Parkplatz abstellten.

So viel Individualität, dass die Braut bestimmt, wer wo sitzen sollte, wollte und durfte er freilich nicht zulassen. "Aber, da hat man dann gleich gesehen, wer in der Ehe die Hosen anhat", gibt er schmunzelnd zu verstehen. Das habe er bei anderen Trauungen aber auch ohne Sitzordnungsanweisung oftmals mitbekommen.

Dass sich jemand bei der Trauung umentschieden hat, ist Walter Hanslok in seiner Eigenschaft als Standesbeamter noch nicht passiert. Dafür aber, dass manche Paare einfach nicht zum Termin erschienen. Oder welche in äußerster Eile angetreten sind, weil sie im Anschluss gleich wieder beim kurz zuvor geborenen Kind im Krankenhaus gebraucht wurden.

Nach so vielen Eheschließungen, wie viele genau es sind, hat der 61-Jährige nicht nachgezählt, bekommt man da eigentlich ein Gespür dafür, ob eine Ehe hält? Hanslok sagt klar und deutlich: "Nein!" Da waren Paare, bei denen er überzeugt war, dass diese sich ganz bestimmt wieder scheiden lassen, und es nicht taten. Und wieder andere, die er für Traum-Paare hielt, um mitzubekommen, dass die Eheleute später getrennte Wege gingen.

Was hält der versierte Eheschließer dann vom Bund fürs Leben? Er findet die Sache gut. Da sei alles ernsthafter. "Dann ist es nicht so leicht, bei Differenzen einfach so hinzuwerfen." Allerdings weiß er inzwischen, was für Ehen ganz wichtig ist - und - gibt dies den Paaren mit auf den Weg.

Gut findet es der zweifache Familienvater, der inzwischen auch selbst Schwiegervater geworden ist, dass er als Standesbeamter in der Verwaltungsgemeinschaft Ebrach inzwischen etliche Kollegen hat. Neben den Ersten und Zweiten Bürgermeistern von Ebrach und von Burgwindheim ist es eine Kollegin aus der Verwaltung. "Da bekommt alles weiblichere Züge", schmunzelt der Verwaltungschef. Er spricht damit beispielsweise die Dekoration des Trauraums an. Früher habe man "die grüne Decke" rausgeholt und darauf geachtet, "dass sie ordentlich auf dem Tisch liegt". Das tut es heute nicht mehr. Der Trend gehe überdies dahin, dass die Brautleute den Standesbeamten extra treffen, um das zu besprechen, was ihnen wichtig ist. Walter Hanslok findet das gut. Wie die Eheschließung an sich.

Als Bürgermeister fungiert auch Hallstadts Stadtoberhaupt Thomas Söder (CSU). Trauungen gehörten zu den schönsten Aufgaben eines Bürgermeisters, schwärmt er. "Da hat man den direktesten Kontakt mit den Bürgern." Hallstadt ist beliebt als Trauungsort, freut sich Söder. Erst am vergangenen Samstag hat er drei Trauungen gehalten. Sehr gerne wird im Gewölbekeller in der Fischergasse geheiratet. Vielleich auch, weil man sich virtuell einen Eindruck verschaffen kann (rundgang.hallstadt.de). Die Reden für die Trauungen verfasst Söder selbst und versucht stets, viel Persönliches einzuarbeiten. Er erinnert sich freilich an eine Rede, die übersetzt und im Vorfeld dem Dolmetscher zugesandt werden musste. In welcher Sprache auch immer, er macht den Paaren klar, dass es hier kein Rückgaberecht gibt, zeigt Söder Humor und unterstreicht zugleich den Ernst der Angelegenheit.

Standesbeamten Im Landkreis Bamberg gibt es nach Auskunft des Landratsamtes insgesamt 68 Standesbeamten, die in 27 Standesämtern eingesetzt sind. Denn nicht jede Gemeinde verfügt über ein eigenes Standesamt, Beispiel Gundelsheim, für das in Hallstadt das Standesamt ist.

Eheschließungen Es gibt keine Gesamtzahl für den Landkreis für das vergangene Jahr. Stichprobenartig haben wir in der größten, der kleinsten und de reichsten sowie einer Gemeinde an der äußersten Grenze nachgefragt. In Hirschaid mit derzeit 12 517 Einwohnern größten Kreiskommune wurden letztes Jahr 72 Paare getraut. In der wohlhabendsten Gemeinde, der Stadt Hallstadt mit knapp 9000 Einwohnern waren es 55 Trauungen. In der mit 650 Einwohnern kleinsten Landkreisgemeinde Wattendorf ließ sich 2018 ein Paar standesamtlich trauen. In Ebrach mit rund 1800 Einwohnern gaben sich 15 Paare das Ja-Wort.

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