Oberhaid
Spiele

Edith Manz hat beim Spielen fürs Leben gelernt

Ihr ganzes Leben lang schon liebt Edtih Manz Spiele. Die sorgen nicht nur für Kurzweil, sondern bringen einem einiges bei, sagt die 78-Jährige.
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Eines der vielteiligen Puzzles, die Edith Manz macht Foto: Barbara Herbst
Eines der vielteiligen Puzzles, die Edith Manz macht Foto: Barbara Herbst
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Hundertwasser. In tausend Teilen. Edith Manz blickt zufrieden auf die bunten Häuser. Jetzt müssen sie nur noch in einen Rahmen. Das Boot im See auch. Dafür hat die 78-Jährige ebenfalls 1000 Teile richtig kombiniert. Als sie beim Konfirmations-Organisations-Stress ihres Ältesten 1972 etwas runterkommen musste, hat sie in Wildensorg mit dem Puzzeln begonnen. Im Betreuten Wohnen in Oberhaid hat die Witwe jetzt zwar keinen Organisationsstress mehr, aber sie puzzelt weiterhin gerne. "Spiele haben mich mein ganzes Leben begleitet," sagt sie.

Zwischen Thüringen und Sachsen in der Kriegszeit aufgewachsen, gab es nicht viel Spielzeug. Gespielt wurde trotzdem. Man war erfinderisch. "Unser Vater hat uns ein 'Mensch ärgere Dich nicht' aus Holz gemacht," erklärt sie dazu. In diesem Spiel hat sie viel gelernt. "Früher wurde es anders gespielt, da wurden die Kleinen auch geworfen." Sie findet das richtig. Diese Erfahrung sei notwendig. "Man muss lernen zu verlieren, das ist wichtig fürs Leben." Überhaupt habe Spielen und Leben viel mit einander zu tun, ist die Erfahrung der fünffachen Mutter und vielfachen Großmutter.

Ihre hellwachen Augen leuchten nur so bei der Aufzählung dessen, was Spielen vermittelt: Gemeinschaft, Respekt, Zusammengehörigkeit, Akzeptanz, Mut, Ehrlichkeit, Geduld, Ausdauer, strategisches Denken, Kombinationsvermögen, ach ja und natürlich Rechnen. Und auch der Umgang mit Geld lässt sich im wahrsten Sinne spielerisch erlernen, wenn es um Kleinst-Beträge geht. Nur eines: "Schummeln habe ich nie gemocht, das macht man nicht."

Weil auch Ehemann Richard Spiele schätzte, war es keine Frage, dass in der eigenen Familie Spiele Trumpf waren. Bei Geburtstagen gehörten sie zum Standard-Programm. Auch später, als sich Enkelkinder eingestellt hatten, wurde die Familien-Tradition an sie weitergereicht. Lange hatte Edith Manz ein ganzes Sortiment verschiedenster Spiele. Nun hat sie einen Großteil bereits ihren fünf Kindern und deren Kindern "vermacht". Einige behielt sie zusammen mit der Kartenmischmaschine. Denn beim Besuchvon Tochter Christine und Enkelin Pia gehört Romme einfach dazu. Oder das Würfelspiel Kniffel. Ansonsten löst Edith Manz gerne Kreuzworträtsel. Stolz weist sie darauf hin, dass ihre Tochter - eine diplomierte Psychologin - Patienten oft übers Spielen therapiert. Für sie, so schließt sie ihre Betrachtungen, sei Spielen eine "schöne Beschäftigungstherapie".

Das kann Gundi Heusinger nur bestätigen. Sie ist seit über 30 Jahren im Seniorenbereich aktiv und derzeit stellvertretende Heimleiterin im Oberhaider AWO-Seniorenzentrum. Spiele seien ein ganz wichtiger Bestandteil des Heimalltags. Gerade in sich gekehrte Senioren gehen dann aus sich heraus. Das Spieleangebot werde gerne angenommen. Wohl auch, weil es willkommene Abwechslung bedeute. Das Spektrum reiche von ganz einfachen Spielen wie "Mensch ärgere Dich nicht" bis hin zu Stadt, Land Fluss - auch in Varianten mit Lieblingskuchen, Lieblingsgerichten und ähnlichem. "Mancher blüht bei den Spielen gerade zu auf," sind Heusingers Beobachtungen.


Hilfe beim Eingewöhnen

"Mit Spielen holst du jemanden aus der Lethargie und sie helfen auch dabei, Eingewöhnungsschwierigkeiten zu überwinden.

"Spiele sind für Senioren "sehr wichtig", bestätigt die Burgwindheimer Allgemein- und TCM-Ärztin Gisela Langhoff. Das weiß aus ganz persönlicher Erfahrung. Bei ihrem Vater. Und seit geraumer Zeit beim Schwiegervater. Der ist 92 und hat sich sehr gelangweilt: Mit dem Sehen und mit dem Hören hat er so seine Probleme, weshalb Lesen ebenso wenig in Frage kamen wie Hörbücher oder CD's. "Es ist wichtig, dass man sich konzentrieren muss," erläutert die Ärztin. Der Geist muss beschäftigt werden, sonst wird man schnell senil.

Die Ärztin sann besorgte dem Schwiegervater Dominosteine, große. Sie konnte beobachten, wie dem 92-Jährigen das Spiel mehr und mehr gefiel, wie er daran Freude hatte und wie zudem ein gewisser Ehrgeiz geweckt wurde. Die Ärztin bemängelt, dass an die Bedürfnisse von Senioren angepasste Spiele fehlen - "eine Marktlücke".
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