Bamberg
Kirche

"Echte Liebe lockt und steckt an"

Anlässlich des Kirchenvorstehertages im Dekanatsbezirk Bamberg überreichte Regionalbischöfin Dorothea Greiner in St. Stephan 21 Gemeinden neue Altarbibeln.
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Bischöfin Dorothea Greiner bei der Überreichung der neuen Altarbibel an Kirchenvorsteher der Bamberger Gemeinden. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bischöfin Dorothea Greiner bei der Überreichung der neuen Altarbibel an Kirchenvorsteher der Bamberger Gemeinden. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Menschliches, allzu Menschliches ist auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner nicht fremd. So rechnet sie durchaus damit, dass ihre jeweilige Gabe an alle 21 Gemeinden des Dekanatsbezirks Bamberg auch Beine bekommen könnte. "Wenn die Bibel gestohlen wird, dann möge der Dieb durch das Lesen gesegnet werden, und Ihr bekommt von mir eine neue Bibel!", lachte die Bischöfin fröhlich auf.


Ökumene ist nicht aufzuhalten

Der versammelten Gemeinde in der St. Stephans-Kirche mag noch der Satz zuvor hängen geblieben sein: "Echte Liebe lockt und steckt an", hatte Greiner gesagt, wohl ohne damit liebestolle Langfinger im Blick zu haben. Sie meinte die "Liebe zur Heiligen Schrift, die unser reformatorisches, lutherisches Profil ist" und die "längst schon zu unseren katholischen Schwestern und Brüdern übergesprungen ist". Ökumene sei trotz aller Irritationen nicht aufzuhalten, versicherte die Oberkirchenrätin des Kirchenkreises Bayreuth.
Sie war am Samstag nach Bamberg gekommen, um den 2. Kirchenvorstehertag des Dekanats mit einem Gottesdienst zu eröffnen. Etwa 60 Vorstände - Pfarrer und Ehrenamtliche - starteten damit in intensive Stunden des Austausches über
den Strukturprozess der bayerischen Landeskirche "Profil und Konzentration" - kurz PUK. Darin gehe es nur untergeordnet um "kommenden Pfarrermangel, Arbeitsformen und Ressourceneinsatz": "Nachhaltiges und gerechtes Haushalten ist notwendige Aufgabe, doch der einfache Zugang zur Liebe des
menschgewordenen Gottes in Jesus Christus ist das eigentliche Ziel", betonte Bischöfin Greiner in ihrer Predigt.


Bibel in den Mittelpunkt stellen

PUK wolle also zu allererst eine geistliche Profilierung. Eine Konzentration darauf, "Zeugnis zu geben von der Liebe des menschgewordenen Gottes und sich am Auftrag der Heiligen Schrift zu konzentrieren". Greiner sprach von "Handlungsanweisungen in der Bibel" und beklagte, dass das Lesen der Bibel
"allermeist nur in pietistischen Kreisen unserer Kirche und von
Hochengagierten wie Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen gepflegt wird". Die Bischöfin erinnerte daran, dass Martin Luther 1522 seine erste
Übersetzung des Neuen Testaments in deutscher Sprache veröffentlicht habe: "Wenn das in den kommenden Jahren kein echter Anlass ist, die Bibel in den
Mittelpunkt zu stellen!" regte Dorothea Greiner an.
Sie selbst geht bereits in diesem Jahr mit gutem Beispiel voran. Dekan Hans-Martin Lechner berichtete den Vorständen, dass die Regionalbischöfin den über 400 Gemeinden des Kirchenkreises persönlich das Geschenk der Landeskirche übergibt: eine Altarbibel mit neuem Revisionstext der Lutherbibel, die pünktlich zum 500. Reformationsjubiläum 2017 erschienen ist.
So nutzte Bischöfin Greiner den Gottesdienst am Kirchenvorstehertag, um den Bamberger Dekanatsgemeinden von Aschbach bis Weingartsgreuth jeweils eine von ihr unterschriebene und einzeln gewidmete Altarbibel zu überreichen. Diesen feierlichen Akt unterstrich sie mit den Worten: "Gott segne die
Kirchengemeinde (jeweiliger Name) durch sein Wort."


Ein Plädoyer für Offenheit

"Auf den Altar gehört eine lesbare Bibel, denn Kirchen sind keine Museen, sondern Gottesdiensträume", sagte Greiner. So wie irgend möglich die Kirchen
tagsüber offen sein sollten, "sollen die Bibeln auch offen sein, am besten immer beim Evangelium des Sonntags". Offene Kirchen, offene Bibel seien Konkretisierungen des Leitsatzes, den Menschen einen einfachen Zugang zur Liebe des menschgewordenen Gottes zu eröffnen, so die Bischöfin.
Im besten Sinne lutherisch war auch die kirchenmusikalische Gestaltung dieses Gottesdienstes. Dekanatskantorin Ingrid Kasper stimmte an der Orgel
Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch an, deren Texte mit der Ausrichtung des Tages auf "PUK" und auf das Wort Gottes harmonierten.


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