Als "was Schwieriges" kündigte Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) eine Mitteilung an: Der einzige Lebensmittelmarkt in Ebrach, der Einkaufsmarkt Nebel, wird Ende des Monats dichtmachen: "Am 31. 3. ist Schluss", unterstrich Schneider die Dramatik. Als Grund dafür nannte er gesundheitliche Gründe des Betreiber-Ehepaares, von dem sich jeder einer Operation unterziehen müsse. Aber auch der Umsatz sei in den letzten beiden Jahren rückläufig gewesen, merkte Schneider dazu weiter an. Die Schlecker-Filiale hingegen bleibe - vorerst - erhalten, teilte er weiter mit.

Die Schlecker-Filiale sei eine von deutschlandweit 500, "die unter Beobachtung stehen", ergänzte Schneider. Er schlug vor, hier einen Aufruf an die Bevölkerung zu starten, "sonst ist der Schlecker auch weg."
Dem Besitzer der Einkaufsmarkt-Immobilie, Norbert Sendner, sei daran gelegen, dass es mit dem Laden weitergehe. Sendner habe seinerseits schon mit Interessenten gesprochen. Auf Nachfrage erklärte Sendner, es habe sich hier aber noch nichts getan. Schneider ging dann auf die erschwerten Bedingungen für den Lebensmittelmarkt ein: Die seien in der Existenz von mehreren Bäckern und Metzgern, aber auch im Getränkemarkt sowie im Drogeriemarkt (Schlecker) begründet.

Letzterer führe die bei den Gewinnspannen lukrativen Hygieneartikel. Die Frequenzbringer Lotto-Toto und Postagentur seien gleichfalls an anderer Stelle untergebracht. Schneider informierte weiter, dass er auch mit dem Großhändler gesprochen habe, der den Ebracher Markt und generell Läden dieser Größenordnung beliefere. Von dort habe er den Hinweis bekommen, Orte in ähnlicher Situation wie Ebrach hätten das Problem mit der Etablierung von Dorfläden gelöst, die von Bürgern gebildete Genossenschaften betrieben. Es gebe ein Institut für Nahversorgungsservice, das entsprechend informiere und begleite, was aber koste, so Schneider. Eine Mitarbeiterin des besagten Großhändlers (LHG) hingegen mache das Gleiche, jedoch kostenlos. Es müsse sich ein Arbeitskreis formieren und eine Genossenschaft gründen, fasste Schneider zusammen.


Bürgerversammlung soll über Dorfladen entscheiden



Als Erstes soll jedoch eine Bürgerversammlung stattfinden, meinte der Bürgermeister. Mit Blick auf die Genossenschaft erklärte er, für einen Grundstock (um Waren einzukaufen) seien hier rund 100 Genossen nötig und jeder Genossenschaftsanteil müsse 200 Euro teuer sein, damit man einen entsprechenden finanziellen Grundstock habe. Weiter schlug Schneider vor, Teilzeitkräfte einzustellen, um die Personalkosten zu minimieren. Außerdem müssten wohl die Öffnungszeiten reduziert werden. Ziel der Genossenschaft müsse es sein, eine schwarze Null zu schreiben. Diesen Weg müsse man als Gemeinde gehen, schloss Schneider. Denn er sehe kaum Chancen, jemanden hierher zu bringen. Werner Christel (SPD) merkte an, der Markt müsse sich die Sahnehäubchen wegnehmen lassen, "vielleicht ist es ja gar nicht schlecht, wenn Schlecker geht". Das berge die Gefahr, dass zwei Läden zumachen, erwiderte Schneider dazu.

Auf die Gefahr, dass Käuferströme ganz versiegen,wenn sie erst einmal umgeleitet wurden, machte Reinwald Gegner (ENL) aufmerksam, er forderte, es müsse nahtlos weitergehen und: Man müsse sich Gedanken machen, wie man akut die Leute versorgt. Neudorfs Ortssprecher Konrad Müller regte an, die rollenden Läden mit einem größeren Angebot zu bestücken, was Christel jedoch als den falschen Weg bezeichnete. Was den von Gegner gleichfalls vorgeschlagenen Einkaufsbus betreffe, zeigte sich Oliver Becker (ENL) mehr als skeptisch, "das funktioniert nicht", gab er sich überzeugt. Deswegen müsse eine andere Lösung her. Denn ohne nahtlosen Übergang, so meinte auch er, seien die Kunden weg. "Wir müssen mit aller Macht nach einer vorübergehenden Lösung suchen", forderte Christel abschließend. Sollte sich bis 31. März kein neuer Betreiber finden, wird ein Dorfladen Thema der Bür gerversammlung am 19. April sein.