Bamberg
Konversion

Durchbruch beim Kulturquartier In Bamberg?

Eine Weichenstellung im Konversionssenat freut den Verein Kulturquartier Lagarde. Erstmals ist von der "Federführung der Stadt" die Rede. Doch noch wird auch gebremst. Mit Kommentar.
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Noch liegen Berge von Sperrmüll vor der ehemaligen US-Posthalle. Maximilian Mende, Matthias Schnapp und Gaby Seidl vom Verein Kulturquartier Lagarde wünschen sich eine Einrichtung, die für vielfältige kulturelle und bürgerschaftliche Nutzungen offen steht.  Foto: Ronald Rinklef
Noch liegen Berge von Sperrmüll vor der ehemaligen US-Posthalle. Maximilian Mende, Matthias Schnapp und Gaby Seidl vom Verein Kulturquartier Lagarde wünschen sich eine Einrichtung, die für vielfältige kulturelle und bürgerschaftliche Nutzungen offen steht. Foto: Ronald Rinklef

Rainer Pfaff, Mario Nimke und Maximilian Mende können ihr Glück an diesem Tag kaum fassen. Vor wenigen Minuten hat der Konversionssenat eine Entscheidung getroffen, die die Protagonisten des Vereins Kulturquartier Lagarde für ihre Aktivitäten zu belohnen scheint. Pfaff und seine Mitstreiter kämpfen seit 2016 für ein kulturelles und soziales Zentrum auf dem Gelände der ehemaligen Lagarde-Kaserne. Bamberg-Ost soll eine Mitte bekommen.

Nun scheint es erstmals so, als ob auch die Stadt Nägel mit Köpfen machen und in eine verantwortliche Rolle schlüpfen wollte. In der ehemaligen US-Posthalle, einem der Reithalle vorgelagerten breiten Gebäude, soll nach dem einstimmig gefassten Beschluss eine drei- bis fünfjährige Laborsituation entstehen - ein Kulturhaus im Anfangsstadium. Wichtig ist dabei vor allem eine Formulierung: Die Nutzung der Posthalle soll "unter Federführung des Kulturamtes" erfolgen, das heißt die Stadt wird um die Koordination samt der damit verbundene Übernahme personeller Kosten und auch um die Kosten für die Herstellung der Räume nicht herumkommen.

Ganz ohne ist das nicht, führt man sich die stattliche Größe der Halle vor Augen: Sie verfügt über zwei Säle für je 600 und 200 Besucher, eine Clubbar, zwei Atelierräume und eine Reihe weiterer Sozial-, Werk und Lagerflächen. Am deutlichsten hat die Weichenstellung Ursula Sowa herausgearbeitet. Die Stadträtin der grünen Fraktion sprach im Konversionssenat von einem Durchbruch und dem endlich erfolgten Bekenntnis der Stadt. Doch dabei beließ sie es nicht: Nun gehe es darum, einen Zeitplan auszuhandeln und die Kosten zu benennen.

Das Kulturquartier umfasst neben der alten Reit- und der Posthalle auch einen dazwischen liegenden Platz von der Größe des Maxplatzes. Wie will die Stadt diesem riesigen Ensemble Leben einhauchen? Dazu wird man im Juli mehr erfahren. Dann steht das Kulturquartier im Kultursenat auf der Tagesordnung.

Auch die Protagonisten im Verein Kulturquartier sind gespannt auf die Ergebnisse einer Studie. Zu glauben, dass nun alles in trockenen Tüchern sei, davon sind sie weit entfernt. Vor allem die Kosten bergen Streit- und Verzögerungspotenzial. Rainer Pfaff und seine Kollegen hoffen, dass die Stadt ihren Ankündigungen auch Taten folgen lässt. Eines wollen sie dennoch nicht: Dass das Kulturquartier auf Kosten anderer Kulturinstitutionen gefördert wird.

Wofür spricht sich Christian Lange (CSU) aus? Der Kulturreferent hat die Verortung des Managements im Kulturamt wesentlich mit entwickelt. Das Haus müsse ein Profil mit Lebendigkeit und Strahlkraft entwickeln, ist die Hoffnung, die dahinter steckt. Allerdings plädiert Lange beim Tempo für einen zweistufigen Prozess: Wegen der Tiefgarage, die unter dem Platz entsteht, schlägt er vor, die knappen Mittel zunächst auf den Ausbau des Kesselhauses zu konzentrieren und erst nach Fertigstellung der Tiefgarage 2023 die Posthalle in Angriff zu nehmen. "Vorher anzufangen, macht wenig Sinn.

Kommentar des Autors:

Heilsame Erdung

Kaum nähert sich ein Wahlkampftermin, beginnen sich die Lokalpolitiker für die zu interessieren, die ihnen eigentlich die Macht verleihen. Insofern war der Wechsel von den hochfliegenden Plänen für die ehemalige Lagarde-Kaserne (Kammermusiksaal, neues Tagungszentrum...) hin zum Modell niederschwellig nutzbarer und damit auch bezahlbarer Veranstaltungsräume ein heilsamer Erdungsprozess.

Was Bamberg-Ost braucht, ist nach den Zumutungen eines Ankerzentrums, einer sich hinter hohen Zäunen abgrenzenden und mit Platz aasenden Bundespolizei, zuletzt eines bevorstehenden Bahnausbaus eine städtebauliche Aufwertung, die möglichst vielen Gruppen nützt - eine echte Mitte. Dass die fehlt, weiß jeder, der im Osten wohnt, wo man sich immer noch wehmütig an das Kino im Capitol und die Zeiten des Freizeitwerks erinnert. Der Lagarde-Campus bietet die Chance dazu, dass ein Kulturquartier entsteht, das Bamberg ziert, weil es den freien Theaterbühnen ebenso wie den Nachwuchsbands und den Vereinen vor Ort hilft. Die Politik sollte die Gelegenheit dazu jetzt nutzen und nicht noch vier Jahre verstreichen lassen, um Geld zu sparen. Wer weiß, dass alleine für zwei Konversionsgrundstücke 28 Millionen Euro in die Stadtkasse fließen, wird nicht in Mitleid mit dem Kämmerer versinken. Die Politik kann also ruhig noch nachlegen. Auch der Wahlkampf fängt ja erst an.

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