Bamberg
Urteil

"Du wirst jetzt Sex mit mir haben": Sexueller Angriff auf Mann in Bamberg

Das Amtsgericht schickt einen 19-jährigen Afghanen für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, der einen Obdachlosen sexuell belästigt hatte.
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Eine zweieinhalbjährige Jugendstrafe verhängte das Amtsgericht gegen einen 19-jährigen Afghanen, der einen Obdachlosen bedrängt hatte.Ferdinand Merzbach
Eine zweieinhalbjährige Jugendstrafe verhängte das Amtsgericht gegen einen 19-jährigen Afghanen, der einen Obdachlosen bedrängt hatte.Ferdinand Merzbach

Zweieinhalb Jahre muss ein 19-jähriger Afghane ins Gefängnis, weil er einen Obdachlosen in Bamberg gegen dessen Willen sexuell belästigt hat. Zudem drohte er ihm Gewalt, um an dessen Bargeld zu kommen. Probleme machte nur die Frage, wie man einen Wohnungslosen ins Amtsgericht Bamberg lädt. Ein Polizeibeamter holte den Slowaken schließlich von seiner "Arbeit" als Bettler aus der Innenstadt ab.

Es ist der Abend des 22. Oktober 2018, kurz nach 19 Uhr. Es droht eine kalte Nacht zu werden. Besonders für Jiri G. (Name geändert), der gerade seinen Schlafplatz unter der Löwenbrücke aufgesucht hat. Der Slowake ist Straßenbettler und hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Unter freiem Himmel ist der 29-Jährige allerdings nicht lange alleine. Zwei Afghanen machen es sich einige Meter entfernt mit einer Pulle Whisky und einigen Zigaretten gemütlich. Jiri G. hat sich bereits in seinen Schlafsack gemummelt, als einer der Afghanen, der andere ist kurz zuvor weggegangen, sich ihm nähert. "Er hat sich angekuschelt und mich umarmt. Ich wollte das nicht."

30 Euro gefordert

Plötzlich fühlt er die gezielt zupackende Hand des Fremden in der Unterhose. Den ersten Zugriff kann Jiri G. abwehren. Doch es geht noch weiter. Der Afghane öffnet seine Hose und befiehlt: "Du wirst jetzt Sex mit mir haben!" Dabei fällt die Forderung nach 30 Euro. Ob das für den Sex oder dafür gedacht war, sich davon freizukaufen, das kann auch der Prozess nicht endgültig klären. Dann drückt er sein Opfer zu Boden, nachdem Jiri G. das Ansinnen angewidert abgelehnt hat.

Als die Hand des Afghanen erneut in Jiri G.s Unterhose unterwegs ist, packt der Slowake kurzerhand seinen Peiniger an dessen empfindlichster Stelle. Vor Schmerzen schreit der Angreifer auf. Jiri G. aber ergreift barfuß die Flucht. Als die Luft wenig später rein zu sein scheint, kehrt er zurück, um sein Hab und Gut mitzunehmen. Da hat jemand einen seiner Koffer durchwühlt. In dem anderen befinden sich noch die Tageseinnahmen von 112,20 Euro.

Aus dem Dunkel unter der Löwenbrücke taucht der Angreifer noch einmal auf. Diesmal geht es ihm nurmehr um Geld. Er packt Jiri G. und will 30 Euro haben. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, landet seine Faust im Gesicht des Obdachlosen. Beim Versuch, auch die andere Wange zu treffen, gelingt seinem Opfer die Flucht. Um sich einen Vorsprung zu verschaffen, wirft Jiri G. seinen Koffer mit dem Kleingeld hinter sich. Es gelingt ihm, sich zu zwei Radfahrern weiter oben zu flüchten.

Freispruch gefordert

Da hat der Afghane längst nach einem Stein von der Uferbefestigung gegriffen und droht damit, wie ein unbeteiligter Zeuge von der Löwenbrücke aus beobachtet. Der ist gerade von einem Elternabend zurück und kann den "verängstigten und hilferufenden" Obdachlosen beruhigen. Anschließend ruft er die Polizei.

In der Version des Angeklagten hörte sich die Geschichte ganz anders an. Er sei zwar da gewesen, aber auch wieder gegangen. "Es gab keinen Körperkontakt. Ich habe kein Geld verlangt." Das könnte ein Pärchen bezeugen, das die ganze Zeit über dort gewesen sei. Er habe zwar etwas getrunken. "Ich war aber nicht so betrunken, dass man Scheiße macht."

Folgerichtig plädierte sein Rechtsanwalt Andreas Dräger (Strullendorf) auf Freispruch. Warum er vor der Polizeistreife in Richtung Europabrücke davongelaufen ist und sich hinter parkenden Fahrzeugen versteckt hat, wie das einer der Beamten bezeugte, konnte der Angeklagte nicht erklären. Als er seinem damaligen Begleiter, einem 20-jährigen Landsmann, während der Verhandlung in Paschtu (Neupersisch) zuraunt, er möge bloß "alles richtig sagen", da stellt Staatsanwältin Franziska Frohberg den Antrag, ihn während dieser Zeugenaussage aus dem Gerichtssaal zu verbannen.

Damit hatte die Staatsanwältin zwar keinen Erfolg. Am Ende des Tages aber folgte das Jugendschöffengericht ihrer Forderung, den Angeklagten wegen sexueller Nötigung und schwerer räuberischer Erpressung zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe zu verurteilen. Für den Afghanen ist es nicht der erste Besuch hinter Gittern. Weil er gerichtlich verordnete Sozialstunden wegen des Angriffs auf einen Mitarbeiter der Jugendhilfe nicht geleistet hatte, hatte er vor zwei Jahren einige Tage im Ungehorsamsarrest verbringen müssen.

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