Drosendorf
Hochwasser

Drosendorf: 1,2 Millionen gegen die Flut

Dass der friedliche Leitenbach zum breiten Strom anschwellen kann, mussten die Menschen im Memmelsdorfer Ortsteil Drosendorf bereits erleben. Ein Deich und Mauern sollen die Anwohner von schlaflosen Nächten befreien, wenn es heftig regnet.
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Grafik: Franziska Schäfer; Quelle: Wasserwirtschaftsamt Kronach
Grafik: Franziska Schäfer; Quelle: Wasserwirtschaftsamt Kronach
Der Gemüsegarten muss weg, genauso die Staudenbeete. Agnes Kraus muss einen Streifen von fünf Meter Breite von ihrem Grundstück hergeben. Neben dem Gemüsebeet muss auch ein Gartenhaus dran glauben. Doch die Drosendorferin hat sich arrangiert.
"Ich bin mit dem bisherigen Verlauf der Hochwassermaßnahme zufrieden. Der Bürgermeister und die Gemeinde bemühen sich. Mit dem Gemüsebeet setze ich eben ein Jahr aus", sagt sie. Für die wegfallende Grundstücksfläche wird sie von der Gemeinde entschädigt.

Mehr noch werden wohl die ruhigeren Nächte entschädigen, wenn nächstes Jahr im Sommer der Hochwasserschutz steht. "Die Menschen, die in Drosendorf wohnen, werden froh sein, wenn sie in einer Starkregen-Nacht nicht auf der Hut sein müssen", vermutet der Memmelsdorfer Bürgermeister Johann Bäuerlein (CSU/WLW).
Also wird gebaut, für rund 1,2 Millionen Euro.
Der Freistaat Bayern übernimmt 65 Prozent der Kosten, die Hälfte davon wird von der Europäischen Union gefördert. Für die Gemeinde Memmelsdorf bleiben 35 Prozent der Finanzierung.

Begonnen wird mit den Bauarbeiten im Bereich des Sportplatzes. Hier entsteht eine 150 Meter lange Betonmauer mit einer Höhe von etwa einem Meter. "Warum wird hier angefangen und nicht beim Hauptschwerpunkt an der Dr.-Ritz-Straße?", fragt Anwohner Horst Kraus.
"Weil wir dort in diesem Jahr nicht mehr fertig werden würden. Wir wollen das im Frühjahr komplett durchziehen", antwortet Günther Prem, Baudirektor des Wasserwirtschaftsamts Kronach (WWA). Das WWA ist der Vertreter des Bauherren und Auftraggebers: dem Freistaat Bayern.

Wenn es das Wetter hergebe, werde man 2013 auch noch mit dem Bau eines neuen Schachtpumpwerks beginnen, fügt Miroslav Struharik von der beauftragten Ingenieurgesellschaft hinzu. Mithilfe der Pumpen soll das Gelände entwässert werden, das neben Betonmauern von einem ein Meter hohen und insgesamt 185 Meter langen Deich eingefasst wird.

Zwei feste Pumpen

"Zur Entwässerung werden zwei Pumpen mit einer Leistung von je 100 Litern pro Sekunde installiert. Bei Bedarf können wir auch noch eine mobile Pumpe anbringen", ergänzt Günther Prem vom Wasserwirtschaftsamt. Das Pumpwerk wird sich am westlichen Ende einer sogenannten "Winkelstützmauer" aus Beton befinden. Diese wird auf einer Länge von 300 Metern entlang der Dr.-Ritz-Straße errichtet und eine Höhe von etwa 1,5 Metern erreichen.

"Die Dr.-Ritz-Straße fassen wir dieses Jahr nicht mehr an, damit die Anlieger nicht belästigt werden", sagt Bürgermeister Bäuerlein. Müssten die Bauarbeiten über den Winter ruhen, würden die Anwohner durch die Baustelle beeinträchtigt.
Bevor die Hochwasserschutz-Mauer an der Dr.-Ritz-Straße errichtet wird, müssen allerdings Bäume weichen. "Sie liegen direkt auf der Trasse der Mauer und müssen leider gefällt werden. Aber für die gerodeten Flächen pflanzen wir natürlich Ausgleichsflächen", betont der Bürgermeister.
Deiche, Mauern, Pumpwerk: Wenn alle Maßnahmen des zweiten Bauabschnitts in Drosendorf (rechte Seite) beendet sind, wird der Bereich um den Leitenbach vor Hochwasser geschützt sein. Der erste Bauabschnitt (linke Seite) wurde bereits 2008 fertiggestellt.
Ab August 2014 soll das Baugebiet mit elf Wohnhäusern und dem Feuerwehrhaus für einen hundertjährliches Hochwasser ("HQ 100") gewappnet sein - wie hoch dieser Pegel sein kann, wird nach dem zu erwartenden Abfluss berechnet und ist von der Geometrie abhängig.

Aktuell liegt Drosendorf bei HQ 20 bis 30. "Der rechte Teil von Drosendorf würde bei einem HQ 100 absaufen", drückt es Günther Prem vom Wasserwirtschaftsamt drastisch aus.

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