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Bamberg
Konzert

Drei Weltstars in Bamberg

Mit Julia Fischer, Sabine Meyer und Sol Gabetta präsentierten sich gleich drei Klassik-Stars an einem einzigen Wochenende in Bamberg. Das Echo war entsprechend: großer Andrang, ungeteilte Begeisterung.
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Am Freitag in Bamberg: Sabine Meyer  Fotos: AtelierCels/Felix Broede/Scholz
Am Freitag in Bamberg: Sabine Meyer Fotos: AtelierCels/Felix Broede/Scholz
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Man reibt sich bisweilen die Augen angesichts der musikalischen Künstler-Prominenz, die zuverlässig den Weg an die Regnitz findet. Am vergangenen Wochenende gaben sich gleich drei weibliche Sterne am internationalen Klassik-Firmament, die sonst nur in Großstädten gastieren, quasi die Klinke des Joseph-Keilberth-Saales in die Hand.

Welche Bedeutung Bamberg als musikalischer Hotspot besitzt, zeigt auch das Medieninteresse: dass große Rundfunkanstalten die Konzerte der Bamberger Symphoniker oder des Musikvereins Bamberg mitschneiden, ist eher die Regel als die Ausnahme.

Nicht zu wundern brauchte man sich über die Wiederkehr Sol Gabettas, dieser unvergleichlichen Meisterin des Violoncellos, denn sie ist ja die Porträtkünstlerin der symphonischen Saison. Erstaunlich war eher, dass der Musikverein es geschafft hat, mit Sabine Meyer die weltweit verehrte Altmeisterin der Klarinettenkunst nach Bamberg zu holen.

Energischer Zugriff

Doch die Performance des formidablen Trios begann am Donnerstag im Abo A der Bamberger Symphoniker mit dem Debüt-Auftritt Julia Fischers, die schon jetzt von der "SZ" in die Edition der "Jahrhundert-Geiger" aufgenommen wurde.

Auf dem Programm des Abends standen Dvorák und Brahms, ganz im Sinne der von Jakub Hru  Grad ša, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, beschworenen und auf CD verewigten Wesensverwandschaft der beiden Komponisten. Antonin Dvoráks dunkel gefärbtes Violinkonzert a-moll erfuhr einen energischen Zugriff seitens der Geigerin, was die nach den Soloepisoden geradezu triumphal hochgereckte Bogenhand noch unterstrich.

Welch intensives Crescendo sie mit langem Strich auf der G-Saite herbeizuzaubern vermag, das ist ebenso famos wie die lupenreine Intonation in den Mehrfachgriffen kurz vor dem Attacca-Übergang zum Adagio.

Saxophone als Orchester

Zupackend fielen auch das Finale und die zugegebene Paganini-Caprice aus. Julia Fischer muss man große Umsicht in der Abstimmung mit dem Orchester attestieren, was sich schon durch ihre demonstrativen Drehungen zu den Tuttigruppen zeigte, grad so als wolle sie in den begleitenden Klangkörper hineinhören.

Jakub Hru  Grad ša dirigierte nach der Pause die 1. Symphonie von Johannes Brahms mit drängender Unruhe, forschen Durchführungen und schöner Detailarbeit. In den Nebensätzen fehlte ein wenig die Brahms'sche Behäbigkeit, die Holzbläser verleitete er zu Schärfungen - etwas mehr Milde hätte gut getan. Anderntags, beim Konzert des Musikvereins Bamberg, hatte auch der zweite Solostar ein Orchester mitgebracht. Das bestand freilich nicht aus Streichern, sondern aus den eher orchesterfremden Saxophonen. Sabine Meyer, seit ihren Anfängen bei den Berliner Philharmonikern eine Art Doyen der Klarinettenzunft, gastiert seit einiger Zeit mit dem preisgekrönten Alliage-Quintett, dessen Saxophone die Illusion eines großen Orchesters vermitteln.

Die Auswahl der Stücke ging aus guten Gründen in Richtung zwanziger Jahre, doch auch J.S. Bach wurde mit Suitensätzen bedacht. George Gershwins "Cuban Ouverture" mit ihrem unvergleichlichem Drive taugte natürlich zum umjubelten Auftakt, ähnlich Darius Milhauds Klassiker "Scaramouche" vor der Pause. Bei Bach zeigte sich, dass die Klarinette eben doch das feinnervigere Instrument ist, verglichen mit den sehr robusten Saxophonen. Als Entdeckung entpuppte sich Stefan Malzews "Macabrum Sanctum" mit seinen rhythmischen Finessen. Auch in Alexander Scriabins "Polowetzer Tänzen" begnügte sich Sabine Meyer eher mit der Rolle einer Gleichen unter Gleichen, doch in den elegischen Partien durfte sie elegant dominieren.

Schwelgen in Kantilenen

Teil drei des famosen Trios fiel am Samstagabend Sol Gabetta zu, der "Artiste étoile" dieser symphonischen Saison. Sie hatte das selten gehörte Cellokonzert Edward Elgars mitgebracht, ein introvertiertes, vom 1. Weltkrieg geprägtes Werk.

Schon der fragile Einstieg mit seiner unüberhörbaren Melancholie deutet die Grundstimmung an, in der freilich das Schwelgen in üppigen Kantilenen vorherrscht. Beste Vorgaben also für Sol Gabetta, das Klangvermögen ihres Instruments prächtig darzustellen. Das Violoncello bleibt dominant, auch in der scherzoartigen Passagen höherer Virtuositätsgrade, ja es wird stellenweise sogar zum Alleinunterhalter. Entsprechend einfältig ist der Orchestersatz, erst im vielgliedrigen Finale scheint er aufzuwachen und komplexer zu werden.

Die zugegebene katalanische Weise erwies sich angesichts der bevorstehenden Orchesterreise nach Spanien nicht nur als originelle "Encore"-Idee, sondern überdies als nette Reverenz an die Tutti-Cellisten.

Hru  Grad ša servierte zum Schluss eine fulminante Version von Dvoráks genialer 7. Symphonie, die man in Valencia, Saragossa und Madrid gerne hören wird. So aufgestellt darf das Orchester stolz als Bayerns musikalischer Botschafter nach Spanien fahren!