Bamberg
Urteil

Drei Jahre und neun Monate Haft für Hauptangeklagten

Tom Z. bleibt für seine folgenschwere Tat noch einige Jahre im Gefängnis, während Andi H. zu eine Geldstrafe verurteilt wurde.
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Foto: Ferdinand Merzbach
Foto: Ferdinand Merzbach

Am Ende wirkten weder Oberstaatsanwalt Otto Heyder noch Verteidiger Oliver Teichmann zufrieden mit der Strafe für Tom Z. (Namen geändert). Zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung hat die Große Strafkammer des Landgerichts Bamberg den 24-Jährigen verurteilt. Das sind zwei Jahre weniger, als Heyder gefordert hatte, der von versuchtem Totschlag ausgegangen war. Teichmann hingegen hatte auf eine zweijährige Bewährungsstrafe plädiert - für ihn war es eine "einfache" Körperverletzung.

Unter deren Folgen wird allerdings Christian K. sein Leben lang leiden. Er kann froh sein, dass er den Angriff in den Morgenstunden des 30. Juli 2017 überlebt hat. "Für bundesweites Medienecho hat aber nicht gesorgt, dass mein Mandant fast zu Tode gekommen ist, sondern dass einige Zeugen, die hier offensichtlich die Unwahrheit gesagt haben, im Gerichtssaal verhaftet worden sind", erklärte Nebenklage-Vertreter Holger Zebisch. Tom Z. hatte den damals volltrunkenen K. umgerannt oder umgesprungen, der 36-Jährige schlug mit dem Kopf hart auf den Asphalt auf. K. erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Die Schädeldecke musste ihm entfernt und durch eine Plastik ersetzt werden. Erst vor kurzem hatte K. wieder eine Operation, um sein Gehör auf dem rechten Ohr vielleicht doch noch zu retten. Die Spätfolgen sind noch nicht absehbar. "Er ist ein anderer geworden", sagt K.s Frau.

Für das Gericht ging es vor allem um die Fragen, wie Z. den 36-Jährigen zu Boden gebracht hatte, und ob es im Anschluss noch einen Tritt gab. "Wir gehen davon aus, dass es den stampfenden Fußtritt nicht gegeben hat", stellte Vorsitzender Manfred Schmidt in der Urteilsbegründung fest.

Dass Z. an den schweren Verletzungen des Mannes schuld ist, habe der Angeklagte anerkannt. Er habe K. "umgetackled", formulierte es der 24-Jährige. Die Sachverständigen hätten keinen Nachweis für einen Tritt gefunden, allein der Aufschlag habe für die schweren Verletzungen ausgereicht. Und auch die Zeugenaussagen waren in dieser Frage unergiebig. Von einem versuchten Totschlag geht das Gericht auch nicht aus, weil es sich bei Z.s Angriff um eine "spontane Entscheidung aus der Sekunde heraus" gehandelt habe. Das belege auch das Überwachungsvideo, das zeigt, wie die Angeklagten losrennen. Die eigentliche Tat bleibt außerhalb des Sichtfelds der Kamera.

"Es war kein Angriff aus dem Nichts", machte Z.s Verteidiger Oliver Teichmann deutlich. Denn sein Mandant sei 30 Meter über den Platz gerannt, nachdem die beiden Geschädigten etwas in seine Richtung gerufen hatten. Nach dem Angriff sei Z. nicht klar gewesen, wie schwer K. verletzt war. Teichmann hielt sich wie Heyder die Möglichkeit offen, binnen einer Woche Revision gegen die Entscheidung der Strafkammer einzulegen.

Angenommen hat sein Urteil hingegen Andi H. Für zwei Fälle von vorsätzlicher Körperverletzung wurde er zu einer Gesamt-Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 20 Euro verurteilt. Ihm war lange Zeit der folgenschwere Angriff zugeordnet worden, er saß dafür zehn Wochen unschuldig in Untersuchungshaft. Schuld war er hingegen an zwei handfesten Auseinandersetzungen mit K.s Freund. Dessen anzügliche Bemerkungen gegenüber einigen Mädchen waren wohl auch der Auslöser für den Streit.

"Wenn es das Video nicht gegeben hätte, wäre mein Mandant vielleicht wegen eines Verbrechens verurteilt worden, das er nicht begangen hat", erklärte H.s Verteidiger Jochen Kaller. Wie Zebisch dankte er dem Staatsanwalt und dem zuständigen Kripo-Beamten für die hartnäckige Ermittlungsarbeit. Die Angeklagten entschuldigen sich in ihren letzten Worten nochmals bei den Geschädigten.

Juristisches Nachspiel für Zeugen

Von fast allen Beteiligten wurde der Sandstraßenprozess als "außergewöhnlich" bezeichnet.

"Die Zeugen haben reihenweise gemauert und gelogen, wie wir es in diesem Ausmaß noch nicht erlebt haben", erklärte Nebenklage-Vertreter Zebisch. Die vielzitierte "Mauer des Schweigens" habe hier tatsächlich bestanden. Schmidt bezeichnete den harten Kurs der Staatsanwaltschaft als "absolut korrekt". Es habe hier ein extrem schwer Verletzter im Krankenhaus gelegen, und selbst Zeugen, die nach den Bildern der Überwachungskamera etwas gesehen haben müssen, hüllten sich in Schweigen. "Die Festnahme der ersten vier Zeugen war gerechtfertigt. Denn das Schweigen hat sich vor Gericht fortgesetzt, obwohl das nach Z.s Geständnis überhaupt nicht mehr nachvollziehbar war."

Exemplarisch nannte Schmidt eine Zeugin, die auf dem Video in den entscheidenden Sekunden rauchend dastand und genau in Richtung Tatort blickte. Vor Gericht konnte sie sich aber an nichts erinnern. Sie gehört zu den 15 Zeugen, für die der Sandstraßenprozess noch ein juristisches Nachspiel hat.

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