Bamberg

Drahtzieher bleiben im Dunkeln

Für mehrere Jahre müssen drei Juwelenräuber ins Gefängnis. Sie hatten mit ihrer Tat im Februar 2017 für großes Aufsehen in der Innenstadt gesorgt.
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Aufregung in Bamberg: Im Februar 2017 hatten drei Männer den Juwelier am Gabelmann überfallen.  Foto: Archiv/Ronald Rinklef
Aufregung in Bamberg: Im Februar 2017 hatten drei Männer den Juwelier am Gabelmann überfallen. Foto: Archiv/Ronald Rinklef

Fünf Jahre und zwei Monate Jugendstrafe verhängte die Jugendkammer am Landgericht Bamberg gegen einen 21-Jährigen. Der Litauer hatte gemeinsam mit drei anderen Landsleuten im Februar 2017 einen Juwelier in Bamberg überfallen, Luxusuhren entwendet und dabei einen Schaden von rund 500 000 Euro verursacht.

Der dreiste, doch hoch professionelle Raubüberfall am hellichten Tag, die spektakuläre Flucht der Täter und die aufwendigen Fahndungsmaßnahmen der Polizei mit Spürhunden und Hubschraubern hatten vor mehr als zwei Jahren für einiges Aufsehen in Bamberg gesorgt. Nun hat die juristische Aufarbeitung ein vorläufiges Ende gefunden. Wenn man am Landgericht Bamberg auch nur der Handlanger habhaft werden konnte. Die nämlich gestanden zwar ihre Verbrechen und gingen fünf, siebeneinhalb und neun Jahre hinter Gitter, über die Auftraggeber in Kaunas aber schwiegen sie beharrlich.

Wegen des mitgeführten Pfeffersprays und der Vorschlaghämmer, mit denen der aufkeimende Widerstand der Angestellten gewaltsam hätte gebrochen werden sollen, plädierte Staatsanwalt Martin Barnickel auf schweren Raub. Und forderte fünf Jahre und neun Monate. Das Gericht ging aber sogar noch weiter und sah den jüngsten der vier Räuber, genannt "das Kind", auch als Mitglied einer Bande. Schließlich hatte ein Kriminalhauptkommissar von über dreißig Personen gesprochen, die bundes-, ja sogar europaweit derartige "Blitzüberfälle" begangen hätten. "Es handelt sich um organisierte Kriminalität." Dabei sei der Angeklagte freilich "nur ein Läufer" am unteren Ende der Hierarchie, der den gefährlichsten Job erledige, während die Statthalter in Deutschland und die Hintermänner im Baltikum das große Geld einstrichen.

Obwohl sich der Angeklagte mittels einiger kräftiger Schlucke Wodkas Mut angetrunken hatte, spielte der Alkohol bei der Verurteilung keine große Rolle. Seine Handlungen seien sehr zielgerichtet gewesen, bescheinigte der Vorsitzende Richter Markus Reznik. "Sie haben sogar mehr als die doppelte Beute wie ihr Komplize eingesteckt."

Auch die vielen Drogen, mit denen der Angeklagte im Laufe seines Lebens bereits in Berührung geraten war, von Marihuana und Speed über Ecstasy und LSD bis zu Crystal Meth, verhalfen ihm zu keinem milderen Urteil. Der Raubüberfall sei keine Hangtat, sondern eine Auftragstat gewesen, so die Urteilsbegründung. Weshalb eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zur Suchtbekämpfung vom psychiatrischen Sachverständigen Walter Bogner (Bamberg) abgelehnt wurde. "Wir haben keine Suchtkriminalität."

Schwarzes Schaf

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte den Litauer als "schwarzes Schaf der Familie" geschildert, der bereits mit 14 Jahren ins kriminelle Milieu abgerutscht sei. Eine Mischung aus fehlenden Perspektiven, jugendlicher Naivität und Betäubungsmittelkonsum in der Clique habe ihn zum Straftäter werden lassen. Seine Ausbildung zum Fliesenleger blieb dank falscher Freunde auf der Strecke.

Vergeblich hatte Rechtsanwalt Janusch Nagel (Limburg an der Lahn) mit dem Hinweis auf das umfassende Geständnis seines Mandanten versucht, das Strafmaß auf vier Jahre Jugendstrafe zu begrenzen. Was wohl angesichts der einschlägigen Vorstrafen wegen Diebstahls, Diebstahls mit Waffen und schweren Diebstahls keine Resonanz fand. Von der verhängten Haftstrafe sind noch fast sechs Monate Untersuchungs- und etwa ein Monat Auslieferungshaft in Litauen abzuziehen.

Pro forma hat das Gericht auch die Einziehung von Wertersatz verkündet. Damit wird festgelegt, dass alle vier Täter den entstandenen Schaden ersetzen müssen. Sobald sie wieder zu Geld gekommen sind. Dabei legte die Jugendkammer den deutlich niedrigeren Einkaufspreis von 275 403 Euro zugrunde.

Dass sich der Vorsitzende Richter und seine zwei Beisitzer und zwei Schöffen keine großen Hoffnungen machen, dass die Versicherung eines Tages wieder zu ihrem Geld kommen wird, ist daran zu erkennen, dass nicht einmal die Kosten des Verfahrens vom 21-jährigen Täter getragen werden müssen. Er hat derzeit in der JVA Bamberg kein Einkommen und nach eigenen Angaben auch kein Vermögen.

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