Bamberg

Donald Duck im Bamberger Naturkunde-Museum

Das Naturkunde-Museum Bamberg goes Entenhausen. Eine gelungene Schau für tierische Comic-Freaks und Freunde rätselhafter Schatten.
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Fotos: Wolfgang Weinke/Matthias Hoch/Fotocollage Stefan Reinmann
Fotos: Wolfgang Weinke/Matthias Hoch/Fotocollage Stefan Reinmann
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Letzte Chance: Wer Entenhausen bisher nichts abgewinnen konnte, der sollte sie sich lieber schenken, diese Ausstellung. Doch wer könnte das sein?! Schon diese riesige, grün-rot-gelbe Seeschlange auf den Werbe-Plakaten und -Flyern macht neugierig. So ziemlich jeder hat die Schlange schon mal gesehen, irgendwo.

Auch diese junge Frau ist interessiert. Sie schlendert durch die Schau, bleibt plötzlich vor einer der 42 gelben, hochformatigen Info-Tafeln stehen und lässt ihren Blick wandern. Dort prangt die Große Seeschlange, wie eine plakative Überschrift verrät. Die Tafel mit der Nummer 15 ist diesem grässlichen Untier gewidmet. Fachleute, die unter sich bleiben wollen, sprechen da lieber von Phantasma naviraptoricum. Augenzeugen ihres erstmaligen Auftretens im Barkschen Comic-Kosmos offenbaren sich. Sie berichten dem Rest der Welt jedes tierische Detail in Wort und Bild.

So ist die Seeschlange..., Verzeihung, ...die Große Seeschlange länger als "mehrere aneinander gereihte seegängige Frachtschiffe" und man ahnt es - sie tanzt gern Boogie-Woogie. Wer das vielleicht noch nicht wusste, keine Frage, der ist nun schlauer. Für wen das schon lange kalter Kaffee war, der ist Donaldist.


Clever in Szene gestellt


Diese harmlos wirkenden Donaldisten - so nennen sich die Experten der Vereinigung D.o.n.a.l.d. (Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus) - sollte man aber keinesfalls unterschätzen.

Hunderte von ihnen haben unsere Gesellschaft unterwandert. Sie sind bibelfest..., äh.., barksfest, und gehen den Werken des legendären Comic-Gurus Carl Barks auf den Grund, wenn nicht noch tiefer. Ein harter Kern der Donaldisten hat für die Ausstellung eine Auswahl der Entenhausener Tierwelt getroffen. Denn eine allumfassende Präsentation ist undenkbar, die Dimension würde jedes Museum sprengen, leider. So bleiben etwa der Entenhausener Reisfink, das Rosenäugige Nashorn und vieles mehr dem informativen Ausstellungskatalog vorbehalten.

Was der Katalog nicht zeigt, sind die zahlreichen Tierinterpretationen - von Gymnasiasten gebastelt und clever in die Schau integriert. Absolut zu empfehlen ist der Gang in einen total abgedunkelten Nebenraum der Ausstellung. Schon dessen Titel ("Entenhausener Schattenwelt") verbreitet Neugier.

Abiturientinnen schufen dafür mehrere der berühmten Comic-Charaktere aus Entenhausen, die aber auf den ersten Blick im Licht der Taschenlampe nicht erkennbar sind: Erst im richtigen Winkel angestrahlt, geben sie auf Umwegen über ihre Schatten die wahre Identität preis. Ein besonders gelungenes Fazit: Donald ist einfach überall.


Unendliche Wunder der Natur


Auch die junge Frau hat die beeindruckende Schattenwelt besucht. Doch nun zieht es sie zurück in den Hauptraum der Schau: Hier wartet der legendäre Orakelstör auf Würdigung, oder auch der Hasenzahnhai, das Mondwesen und das Latschpferd - vom Madagassischen Scha brackenschriller ganz zu schweigen. Unendliche Wunder der Natur aus einem Paralleluniversum!

Die Besucherin geht zur Großen Seeschlange zurück, wirft einen flüchtigen Blick darauf, und wechselt eine Info-Tafel weiter: Nummer 16, hier prangt die Entenhausener Dickbackenschlange oder auch Vipera musicalia. "Die ist aus derselben Story wie die Seeschlange!", sagt die Frau forsch und wendet sich empört dem nächsten Ausstellungsbanner zu. Ich bleibe ratlos zurück. Einzige Erklärung: Offenbar gibt es auch Frauen unter den Donaldisten!


Ein Interview mit Dagobert Duck:


Ach seinem überraschenden Auftauchen bei der Ausstellung "Biodiversität in Entenhausen" sprachen wir am Rande der Veranstaltung mit Dagobert Duck, dem reichsten Mann der Welt.

Herr Duck, warum geben Sie sich in Bamberg die Ehre?
Dagobert Duck: Äh...Ich wollte schon immer mal auf einem Haufen sehen, was bei uns in Entenhausen so alles an Tieren kreucht und fleucht.

Eigentlich gehören Sie ja sogar auch dazu, als Ente...
Unverschämtheit!

Auf den meisten Bildern der Schau sind neben diversen Tieren und Geschöpfen nicht Sie zu sehen, sondern Ihr Neffe Donald...
Dieser Versager! Warum er so beliebt ist, ist mir seit vielen Jahren ein Rätsel.

Die eigentlichen Macher der Ausstellung nennen sich Donaldisten...
...Dagobertisten wäre mir lieber gewesen!

Die Ausstellung zeigt natürlich auch die großen Ameisen, die Sie und Donald an einer festlichen Tafel verspeisen wollten, nachdem die Panzerknacker den Duck'schen Geldspeicher und sie alle ganz klein geschrumpft hatten.
Erinnern Sie mich bloß nicht daran. Beinahe wäre ich arm geworden wie eine Kirchenmaus.

Nun, es ging ja noch mal alles gut! Wie groß ist eigentlich ihr Vermögen? Man munkelt von rund zweieinhalb Kubik hektar...
Alles Lügen! Ich habe nur ein paar Talerchen auf die Seite getan, damit ich in meinem Geldspeicher im Geld baden kann. Das fördert die Gesundheit und man fühlt sich jung. Sie werden langsam lästig!!

Letzte Frage. Was halten Sie überhaupt von der Ausstellung?
Irgendwo hätten sie ja hinpinseln können, dass ich der Hauptsponsor bin, schließlich hab ich leichtsinnigerweise zehn Taler investiert!

Die Fragen stellte
Wolfgang Weinke

Kommentare (1)

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