Bamberg
Volksfest

Diskussions-Karussell um Bamberger Plärrer

Zehn potenzielle Orte für den Bamberger Plärrer sind von der Stadtverwaltung geprüft worden - und allesamt wurden sie als ungeeignet eingestuft.
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Wo in Bamberg könnten sich künftig Karrussel und Riesenrad drehen? Die Standort-Suche für den Plärrer geht weiter. Foto: RiegerPress
Wo in Bamberg könnten sich künftig Karrussel und Riesenrad drehen? Die Standort-Suche für den Plärrer geht weiter. Foto: RiegerPress

Der ehemalige Motorpool auf dem Gelände der Bundespolizei? Kein Ausweich-Parkplatz steht zur Verfügung. Die Jahnwiese? Zu klein, zu wenige Fluchtwege, Probleme mit dem Naturschutz. Das ehemalige Bundessortenamt hinter der Brose-Arena? Müsste erschlossen werden, ist zu teuer. In der Vollsitzung des Bamberger Stadtrates zeigte Ordnungsreferent Ralf Haupt in einem detaillierten Vortrag, wo der Plärrer überall nicht stattfinden kann. Zehn Orte für das Bamberger Volksfest, das seit 2017 nicht mehr stattfindet, wurden geprüft - und allesamt wurden sie für ungeeignet erklärt. Damit wollten sich einige Stadträte, trotz viel Lobes über die saubere Durchführung der Prüfung, nicht zufrieden geben.

"Ein Volksfest ist bürgernah. Es ist gelebte Kultur. Das haben wir damals für Wirtschaftsinteressen aufgegeben", kritisiert Stadtrat Andreas Triffo vom Bamberger Bürgerblock (BBB) die Entscheidung, das Gelände an der Breitenau, an dem der Plärrer über 30 Jahre lang stattfand, der Firma Brose zur Verfügung zu stellen. Wenn der Stadtrat wirklich wieder einen Volksfestplatz in der Welterbestadt wolle, würde sich auch etwas finden. Beim Motorpool könne man mit etwas Nachbesserung viel erreichen. Auch die Erschließung des einstigen Sortenamts sei machbar. "Aber wir brauchen den Willen."

Den äußerten dann auch einige von Triffos Kollegen. Heinz Kuntke (SPD) will weiter an der Jahnwiese festhalten, die nur auf Antrag seiner Fraktion geprüft wurde. "Der Plärrer muss ja nicht so groß sein wie zuvor. Vielleicht ist eine abgespeckte Version möglich. Das sollten wir baldmöglichst prüfen", meint Kuntke. Er könne nicht verstehen, warum mit der "Bamberger Rosi" und weiteren Veranstaltungen auf der Jahnwiese, die ausdrücklich mit ihrem "Volksfestcharakter" werben, genehmigt würden, und ein städtisches Volksfest nicht. Auch Norbert Tscherner (BBB) könnte sich als Bürgervereinsvorsitzender Bamberg-Süd/Gereuth einen kleinen Plärrer auf der Jahnwiese gut vorstellen. Er glaubt nicht, dass dieser allzu große Lärm- oder andere Belastungen mit sich brächte. "Ein Plärrer-light ginge vielleicht", kommentiert Ordnungsreferent Haupt den Vorschlag, "aber das war nicht Ziel der Untersuchung."

"Ein Plärrer-la bringt uns gar nichts", sagt hingegen Peter Neller (CSU). "Moderne Fahrgeschäfte brauchen viel Platz." Außerdem sei es sinnvoll, einen Plärrer-Platz zu finden, der auch für andere Veranstaltungen wie Open-Air-Konzerte und Messen geeignet ist. Und dafür ist ein Wiesenplatz wie an der Jahnspitze laut Verwaltung ungeeignet.

"Das ehemalige Sortenamt an der Galgenfuhr sollte intensiver geprüft werden", plädiert Martin Pöhner (FDP). Im Bericht heißt es dazu: "Aufgrund der problematischen Erschließung (Zufahrt, Fluchtweg, Strom, Abwasser) ist die Fläche nicht zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen als Festplatz nutzbar zu machen. Zudem ist vorgesehen, dort das städtische Gartenamt anzusiedeln." Pöhner hält den Ort hingegen für "optimal" und will einen Antrag stellen, die Kosten für eine Erschließung zu prüfen.

"Natürlich geben wir die Hoffnung nicht auf", sagt Peter Weiß, der Vorsitzende der Bamberger Marktkaufleute. Er trauert nicht nur dem früheren Plärrerplatz, sondern auch dem Folgestandort auf dem früheren Motorpool-Gelände nach. "Dort hatten wir auch alles, was wir brauchen, einen Platz mit festem Untergrund, Strom, Wasser, Zufahrtswege. Der Bamberger Frühling wurde gut angenommen."

Die Jahnwiese biete zwar ein wunderschönes Ambiente für kleinere Feste mit Speisen und Getränken, größere Fahrgeschäfte samt Versorgungswägen ließen sich dort aber kaum unterbringen. "Die punktuelle Gewichtsbelastung wäre zu hoch und einige der modernen Attraktionen könnten wir nicht mit Strom aus Generatoren betreiben."

Und so sind die Bamberger Schausteller und Marktkaufleute derzeit zwar auf vielen großen Festen vertreten, in ihrer Heimatstadt aber nur auf Stadtteilkirchweihen und dem Weihnachtsmarkt. "Wir wollen unser Geld schon auch in Bamberg verdienen und der Stadt etwas zurückgeben", sagt Weiß.

Die Stadtverwaltung vertröstet indes auf die Zukunft: "Wir haben alle Anregungen aus dem Stadtrat aufgenommen und werden sie alle intensiv prüfen - auch das Plärrer-la auf der Jahnwiese", sagt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Marktkaufleute hoffen bis zum Herbst auf eine Lösung - denn dann beginnen die Planungen für die nächste Saison.

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