Bamberg
Historie

Diskussion um den Namensgeber der Bamberger Lobenhofferstraße

Er gilt als großer Arzt und hochangesehener Bamberger - doch trug Wilhelm Lobenhoffer als Krankenhausdirektor auch Verantwortung für Zwangssterilisierungen.
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Die Lobenhofferstraße ist nach dem langjährigen Krankenhausdirektor Wilhelm Lobenhoffer benannt. Foto: Ronald Rinklef
Die Lobenhofferstraße ist nach dem langjährigen Krankenhausdirektor Wilhelm Lobenhoffer benannt. Foto: Ronald Rinklef
Wilhelm Lobenhoffer hat sich 27 Jahre lang für das städtische Krankenhaus engagiert und soll sich zum Kriegsende auch für die kampflose Übergabe der Stadt eingesetzt haben. Ein Aspekt, der in den Archiven nahezu unerwähnt bleibt, ist das Thema Zwangssterilisationen. Genaue Zahlen für Bamberg zu ermitteln, wie viele Menschen in der NS-Zeit sterilisiert wurden, gestaltet sich schwierig. Das hat auch Andreas Ullmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Didaktik der Geschichte der Otto-Friedrich-Universität erfahren müssen. Immerhin ist er in einer Magisterarbeit von Claudia Schenk auf eine bemerkenswerte Zahl gestoßen: "847 Anträge auf Sterilisation wurden am Erbgesundheitsgericht Bamberg gestellt."

Ein Großteil der vom Gericht beschlossenen Eingriffe dürfte in der Chirurgie am städtischen Krankenhaus vollzogen worden sein. "Lobenhoffer war der Mann, unter dessen Regie in Bamberg Zwangssterilisationen durchgeführt worden sind", hatte Ullmann schon vor Jahren festgestellt. "Es lief damals alles nach Gesetz - aber gegen den Willen der meisten Betroffenen." Es gehe nun darum, wie man die damaligen Geschehnisse heute moralisch bewerte. "Wir sind im 21. Jahrhundert und da transportiert man auch über Straßennamen Botschaften. Wenn ich Stadtrat wäre, würde ich alles dafür tun, die Straße umzubenennen."

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