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Verkehr

Diskussion: Geht es in Bamberg zu viel um den Radverkehr?

Wird in Bamberg inzwischen mehr als genug für den Radverkehr getan - oder ist es noch zu wenig? Ein Pro & Contra zur Fahrradstadt
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Bamberg testet ab Sommer erstmals in der Friedrichstraße einen zwei Meter breiten Radfahrstreifen. Die Autos müssen weichen. Für Aktivisten ein Anfang, doch sollte noch mehr für den Radverkehr getan werden. Doch, passiert nicht schon genug?     Foto: Ronald Rinklef
Bamberg testet ab Sommer erstmals in der Friedrichstraße einen zwei Meter breiten Radfahrstreifen. Die Autos müssen weichen. Für Aktivisten ein Anfang, doch sollte noch mehr für den Radverkehr getan werden. Doch, passiert nicht schon genug? Foto: Ronald Rinklef

Der Aufstand der Radfahrer in Bamberg liegt nun zwei Jahre zurück. Das Maßnahmen-Paket, das im Anschluss daran im Januar 2018 vom Stadtrat beschlossen wurde, wird noch abgearbeitet. Und es gibt weiterhin unterschiedliche Auffassungen darüber, wie zügig der Ausbau der Radinfrastruktur zu erfolgen hat. Politisches Ziel ist es, den Radverkehrsanteil in Bamberg von 30 auf 35 Prozent bis 2025 zu erhöhen.

Das Maßnahmen-Paket:

1.Image-Kampagne zur Stärkung des Radverkehrs

2. Herstellung von zusätzlichen Fahrradbügeln/-parkplätzen

3. Ausweisung von neuen Fahrradstraßen

4. Errichtung einer Radzählanlage

5. Zusätzliche sicherheitsfördernde Maßnahmen an ausgewählten Kreuzungen.

6. Antrag auf Mitgliedschaft in der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern"

7. Umsetzung "Förderprogramm Lasten-Pedelecs"

8. "Runder Tisch" zur künftigen Verkehrsführung Lange Straße unter besonderer Berücksichtigung des Radverkehrs.

Baureferent Thomas Beese betonte in der jüngsten Umweltsenatssitzung, dass seit dem Radentscheid sehr viel passiert sei - und das trotz personeller Probleme, die es zwischenzeitlich wohl gab. Nun soll ein Radverkehrsbeauftragter installiert werden, Voraussetzung dafür, um als fahrradfreundliche Stadt ausgezeichnet zu werden. Der Beauftragte soll später Projekte zur Radverkehrsförderung vorschlagen und deren Umsetzung vorantreiben.

Weitere Projekte aus dem Maßnahmen-Paket laufen: Das Förderprogramm Lastenpedelecs wird weitergeführt. Weitere Fahrradstraßen sollen ausgewiesen werden: unter anderem in der Eckbertstraße für eine bessere Ost-West-Anbindung zwischen Lagarde-Kaserne und Bahnhof. Auch eine zunächst gescheiterte Image-Kampagne für die Fahrradstadt wurde wieder aufgesetzt. Die Einreichungsfrist für Ideen läuft noch bis 20. Mai.

Und in der Friedrichstraße wird nach einem Beschluss in der vergangenen Woche im Stadtrat ein Verkehrsversuch mit einem Radfahrstreifen in Fahrtrichtung Schönleinsplatz gestartet. Dass der Streifen zwei Meter anstatt 1,50 Meter breit wird, dafür haben sich die Radverbände stark gemacht. Es sei ein erfreulicher Schritt, könne aber nur der Anfang sein, sagte Christian Hader von der Initiative Radentscheid.

Den Aktivisten geht der Ausbau der Radinfrastruktur längst nicht schnell und konsequent genug voran, die Initiative hat die offizielle Zusammenarbeit mit der Stadt schon Ende 2018 wieder beendet. So wird kritisiert, dass etwa von den 1000 zusätzlichen Radabstellplätzen pro Jahr bisher nur ein Bruchteil umgesetzt wurde und das meist zu Lasten der Fußgänger. Auch die GAL pocht im Umweltsenat darauf, mehr für den Radverkehr zu tun. GAL-Stadträtin Petra Friedrich kündigte an, weitere Anträge stellen zu wollen.

Baureferent Beese machte jedoch deutlich, dass dies nicht so einfach ist: Der Koordinierungsaufwand bei der Umsetzung von Ideen sei nicht zu unterschätzen.

Müssen sich die Radler also bremsen oder muss die Stadt mehr Gas geben? Ein Pro & Contra

Pro von Michael Wehner: Bamberg und die Blechlawine

Man muss kein Radfahrer sein, um mehr Raum und mehr Rechte für die Fahrradfahrer einzufordern, aber man darf. Das Klischee vom Radler-Rambo und den Gasfuß-Proleten ist überholt. Die meisten von uns fahren selbstverständlich Auto, treten aber auch gerne in die Pedale, ganz besonders in Bamberg. Es ist ein einfaches Rechenexempel, das uns hilft, den Glaubenskrieg um die Straße zu beenden zugunsten von mehr Vernunft. Was Fakt ist: Die Autos werden immer mehr und sie werden immer wuchtiger. Doch der Raum, den sie beanspruchen, bleibt gleich, Bamberg mit seiner tausendjährigen Altstadt bleibt die gleiche. Wer ins Jahrbuch der Stadt schaut, kann sich nur wundern: Die Zahl der Kraftfahrzeuge stieg seit 2011 um 4000 an. 4000 Autos mehr, die über das schmale Pflaster rumpeln, die Stellflächen belegen, die Feinstaub erzeugen und Abgase! Welche Alternativen haben wir, wenn das Bevölkerungswachstum anhält? Wir könnten die Bamberger Altstadt in die Luft sprengen, um den Verkehrsinfarkt zu verhindern und Platz für neue, noch bulligere Geländewagen zu schaffen. Wir könnten aber auch dem Umweltverbund mehr Platz einräumen, wir können es attraktiver machen, Bus zu fahren, zu Fuß zu gehen und aufs Rad zu steigen, wie viele es bereits tun. Ganz ohne Schmerzen wird das aber nicht gehen. Weil das, was wir Stadt nennen, nicht beliebig vermehrbar ist, müssen diejenigen Fortbewegungsarten begünstigt werden, die weniger Schaden verursachen, die verkehrspolitisch betrachtet gewollt sind. Umgekehrt wird es nicht vermeidbar sein, die derzeit noch herrschende Bevorzugung des Autos in Frage zu stellen. Doch Menschen können sich ändern, Verkehr hat sich immer geändert. Das lebendige, pulsierende Bamberg ist das beste Beispiel dafür, dass das Prinzip der autogerechten Stadt in die Vergangenheit weist. Auto fahren in Bamberg? Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Contra von Sebastian Martin: Das Rad allein löst nichts

Bamberg ist eine attraktive und ständig wachsende Stadt, in der Mobilität immer wichtiger wird. Mehr Menschen auf der Straße, bedeuten aber auch mehr Konflikte. Umso entscheidender wird es in Zukunft sein, gemeinsam diesen öffentlichen Raum, der nun mal endlich ist, für alle gerecht zu gestalten. Und darin ist kein Platz für ein überzogenes Auto-Bashing. Viele fahren nicht umsonst mit dem Auto, sind sogar darauf angewiesen: Ältere Menschen, die zum Arzt müssen, Familien mit kleinen Kindern, Menschen aus dem Umland, die nach Bamberg wollen. Die Lobbyarbeit der Radaktivisten war nötig, um zu verdeutlichen, dass es in der Infrastruktur Bambergs ein Ungleichgewicht zwischen Auto und Rad gibt. Allerdings müssen die Aktivisten nun selbst auf die Bremse treten. Denn: Zum Einen verfolgt die Stadt mit dem Beschluss aus dem Bürgerbegehren bereits die geforderten Ziele. Zum Anderen kann nicht von jedem verlangt werden, dass er von heute auf morgen auf sein Auto verzichtet. Alle motorisierten Fahrzeuge aus der Innenstadt zu verbannen, ist schlicht der falsche Weg und führt zu keiner Lösung. Selbst in einer verwinkelten Stadt wie Bamberg muss das Auto auch weiterhin mitgedacht werden, um auch den Menschen gerecht zu werden, die auf ihr Fahrzeug angewiesen sind. Ein echter Umbau der Infrastruktur braucht somit seine Zeit. Wer hier nur schnell aufs Rad setzt, löst die viel kompliziertere Mobilitätsfrage nicht. Es müssen langfristige Lösungen her, in denen gut abgewogen sein will, ob für eine verbesserte Radinfrastruktur etwa Stellplätze für Autos weichen müssen. Eine einseitige Bevorzugung eines Fortbewegungsmittels ist dagegen nicht zielführend. Das herrschende Gegeneinander im Straßenverkehr wird ansonsten kaum abnehmen. Das Verständnis des Bambergers dagegen schon.

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