Bamberg
Pubertät 2.0

Digital Erwachsenwerden: mit Sex und Cybermobbing

Fiese Mobbing-Attacken, sexuelle Experimente und Erfahrungen - das Leben der Jugendlichen findet zu einem großen Teil öffentlich statt. Eltern haben oft keine Ahnung davon, was im Internet los ist, von den Problemen ihrer Kinder und wie sie damit umgehen sollen. Das weiß die Bamberger Sozialpädagoging Katharina Heigl.
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Pornos, Selbstdarstellung im Netz, Cybermobbing: Das ist Teil der Realität junger Menschen. Es zu verhindern, hält Katharina Heigl für unmöglich, den Versuch für sinnlos. Die Sozialpädagogin sagt, viel wichtiger sei, die Kinder und Jugendlichen stark zu machen. "Damit sie mit so etwas umgehen können." Heigl ist bei Pro Familia Bamberg Hauptansprechpartnerin für Schulen; sie gibt sexualpädagogische Workshops, kennt die Probleme aus vielen Gesprächen mit Jugendlichen.

Cybermobbing definiert das bayerische Familienministerium als "absichtliches Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen und Belästigen im Internet", meist über einen längeren Zeitraum. Demnach sehen 20 Prozent der Jungs Cybermobbing als Gefahr, 31 Prozent der Mädchen fürchten sich davor.

Heigl kennt das Phänomen schon lange. "Das gab es schon in meiner Generation", sagt die 28-Jährige.
In ihrer Jugend habe es sich allerdings auf Chats beschränkt; die technischen Möglichkeiten haben sich weiterentwickelt: Handys haben heute Videokameras. Und sorgen für permanente Erreichbarkeit - dafür, dass Cybermobbing rund um die Uhr stattfinden kann. Anders als bei Mobbing im realen Leben ist das Zuhause kein geschützter Raum mehr. Die Angreifer sind oft anonym. Und die Inhalte verbreiten sich immer schneller.

Auch pornografische Bilder oder Filmchen. "So was kriegen Jugendliche übers Handy geschickt, das lässt sich nicht verhindern", sagt Heigl. Sexualisierte Bilder oder Werbung kommt teils unaufgefordert aus unbekannten Quellen, teils von Gleichaltrigen. "Und es nimmt auch schon in früheren Altersgruppen zu. Ab der sechsten, siebten Klasse", sagt Heigl.

Das Netz formt ein Bild der Sexualität

Jungs verunsichere das oft stark, weil sie glaubten, was sie sehen, sei normal. "Zum Beispiel die Penisgröße. Sie haben Angst, weil sie denken alles darunter ist unnormal." Mädchen glauben, sie würden von den Jungs nur gemocht, wenn sie sich benehmen wie die Frauen in den Filmen. Auffällig findet Heigl, wie Schülerinnen bei Facebook kokettieren: "Lolitastyle mit Kussmund. Die denken dabei an ihre Freunde, an die Jungs, die sie toll finden - häufig ist nicht in den Köpfen, dass das auch andere sehen, dass das gefährlich sein kann."
Entscheidend sei, dass die Jugendlichen einen Erwachsenen haben, mit dem sie sprechen können: "So dass sie auch ein realistischeres Bild von Sexualität bekommen und lernen, das, was sie im Internet sehen, einzuordnen. Sonst können sie es nicht verarbeiten."

Heigl weiß: Wenn's um Sex geht, wenden Jugendliche sich eher an Gleichaltrige. Die auch nicht mehr wissen. "Eltern müssen unbedingt versuchen, eine Beziehung aufzubauen, in der das Kind das Gefühl hat: Ich kann damit kommen." Jemand, der mit Vertrauen und stabilen Familienverhältnissen groß wird, gehe mit Problemen eher zu den Eltern. Wie die Schülerin aus Großostheim, die nicht auf den Erpresser einging, der ihr Handy gefunden hatte. Sondern gemeinsam mit den Eltern Anzeige bei der Polizei erstattete.


Belästigung übers Internet? Das Polizeipräsidium Unterfranken rät:

Nicht antworten!
Beleidigende oder bedrohliche Nachrichten per E-Mail, Social Media o.ä. nicht tolerieren. Kinder und Jugendliche sollen aber nicht direkt antworten, sondern Eltern und andere Vertrauenspersonen einbeziehen. Auch die Schule informieren.

Beweise sichern!
Bilder oder E-Mails mit strafbarem Inhalt speichern.

Zur Polizei gehen!
In schwerwiegenden Fällen wie denen auf dieser Seite sofort die Polizei einschalten.


Hilfe

Vor Ort bei den Beratungsstellen von Pro Familia

Online auf www.klicksafe.de (Europäische Union ) und www.webhelm.de (Familien- und Justizministerium, Verbraucherschutz)

Veranstaltungen:
Nach einer speziellen Veranstaltung für Schüler am Vormittag geht's am Abend für Interessierte allgemein um den "Tatort Internet" am Mittwoch, 11. Dezember, mit Social-Media-Experte Michael Ehlers und Hacker Götz Schartner in der Stadthalle Kulmbach, 19.30 Uhr, Eintritt frei

Nach Nürnberg, Würzburg, Ansbach und Schwabach lernen nun auch in Coburg im von der Sparda-Bank geförderten Projekt "SurfSafe" über 2500 Schüler den richtigen Umgang mit Internet, Smartphone und Co. Zusätzliche Informationen gibt es unter www.spardasurfsafe.de
Für Eltern und Interessierte wird eine öffentliche Infoveranstaltungen über "Sicherheit im Internet" angeboten: 11. Dezember 2013, 18 Uhr, Kongresshaus Rosengarten, Eintritt frei

infranken-Chat: Am Donnerstag, 5. Dezember, von 16 bis 17 Uhr können Sie auf inFranken.de mit Experte Michael Ehlers über Chancen und Risiken des Internets diskutieren.
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