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Pettstadt
Treffpunkt

Dieser Ansturm macht Mut

Die Gemeinde Pettstadt hat einen ehemaligen Laden im Ortszentrum für ein paar Jahre gepachtet, um darin einen (vorübergehenden) Bürgertreff zu installieren.
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Bei der Erntedankfeier bestand der künftige Bürgertreff von Pettstadt seine Bewährungsprobe. So viele Besucher auf einmal hat der ehemalige "Nahkauf" am Kirchplatz wohl nie erlebt. Foto: Gerd Reichert
Bei der Erntedankfeier bestand der künftige Bürgertreff von Pettstadt seine Bewährungsprobe. So viele Besucher auf einmal hat der ehemalige "Nahkauf" am Kirchplatz wohl nie erlebt. Foto: Gerd Reichert

Eine schmucke, gern besuchte Kirche in Pettstadt gibt's seit Jahrhunderten und aus dem ehemaligen Schulhaus wurde das Rathaus. Was am Kirchplatz derzeit fehlt, ist ein alltäglicher Treffpunkt für die Bürger. Den gab es bis vor wenigen Jahren in Form des "Nahkaufs" der Familie Reinwald. Bis das Geschäft geschlossen wurde, ging hier halb Pettstadt ein und aus, um Wurst, Brot und Klopapier zu kaufen und sich über das Wer-mit-wem? oder sonstige Neuigkeiten auszutauschen.

Dieses frühere Ladengeschäft sieht nun einer neuen Funktion entgegen, um die lebendige Mitte Pettstadts zu ergänzen. Auf seiner früheren Verkaufsfläche von knapp 100 Quadratmetern entsteht ein Bürgertreff. Zumindest vorübergehend, bis in einigen Jahren das geplante Gemeindezentrum im Baugebiet Hopfengarten an der Fabrikstraße seine Pforten öffnen wird. Dieses Projekt wird aber derzeit durch eine Normenkontrollklage gegen die Bauleitplanung blockiert und ist noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Die Gemeinde hat daher den ehemaligen Laden im Ortszentrum für ein paar Jahre gepachtet. Und im Rahmen der Städtebauförderung soll er nun mit neuem Leben erfüllt werden. Dazu hat sich aus dem inzwischen gebildeten "Helferkreis Pettstadt" eine Arbeitsgruppe Gedanken gemacht und ein Konzept vorgelegt, das in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zur Gänze akzeptiert wurde.

Die Projektmanagerin Annika Eckert vom Büro Cima wies darauf hin, dass Pettstadt bis zum Jahr 2033 ein erheblicher demografischer Wandel bevorstehe: Aus den 274 Bürgern über 65 werden binnen zwei Jahrzehnten 585 geworden sein, mithin eine Steigerung der Senioren um 110 Prozent. Deshalb gelte es, für ältere Bürger weitere Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Ferner sollte den aktiven Bewohnern Raum für eigene Gemeinschaftsangebote bereitgestellt werden, der gleichzeitig auch Neubürgern mit und ohne Migrationshintergrund ein schnelles Einleben ermöglichen soll. Der Bürgertreff soll soziale Versorgungslücken schließen. Bestehende Angebote wie etwa die VHS-Kurse werden von Anfang an in die Planung einbezogen, etwaige Konkurrenz-Ängste seien unbegründet.

Eine vierköpfige Arbeitsgruppe des Helferkreises hat im Zusammenwirken mit der Generationenbeauftragten des Landkreises, Sina Ott und Kathrin Weinkauf, einer Expertin der Kreisverwaltung für barrierefreies Wohnen, den Ist-Zustand des ehemaligen Nahkaufs dokumentiert. Dabei stellte sich heraus, dass das Objekt noch nicht ganz behindertengerecht ist und vor allem eine Lärmdämpfung plus altersgerechter Beleuchtungsanlage benötigt. Derlei Baukosten werden nach Information von Bürgermeister Jochen Hack (FWG) zu 60 Prozent aus der Städtebauförderung getragen.

Polster hinterm Schaufenster

Die Möblierung des Bürgertreffs muss die Gemeinde jedoch aus Eigenmitteln stemmen. Nach dem Konzept der Arbeitsgruppe soll hinter dem Schaufenster eine Polstergruppe platziert werden. Danach kommen mehrere Tischgruppen, eine Einbauküche, eine Tischtennisplatte, Dartscheibe, Crosstrainer, ein Schwarzes Brett und Regale für Bücher und Spiele. Es können bis zu 40 Sitzplätze an Tischen bereitgestellt werden, wobei ein angrenzender Raum als Stuhllager genutzt werden kann.

Die Arbeitsgruppe hat bezüglich der künftigen Nutzung auch schon eine facettenreiche Musterwoche geplant. Diese sieht zahlreiche Bausteine vor, von Schafkopf- und sonstigen Spielrunden bis zur Sozialberatung, von Indoor-Sportmöglichkeiten bis zum Müttertreff mit Kleinkindern, vom Weißwurstessen nach dem Mittwochsgottesdienst bis zu einem freitäglichen "Bürgertreff international" unter dem Motto "Bei uns dahaam - bei uns zu Gast". Dazu sollen Zeitfenster für Gastnutzer geöffnet bleiben und auch die Jugendarbeit soll teilweise in diesem Raum stattfinden. Auf Frage von Manfred Dippacher erklärte Bürgermeister Hack allerdings, dass die vorhandenen Jugendräume im Schulkomplex weiterhin für die offene Jugendarbeit der Gemeinde verwendet werden sollen.

Die Einrichtungskosten wurden von der Arbeitsgruppe auf 17 000 Euro addiert. Darüber hinaus entstehen Investitionen in Lärmdämpfung, Beleuchtung und Behindertengerechtigkeit von bis zu 30 000 Euro.

Nach der einmütigen Zustimmung des Pettstadter Gemeinderats wird die Verwaltung nun unverzüglich die Städtebauförderung bei der Regierung von Oberfranken beantragen, um möglichst bis zum Sommer 2019 den Bürgertreff öffnen zu können.

Seine erste große Bewährungsprobe bestand der Raum bereits bei einer improvisierten Erntedankfeier im Zusammenwirken von katholischer Pfarrgemeinde, Obst- und Gartenbauverein sowie dem Arbeitskreis Mittagstisch des Helferkreises Pettstadt. 85 Klöße, Rauchfleisch und Bohnakern, Kürbissuppe und Hefezopf mit Kaffee fanden reißenden Absatz. Gerne versammelte sich eine große Schar von Pettstadtern in ihrem künftigen Bürgertreff und bei schönstem Herbstwetter davor im Freien.

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