Bamberg
Prozess

Diebesbande aus Ungarn: Fünf saßen schon mal hinter Gittern

Eine mutmaßliche ungarische Bande steht wegen etlicher Diebstahlsdelikte vor Gericht. Einige Mitglieder sind Sinti und Roma.
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Von den neun Angeklagten passen nur fünf auf das Bild. Im Hintergrund sind drei Verteidiger zu sehen. Foto: Matthias Hoch
Von den neun Angeklagten passen nur fünf auf das Bild. Im Hintergrund sind drei Verteidiger zu sehen. Foto: Matthias Hoch
Viel sagt der Angeklagte nicht zu seinen persönlichen Verhältnissen, aber eines dafür klar: "Wir Zigeuner werden in Ungarn gemieden. Die geben uns keine Arbeit." Dieser Aussage stimmen zwei weitere Männer zu, die ebenfalls auf der langen Anklagebank sitzen - drei der insgesamt neun ungarischen Staatsbürger geben sich als - Zitat - "Zigeuner" zu erkennen.

Die Dolmetscherin erklärt: "In Ungarn nennen sie sich Zigeuner, man kann auch Roma sagen." Ihre Zugehörigkeit zu dieser ethnischen Gruppe habe es einigen Angeklagten erheblich erschwert, Arbeit in Ungarn zu finden, wie diese behaupten. Ihnen und dem Rest der mutmaßlichen Bande wird vor dem Landgericht Bamberg zur Last gelegt, in insgesamt 29 Fällen schweren Bandendiebstahl begangen zu haben.

Die neun Männer sollen in den Jahren 2011 und 2012 ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise durch Bandendiebstahl finanziert haben.
Laut Anklageschrift sollen sie in Oberbayern, Sachsen, der Oberpfalz und Franken aktiv gewesen sein. Die Gruppe um Attila H. habe sich "auf Einbrüche bei Elektrofirmen spezialisiert". Dies habe eines der Bandenmitglieder in einer Vernehmung erwähnt, wie ein Polizist aussagte, der als Zeuge geladen war.
Auch Baustellen sollen zu den bevorzugten Zielen der Bande gehört haben, etwa auf Umspannwerken in Eltmann (Landkreis Haßberge), Altdorf bei Nürnberg sowie in Erlangen. Weitere Tatorte waren eine Recycling-Firma in Bayreuth und eine Autobahnmeisterei im Landkreis Bayreuth. Die Gruppe soll in unterschiedlicher Besetzung Beute in Höhe von 828.458,52 Euro gemacht haben. Hinzu kommt ein Sachschaden von 46.133,09 Euro.

Persönliches zu den Angeklagten

"Heute wollen wir etwas Persönliches zu den Angeklagten in Erfahrung bringen. Damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben", sagte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt zu Beginn des zweiten Verhandlungstages.
"Zu tun" hat es die Zweite Strafkammer des Landgerichts mit Männern zwischen 26 und 45 Jahren. Acht von ihnen haben eine Schule besucht, die in Ungarn etwa der deutschen Hauptschule entspricht. Einer war auf der Förderschule. Ein anderes Mitglied der Gruppe hat die Hauptschule nach sechs Jahren abgebrochen und kann weder lesen noch schreiben. Was alle neun Angeklagten gemeinsam haben: Sie sind Väter von einem bis vier kleinen Kindern und haben Lebensgefährtinnen beziehungsweise einer ist verheiratet. Fünf von neun saßen bereits in Ungarn im Gefängnis, zum Teil wegen Diebstahlsdelikten.

Nur einer der neun Männer hat eine abgeschlossene Berufsausbildung: Er machte eine Lehre zum Mechaniker und Schreiner und arbeitete als Automechaniker. Ein anderes Mitglied der mutmaßlichen Einbrecherbande begann zwar eine Lehre zum Metzger, schloss sie aber nicht ab. Er arbeitete später laut eigenen Angaben als "Hauswirtschafter im Bordell."

Die anderen sieben Angeklagten hielten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, etwa als Straßenarbeiter bei der Gemeindeverwaltung, Brunnenbohrer, oder Forst-Hilfsarbeiter. Auf die Frage des Richters, ob sie Probleme mit Alkohol oder Drogen hätten, antworteten alle mit "nein". Eine andere Frage konnte noch nicht vollständig geklärt werden: Wer ist mit wem verwandt oder verbandelt? Im Laufe der Verhandlung stellte sich heraus, das zwei Brüder in der mutmaßlichen Einbrecherbande sind. Zudem ist die Schwester eines anderen Gruppenmitgliedes die Lebensgefährtin eines weiteren Angeklagten. Richter Manfred Schmidt machte deutlich, dass er die verwandtschaftlichen Beziehungen in den folgenden Verhandlungen genauer nachvollziehen möchte.
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