Bamberg
Stadtentwicklung

Die zwei Seiten der Konversion

Aus Sicht des Finanzreferenten der Stadt ist die Umwandlung der US-Flächen bislang sehr gut gelaufen. Trotz Kosten von 34 Millionen Euro mussten keine Schulden aufgenommen werden. Doch das ist nur die eine Perspektive.
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Finanziell ist bislang alles im Lot. Dennoch ist es um den Ruf der Bamberger Konversion nicht allzu gut bestellt. Mit ein Grund: das Ankerzentrum im früheren US-Wohngebiet Flynn.   Foto: Ronald Rinklef
Finanziell ist bislang alles im Lot. Dennoch ist es um den Ruf der Bamberger Konversion nicht allzu gut bestellt. Mit ein Grund: das Ankerzentrum im früheren US-Wohngebiet Flynn. Foto: Ronald Rinklef

Bamberg Geplatzte Hoffnungen auf bezahlbare Wohnungen, gewachsene Kriminalität durch das Ankerzentrum und eine Bundespolizeischule, die sich hinter den ehemaligen US-Absperranlagen ohne jede Einschränkung breit gemacht hat. Wer sich sich in Bamberg umhört, wird beim Thema Konversion nicht allzu viele positive Kommentare hören.

Doch es kommt auf die Perspektive und den Kreis an, in dem man sich gerade befindet. Neulich im Finanzsenat wurde die Konversion in Bamberg in einem ganz anderen Licht betrachtet. Kämmerer Bertram Felix sprach von einem erfolgreichen Großprojekt und gelungener Stadtentwicklung.Der Stadtentwicklungsgewinn könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagte Felix und spannte einen Bogen von der Ansiedlung der Brose-Unternehmensgruppe am Sonderlandeplatz bis zum Digitalen Gründerzentrum und dem neuen Bürgerrathaus. Mit den Mietwohnungen im Föhrenhain sei sogar bezahlbarer Wohnraum geschaffen worden. Nicht zuletzt wurde in Bamberg-Ost ein neuer Justiz-Standort aus dem Boden gestampft.

Doch das waren nicht die einzigen Lobeshymnen. Was dem Finanzreferent besonders wichtig war, sind die finanziellen Umstände, unter denen die Konversion voranschreitet. Bis Ende 2018 betrug der Aufwand für das Großprojekt 34 Millionen Euro, 18 Millionen wurden allein für den Grundstückserwerb ausgegeben; 4,2 Millionen kostete das Bürgerrathaus; bei 2,7 Millionen Euro stehen derzeit die Personalkosten.

Als "besonders erfreulich" schätzt es der Kämmerer ein, dass alle bisherigen Aufwendungen und Investitionen vollständig aus dem städtischen Haushalt finanziert werden konnten. "Die Konversion ist also bislang komplett ohne Schuldenaufnahme durchgeführt worden", rechnete Felix vor.

Lob auch von Weinsheimer

Bei den Mitgliedern im Finanzsenat kam diese Sicht der Dinge gut an. Diese Entwicklung sei nicht selbstverständlich, freute sich Heinz Kuntke (SPD). Von einer "klasse Lösung" sprach Daniela Reinfelder (BuB). Und selbst von Dieter Weinsheimer (BA) kam dieses Mal ein Lob für die Konversion. Das Einwerben und Steuern von Zuschussgeldern könne sich sehen lassen.

Müller: Bamberg hat gezögert

Ist die Bamberger Konversion am Ende doch besser als ihr Ruf? Darüber sprachen wir mit Helmut Müller (CSU). Hört man den Chef der CSU-Fraktion, dann ist die rein haushaltsmäßige Betrachtung der Konversion nur eine Seite der Medaille.

Abgesehen davon, dass künftig anders als bisher wohl Schulden gemacht werden müssten, sieht der 75-Jährige in der politischen Wertung rückblickend auch Schwächen. "Es war ein erheblicher Fehler, dass wir am Anfang bei der Flynn-Area, beim Golfplatz oder anderen Flächen nicht sofort zugelangt, sondern auf den großen Wurf gewartet haben. Aus heutiger Sicht hätte die Stadt gut daran getan, wie Schweinfurt schnell möglichst viele Flächen zusammenzukaufen. Dann gäbe es kein Ankerzentrum. Und Bamberg hätte auch das Wohnungsproblem nicht so wie jetzt." Freilich weist auch Müller auf die Umstände hin, die ein Prozess wie die Umwandlung ehemaliger Militärflächen üblicherweise prägen - etwa den extremen zeitlichen Vorlauf. Das Beispiel Lagardekaserne zeige, in welchen Dimensionen man bei einer Konversion denken müsse. Dort kostet laut Müller allein die Entsiegelung von Asphalt- und Betonflächen zwei bis drei Jahre.

Müller blickt deshalb mit gewisser Hoffnung auf zwei Meilensteine, die die Bamberger Konversion möglicherweise wieder in einem günstigeren Licht erscheinen lassen: die Übernahme der Flächen des Ankerzentrums zum Jahr 2025 und der versprochene Verkleinerung der Bundespolizei für den dauerhaften Betrieb. Dann werde auch Bamberg-Ost wieder durchlässiger.

Weitere Informationen: Die Kosten der Konversion von 2012 bis 2018 (Auswahl):

18,3 Millionen Euro Grundstückserwerb

4,2 Millionen Euro Bürgerrathaus

3,9 Millionen Euro vorbereitende Untersuchungen

2,8 Millionen Euro Personalkosten

150 000 Euro Muna/Schießplatz

34,4 Millionen Euro Gesamtkosten

Für 2019 ist folgender Aufwand eingeplant (Auswahl)

14,7 Millionen Euro Lagardekaserne

12,5 Millionen Euro Infrastruktur, Abriss und Hochbau Projekt Offizierssiedlung



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