Bamberg
Zeitgenössiche Kunst

Die Zukunft des Kunstraums steht in den Sternen

In Bamberg bündeln Freunde zeitgenössischer Kunst ihre Kräfte, um das marode Kesselhaus zu retten oder Alternativen zu erschließen.
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Das Kesselhaus. Foto: Ronald Rinklef
Das Kesselhaus. Foto: Ronald Rinklef
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Hat der "Kunstraum Kesselhaus" eine Überlebenschance? Lässt sich das Erfolgsprojekt an anderer Stelle fortführen? Ein Damoklesschwert schwebt über dem ehemaligen Betriebsgebäude des alten Krankenhauses, das in nur zwei Jahren zum Anziehungspunkt für Freunde der Gegenwartskunst wurde. Nun gründete sich am Leinritt der Förderverein "Kunstraum Jetzt", um nach einem möglichen Aus fürs Kesselhaus neue Wege zu gehen und darüber hinaus noch "Räume und Konzepte für zeitgenössische Kunst in Bamberg zu entwickeln", wie sich Barbara Kahle als Mitinitiatorin ausdrückte.

92 Mitglieder schlossen sich dem Förderverein an, der sich in der Unteren Sandstraße 42 formierte - darunter Bürgermeister Werner Hipelius, diverse Stadträte und Thomas Silberhorn als Bundestagsabgeordneter. Auf allen Ebenen ist die Initiative ja auf Unterstützung angewiesen, nachdem Untersuchungen zum baulichen Zustand des Kesselhauses durch die Landesgewerbeanstalt erhebliche Mängel gerade bezüglich des Brandschutzes ergaben: Eine ernüchternde Entwicklung, die viele Hoffnungen zunichtemachte.

Vergeblich suchte der Kunstverein neben dem Berufsverband Bildender Künstler Oberfranken (BBK) jahrelang nach einem Ausstellungsraum wie dem Kesselhaus, in dem kreative Köpfe experimentell arbeiten können. Dann entdeckte Christoph Gatz das frühere Betriebsgebäude des alten Krankenhauses, das der Sprecher des Architekturtreffs mit Mitgliedern des BBK und des Kunstvereins aus dem Dornröschenschlaf weckte. Die Initiative Kunstraum Kesselhaus formierte sich und verwandelte den Rothenburger-Bau in einen Ausstellungsort, der sich mit urbanem Charme auch jenseits regionaler Grenzen einen Namen machte.

Nun aber steht die Zukunft des Kesselhauses wieder in den Sternen. Endet zum Jahreswechsel die Geschichte des Kunstforums, das gerade auch beim jüngeren Publikum punktete? "Schon im Februar ist die nächste Ausstellung mit Anna Maria Kursawa geplant, die sich mit der Darstellbarkeit von Raum befasst", berichtet Kunstvereinsvorsitzende Barbara Kahle. Eva Leopoldi, Elke Zauner, Aldona Kut als polnische Künstlerin und diverse Protagonisten des BBK bereiteten sich auf die Präsentation ihrer Werke am Leinritt vor - im Dialog mit dem Raum, dessen Möglichkeiten jeder auf andere Weise auslotet. "Wir haben mit zeitgenössischer Kunst in Bamberg in den vergangenen Jahren gewaltige Potenziale erschlossen. Das alles aber steht jetzt auf dem Spiel."

Viele offene Fragen

Zu einer Kündigung der bisherigen Nutzungsvereinbarung sah sich die Stadt angesichts der Sicherheitsmängel gezwungen. Wie aber ist eine Sanierung des Kesselhauses nun zu finanzieren, bei der alle nötigen Maßnahmen gerade bezüglich des Brandschutzes getroffen werden? Darüber wird derzeit heftig diskutiert. Über mögliche Zuschüsse entscheidet der Stadtrat, dessen Haushaltsberatungen im November anstehen, wie Ulrike Siebenhaar als Leiterin der Pressestelle der Stadt berichtete.

Bürgermeister Hipelius sicherte als Kulturreferent und Fördervereinsmitglied dem "Kunstraum Jetzt" Unterstützung auch bei der Suche nach räumlichen Alternativen zu. Auf dem Konversionsgelände könnten sich geeignete Möglichkeiten bis hin zur Entstehung eines Kunstviertels ergeben. Im Gespräch sind auch Ausstellungsflächen auf dem Erba-Gelände. So prüft die Stadt mit Mitgliedern des Fördervereins der Landesgartenschau und der Initiative Kesselhaus die Chancen zur Nutzung der Batteur-Halle: "Ein Silberstreif am Horizont", wie sich Ulrike Siebenhaar ausdrückte, die sich ebenfalls als Mitglied des "Kunstraum Jetzt" engagiert.

Viele Mitstreiter fand der Förderverein schon vor der offiziellen Gründung. Am Montagabend verdoppelte sich seine Mitgliederzahl nochmals. In Kürze waren sämtliche Vorstandsposten besetzt: Als Vorsitzender fungiert demnach Ulrich Kahle, Oberkonservator beim Bayerischen Denkmalamt, als stellvertretende Vorsitzende Christiane Toewe, zugleich Vorsitzende des BBK Oberfranken. Auch Christoph Gatz und Barbara Kahle, die die Anfänge des Kunstraums Kesselhaus prägten, gehören dem Gremium an.

"Zwischen Aufbruchstimmung und Grabgesang" beschrieb Gatz als Mitbegründer der Initiative dennoch die Gemütslage bei der Vereinsgründung in dem Gebäude, in dem zum Jahresende vielleicht erneut die Lichter verlöschen. Bis zum 20. Oktober ist aber auf jeden Fall noch die langfristig geplante Ausstellung "Vertigo - Malerei von Tobias Lehner" zu sehen.
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