Bamberg

Die Zeit der Poeten in Bamberg läuft ab

Sind Plensas Poeten "zu schön" und "zu still", um breite Begeisterung und Debatten auszulösen? Fakt ist, dass es auch gut zwei Wochen vor dem Ende der Schau nur erste Ansätze für den Ankauf einer der acht Skulpturen gibt.
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Die Standorte Obere Mühlbrücke (Bild) und Schönleinsplatz kommen aus Sicht der Stadt als dauerhafter Standort für einen Plensa in Frage. Foto: Ronald Rinklef
Die Standorte Obere Mühlbrücke (Bild) und Schönleinsplatz kommen aus Sicht der Stadt als dauerhafter Standort für einen Plensa in Frage. Foto: Ronald Rinklef
Die ersten 10.000 Euro für den Ankauf einer Plensa-Skulptur sind da. Es handelt sich um den durch Mitglieder-Spenden aufgerundeten Erlös aus dem "Michelsberger Advent" 2012, den der Lions-Club Bamberg-Michelsberg im Dezember veranstaltet hat.

Ob der fünfstellige Betrag andere Leute motivieren kann, Geld für einen Poeten des spanischen Bildhauers zu spenden? Das hofft und wünscht sich jedenfalls "Activity"-Beauftragte Ilona Brückner vom Lions-Club.

Im Rathaus zögert man nach wie vor, ein Spendenkonto einzurichten. Man vermisst immer noch einen richtigen Anstoß aus der breiten Bevölkerung, gibt Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar zu verstehen. Die Stadt will selbst ungern aktiv werden. Sie befürchtet Missverständnisse und erhöhten Erklärungsbedarf, auch wenn für das Kunstwerk definitiv keine Steuermittel fließen würden, wie Siebenhaar versichert.

Bernd Goldmann, der im September die acht Poeten von Jaume Plensa im Auftrag der Stadt nach Bamberg geholt hat, verbreitet 14 Tage vor dem Ende der Großplastikenschau (am 27. Januar) ungebrochen Zuversicht. Er glaubt, dass es gelingen kann, einen ausreichend hohen Betrag für den Verbleib eines Kunstwerks zu aquirieren. Dafür wäre er nach eigenen Worten "auch bereit, Klinken zu putzen und nach Bayreuth zu fahren".

Von der dort ansässigen Oberfrankenstiftung gibt es Signale, Bamberg finanziell beim Ausbau des Skulpturenwegs zu helfen. Allerdings wartet man auch in Bayreuth weiter auf eine klare Botschaft, dass es nicht nur der Wunsch der Bamberger Stadtspitze und weniger Kunstfreunde ist, einen Plensa-Poeten auf Dauer zu beherbergen.


Begeisterung kann man nicht erzwingen

Betrachtet man das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage auf der FT-Internetplattform inFranken.de, dann scheint sich die Begeisterung für einen Plensa-Ankauf in Grenzen zu halten: Von 72 Teilnehmern sprachen sich nur 38 Prozent dafür aus.

Ist diese Kunst des spanischen Bildhauers "zu still" und "zu schön", um die Bamberger Öffentlichkeit in Aufregung und Begeisterung zu versetzen? Das ist eine Überlegung und ein Erklärungsversuch von Regina Hanemann, der Direktorin der städtischen Museen. Ihr fiel auf, dass anders als bei den früheren Großplastikenschauen diesmal kaum über die Werke gestritten und debattiert wird.

Davon abgesehen hat die Museumsfrau selbst die Erfahrung gemacht, dass man "Begeisterung nicht erzwingen kann". Manche Ausstellung komme an, die andere nicht. Vielleicht würden die Bürger auch keinen Bedarf mehr sehen, den Skulpturenweg noch zu erweitern?

Der Kunstverein hat in Sachen Plensa eine klare Meinung. Vorsitzende Barbara Kahle sagt, sie wisse sich mit dem Vorstand einig, dass man gern ein Werk für immer in Bamberg sehen würde - wie von allen bisherigen Großplastikenschauen auch.


250.000 Euro für einen Poeten

Denn, so Kahle: "Über diese öffentliche Kunst hat sich in Bamberg einiges verändert." Dass in der Welt erbestadt heute die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst besteht, führt sie ganz wesentlich auf die "Vorarbeit" Goldmanns seit 1997 zurück, als erstmals Fernando Boteros Bronzen im Stadtbild auftauchten. Ideelle Unterstützung für einen Plensa-Ankauf zu leisten wäre der Kunstverein bereit, wenn es gewünscht ist, sagte die Vorsitzende.

Beim Berufsverband Bildender Künstler führt man das bislang schwache bürgerschaftliche Engagement für einen Plensa auf den Umstand zurück, "dass viele in der Kultur Aktiven schon mit ehrenamtlichen Tätigkeiten beschäftigt sind.

"Vielleicht machen sich die Poeten selbst schon Gedanken, wie gerade die bildende Kunst in Bamberg unterstützt werden kann", sagte auf Anfrage Vorsitzende Christiane Toewe. Ihre größte Hoffnung liegt auf dem Exponat "Love-Hate-Spirit" am Michaelsberg, "hat er doch den Überblick über die ganze Stadt und sendet seine Aura Tag und Nacht in die Ferne".

Noch geht man in der Stadt von 250.000 Euro für einen der Poeten aus. Goldmann sieht aber Verhandlungsspielraum beim Kaufpreis, wenn Bamberg wirklich interessiert ist. Er berichtet zudem von "sehr positiven" Gesprächen mit der Joseph-Stiftung. Die wäre nicht abgeneigt, die Skulptur an ihren Oberen Mühlen dauerhaft zu beherbergen, ließ bisher aber nicht erkennen, wie viel sie zu einem Erwerb beisteuern würde.


Nur zwei dauerhafte Standorte

Inzwischen gibt es offenbar eine Entscheidung des Stiftungsrats, die das kirchliche Wohnungsbauunternehmen in der nächsten Woche Oberbürgermeister und Bürgermeister mitteilen will. Spätestens dann, so hofft Goldmann, dürfte die Stadt einen soliden Grundstock an Spendenzusagen haben, so dass sich die Einrichtung eines Kontos anbietet und ein Sammlungserfolg realistisch wird.

Von den acht über die Alt- und Innenstadt verteilten Poeten kommen nach Angaben der Rathaus-Pressesprecherin nur zwei als dauerhafte Standorte in Frage: der Schönleinsplatz und die Oberen Mühlen. An den übrigen Orten - die Aussichtsterrasse auf dem Michaelsberg, die Grünanlage am Bischofshaus, der Domplatz, die Obere Brücke, An der Universität und im Innenhof von St. Martin - sei die Stelen-Kunst ob der erforderlichen Fundamente nur temporär möglich.
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