Bamberg

Die Wohnsituation als größtes Problem in Bamberg

Das Ergebnis der zweiten Bürgerbefragung der Stadt zeigt bemerkenswerte Verschiebungen. Das Ankerzentrum rutscht nach hinten.
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Zum zweiten Mal hat die Universität im Auftrag der Stadt Bamberg 1600 Bamberger zur Lebensqualität befragt.
Zum zweiten Mal hat die Universität im Auftrag der Stadt Bamberg 1600 Bamberger zur Lebensqualität befragt.

Wenn OB Andreas Starke (SPD) über das Lebensgefühl der Bamberger spricht, dann redet er gerne von einem positiven Grundrauschen: Bambergs Lebensqualität, seine kulturelle und landschaftliche Vielfalt, nicht zuletzt seine aktuelle Entwicklung sorgen für ein allgemeines Wohlfühlklima.

Ob dem tatsächlich so ist, welche Stärken Bamberg hat und ob es nicht auch Probleme gibt, dieser Frage gingen zum zweiten Mal Meinungsforscher der Universität Bamberg nach. "Bamberg-Image und Lebensqualität" ist der Name der repräsentativen Impact-Studie. 15 000 Euro lässt es sich die Stadt kosten, den Bürgern wissenschaftlich auf den Zahn zu fühlen. Die Hoffnung ist klar: Die Zahlen sollen helfen zu verstehen, wie die Stadtgesellschaft tickt.

Um es vorweg zu sagen, die These von Bamberg als Wohlfühlstadt konnten die Wissenschaftler zum zweiten Mal erhärten. 86 Prozent der 1600 Befragten sind der Meinung, dass die Lebensqualität in Bamberg sehr gut oder gut ist. Nur zwei Prozent finden sie eher schlecht oder sehr schlecht. Auffällig: Gegenüber der Vorgängerbefragung im Jahr 2017 ist die Zahl derer, die die Lebensqualität in Bamberg als sehr gut bewerten noch einmal um vier Punkte auf 38 Prozent gestiegen - ein Umstand, der mit dem Zeitpunkt der Befragung zusammenhängen mag. Denn wie Meinungsforscher Martin Messingschlager vor den Stadträten sagte, ist die gefühlte Lebensqualität im Frühjahr und Sommer natürlich höher als im Herbst, als die erste Befragung durchgeführt wurde.

Wie sieht es aber mit den Problemen in Bamberg aus? Welche Themen brennen den Menschen auf den Nägeln? Auch hier lieferte Messingschlager nachvollziehbare Ergebnisse. So hat sich in der Wahrnehmung der befragten Bamberger "die Wohnsituation" als das größte Problem offenbar noch einmal verschärft. 22 Prozent der Antworten zeigen: Der Mangel an bezahlbaren Wohnraum ist einer der größten Hemmschuhe Bambergs. Bemerkenswerte Veränderungen gab es auch auf Platz 2 und 3 der Mängelliste: Mit 13 Prozent hat der Verkehr in Bamberg als Ärgerthema um sechs Punkte zugenommen, was angesichts der vollen Straßen wenig verwundert. Das Ankerzentrum und die Folgen für die Stadt werden dagegen nicht mehr als so problematisch wahrgenommen wie noch 2017. Von zwölf auf sieben Prozent rutschte die Bewertung ab. Damit korrespondieren auch die Erkenntnisse zur Kriminalität. Laut Messingschlager schrumpfte die Quote derer, die die Kriminalität in Bamberg als Problem sehen, signifikant. 36 Prozent meinen, sie sei gering. 2017 waren nur 27 Prozent dieser Meinung.

Wie gut läuft die Wirtschaft?

Neu unter den zehn wichtigsten Schwachpunkten der Stadt Bamberg: "die wirtschaftliche Situation". Immerhin sechs Prozent der Antworten sehen sie als Problem. Hier könnte sich die Krise bei Bosch bereits ausgewirkt haben. Freilich steht dem an anderer Stelle eine auffällig gute Beurteilung des gleichen Themas gegenüber. Immerhin 63 Prozent schätzen die wirtschaftliche Lage in Bamberg als gut oder sehr gut ein. Auch die Zukunftshoffnungen der Befragten sind eher als rosig zu bezeichnen: 64 (!) Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Stadt eine gute oder sehr gute Zukunft bevorsteht.

Zugenommen hat dagegen das Problembewusstsein für den Radverkehr (plus 3 Prozent) und für Parkplätze (plus 2 Prozent). Und den Stadtrat wird es freuen: Die kommunale Politik schnitt 2019 deutlich besser ab als zwei Jahre zuvor. Nur drei Prozent der Nennungen identifizierten die Verwaltung als Problem.

Folge der Berichterstattung?

Allzu überrascht schienen die gewählten Bürgervertreter von den Ergebnissen der Befragung nicht. Helmut Müller (CSU) interpretierte das stark genannte Problemfeld Wohnen auch als Folge der Berichterstattung im FT. Klaus Stieringer (SPD) wähnte seine SPD "nah am Bürger". Wohnen und Verkehr seien Themen, um die sich die Partei seit Jahren kümmere. Daniela Reinfelder (BuB) warf die Frage nach der Verfallszeit der Informationen auf: "Die Ergebnisse zur wirtschaftlichen Lage würden nach den schlechten Nachrichten der letzten Wochen heute deutlich anders ausfallen."

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