Bamberg
Adventsaktion (2)

Die Wärmestube gibt Andi auch Halt

Der 46-jährige Andi ist seit seiner letzten Haftentlassung täglicher Gast bei "Menschen in Not". Der ehemalige süddeutsche Meister im Boxen ist heute ein kranker Mann und froh, dass Bamberg eine Einrichtung wie die Wärmestube in der Siechenstraße 11 hat.
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Wenn ihm nach einer Zigarette ist, geht Andi in den Hof der Wärmestube. Am großen Aschenbecher leisten ihm meistens andere Raucher Gesellschaft. Foto: Matthias Hoch
Wenn ihm nach einer Zigarette ist, geht Andi in den Hof der Wärmestube. Am großen Aschenbecher leisten ihm meistens andere Raucher Gesellschaft. Foto: Matthias Hoch
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Andi verbrächte seine Tage wohl auf der Straße oder unter der Brücke, wenn es die Wärmestube von "Menschen in Not" nicht gäbe. Der 46-Jährige glaubt, dass er dann auch wieder auf die schiefe Bahn geraten könnte: "Wennst ka Geld hast und bist dauernd auf der Strass', passieren schnell wieder krumme Dinger!"

Krumme Dinger hat er schon genug gedreht. Im Interview berichtet er sehr freimütig von 23 Jahren, die er hinter Gittern verbracht habe - wegen Raubüberfällen, Körperverletzung und anderen Straftaten.
Selbstkritisch und schonungslos erzählt er von seiner Vergangenheit, von Habgier und Drogen, die ihn immer wieder ins Gefängnis gebracht hätten.

Peter Klein, der hauptamtliche Leiter des Treffpunkts in der Siechenstraße 11, wohnt dem Gespräch bei. "Viele hier sind sehr ehrlich", sagt er. Und, dass er heute manches über Andi gehört habe, das er noch nicht wusste. Laut Klein muss sich niemand offenbaren, der in die Wärmestube kommt, wo er Hilfe, eine geheizte Bleibe und kostenlose Stärkung erhält.

Schonungslos offen

Obwohl der gelernte Installateur Andi ein eher wortkarger Mann zu sein scheint, stellt er sich den Fragen der Redakteurin. Peter Klein hat ihn darum gebeten, weil die FT-Lokalredaktion an den Samstagen bis Weihnachten jeweils ein Schicksal von Menschen vorstellen möchte, für die die Wärmestube und ihre begleitenden Angebote überlebenswichtig sind.

Die Absicht der kleinen Serie ist es, Leser für die noch fehlenden Spenden zu gewinnen, die zur Finanzierung der Einrichtung nötig sind. 60 000 bis 70 000 Euro muss sie pro Jahr erwirtschaften, was nur über Zuwendungen wohlmeinender Privatleute und Firmen möglich ist.

Deshalb setzt sich heuer der unter dem Dach des Pressehauses angesiedelte Spendenverein "Franken helfen Franken" dafür ein, dass das Projekt "Menschen in Not" eine möglichst sichere Zukunft hat. Der erste Spendenaufruf am 30. November blieb nicht unerhört: Schon 4335 Euro wurden auf das Konto von "Franken helfen Franken" zweckgebunden für die Bamberger Wärmestube eingezahlt.

Zurück zu Andi, der in besseren Zeiten nach eigener Aussage vier Mal süddeutscher Meister im Boxen war. Seine Offenheit erklärt er damit, dass seine Kumpels wüssten, was er angestellt hat und, dass er geläutert sei. Nicht zuletzt der Tod seiner Schwester vor vier Jahren habe ihn nachdenklich werden lassen.

Ein bescheidenes Leben

Der Bamberger ist inzwischen herzkrank und bis auf Weiteres erwerbsunfähig. Er bezieht staatliche Grundsicherung. Eine eigene Wohnung hat er nicht, dafür das Glück, dass er bei seiner Freundin im Landkreis übernachten kann. Gäbe es diese Frau nicht, wäre Andi obdachlos.

Neun Monate liegt seine letzte Entlassung zurück. Fast genau so lang ist er Stammgast in der Siechenstraße 11. Die Türen des Hauses an der Ecke Löwenstraße stehen ausdrücklich auch Strafentlassenen offen. Obdachlose und Arme bilden aber die größten Besucher-Gruppen.

Nahezu täglich gesellt sich der 46-Jährige zu ihnen: Wenn seine Freundin zur Arbeit fährt, fährt er mit ihr in die Stadt, abends nimmt sie ihn wieder mit nach Hause ins Bamberger Umland. Wie die meisten, die regelmäßig in die Wärmestube kommen, hat der gelernte Handwerker jede Menge Zeit, aber kein Geld, um etwas zu unternehmen.

Im Treffpunkt ist er nicht allein, findet - wenn er will - Gesprächspartner unter den Ehrenamtlichen und anderen Gästen. Er kann dort essen und trinken und sich bei Bedarf einkleiden. Über die Angebote sagt er: "Man kann zufrieden sein, wenn's so weiter läuft." Andis Ansprüche an das Leben sind bescheiden geworden.



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